Historisches

Ein Brot für 70 Milliarden Mark

Eine Billion, fünf Billionen... Gerhard Wegener zeigt seine Geldscheine.

Eine Billion, fünf Billionen... Gerhard Wegener zeigt seine Geldscheine.

Foto: WAZ FotoPool

Bochum.   Schon irre, diese Preise! Autor Gerhard Wegener hat ein neues Buch über das Papiernotgeld der Stadt Bochum während der Inflationszeit von 1914 bis 1923 verfasst. Die Scheine sind Zeugen einer mehr als denkwürdigen Epoche deutscher Geschichte

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500.000 Mark bar auf den Tisch? Also cash auf die Kralle? Für Gerhard Wegener ist das kein Problem. Der ehemalige Sozialarbeiter, der seit einigen Jahren in Hattingen lebt, ist leidenschaftlicher Sammler alter Geldnoten, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs und danach in Bochum die Runde machten.

Zwar ist das Papiernotgeld heute nicht mehr sonderlich viel wert, doch interessant ist es schon, die bunten Scheine mit den irrwitzigen Beträgen zur Zeit der Inflation von 1914 bis 1923 in Händen zu halten. Immerhin sind sie Zeugen einer mehr als denkwürdigen Epoche deutscher Geschichte.

Angesehen in Sammlerkreisen

Was bekam man eigentlich im August 1923 für schlappe 70 Milliarden Mark, als die radikale Geldentwertung ihren Höhepunkt erreichte? „Nicht viel mehr als ein Brot“, schätzt der 70-Jährige und lächelt.

Gerhard Wegener genießt in Sammlerkreisen längst einiges Ansehen. Seit fast 50 Jahren sammelt er das nostalgische Papier mit den vielen Nullen in den Ziffern und besitzt mittlerweile (neben der Sparkasse) eine der größten Sammlungen alter Geldscheine. Über den historischen Schotter hat er jetzt bereits das zweite Buch veröffentlicht: Vor etwa einem Jahr beschäftigte er sich mit dem Papiernotgeld im Landkreis Bochum, jetzt widmet er sich der Situation in der Stadt Bochum zwischen 1914 und 1923.

Ein schönes Hobby

Nicht nur für Experten interessant, hat Wegener auf rund 220 Seiten die Scheine abgebildet, die er in teils mühevoller Kleinarbeit zusammen getragen hat. Dazu gibt es Erklärungen, interessante Randnotizen und eine Schätzung des heutigen Sammlerwerts der Scheine (zwischen 3 und 300 Euro). „Natürlich gibt es schon Bücher über die Inflationszeit“, meint Gerhard Wegener. „Aber einen Katalog mit heimatkundlicher Note aus Bochumer Sicht gab es bislang noch nicht.“

Über das Sammeln historischer Münzen kam Gerhard Wegener zu den Geldscheinen. „Für Heimatkunde habe ich mich schon als kleiner Junge begeistert“, erzählt er. Später trieb er sich emsig auf den Münzbörsen etwa in der Ruhrlandhalle herum, sammelte und archivierte die alten Scheine. „Meine Frau meint, dass ich ein schönes Hobby habe“, sagt er. In etwa einem halben Jahr soll der dritte Band über das Inflationsgeld in Wattenscheid erscheinen.

„Das Papiernotgeld in der Stadt Bochum von 1914 bis 1923“ von Gerhard Wegener ist in keinem Verlag erschienen, sondern lediglich beim Autor direkt erhältlich (25,80 Euro). Auch wer noch alte Noten aus der Inflationszeit in seiner Schublade hütet, kann sich gern bei Gerhard Wegener melden. Informationen: Tel. 02324/ 55742.

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