Bildung

Ein Hort für den IQ-Nachwuchs

Daniel, David und Marco (v.l.) sind fasziniert von Planeten. Sie sind drei von 250 Kindern, die das Institut „betreut“.

Daniel, David und Marco (v.l.) sind fasziniert von Planeten. Sie sind drei von 250 Kindern, die das Institut „betreut“.

Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool

Bochum.  Das Institut für das hochbegabte Kind bietet kleinen Überfliegern einen Ort,wo sie sich ganz normal fühlen und ihr Potenzial voll ausschöpfen können

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Unser Bericht über Jamie vor einigen Wochen schlug hohe Wellen: Gleich vier Fernsehsender klopften an und wollten über den Jungen berichten, der mit seinen viereinhalb Jahren schon die zweite Klasse besucht. Auch beim Institut für das hochbegabte Kind, das Jamie regelmäßig besucht, wurde das TV vorstellig.

Dessen Leiterin Dr. Birgit Oschmann nutzt die öffentliche Plattform gern. Um auf die Probleme ihrer „kleinen Feger“, aber auch auf das enorme Potenzial, das in ihnen schlummert, aufmerksam zu machen.

„Schnuckelige Wohlfühloase"

Das Institut für das begabte Kind residiert in der ersten Etage des Technologiezentrums auf dem Gelände der Uni. Auf den ersten Blick nicht sehr einladend. Beim Betreten des Instituts ändert sich dies schlagartig. Viele bunte Farben, ein riesiges Plüschtier und spannende Experimentierräume empfangen die Kinder hier. Birgit Oschmann nennt diesen Hort des IQ-Nachwuchses eine „schnuckelige Wohlfühloase“: „Hier treffen die Kids auf Gleichgesinnte und Verständnis und werden mit all ihren Eigenarten voll akzeptiert.“

Denn das, erklärt Birgit Oschmann, sei im Alltag leider oft anders. Sie bedauert, dass es einerseits für leistungsschwache Kinder Förderschulen gebe, für kleine Überflieger wie Jamie und die anderen 250 Hochbegabten, die das Institut besuchen, dagegen nicht. „Dabei braucht doch alles, was nicht in der Norm ist, Unterstützung“, findet Birgit Oschmann. Auch Hochbegabte seien Arbeitnehmer der Zukunft. „Es wäre schade, wenn sie zu Leistungsverweigerern würden und somit viel Potenzial verloren ginge.“

Hilfestellung bei Erziehungsfragen

Eltern, die bei ihren Kindern aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten oder anderen Eigenarten eine Hochbegabung (beginnt ab einem IQ von 130) vermuten, bietet Birgit Oschmann zunächst ein Beratungsgespräch an – und in der Folge umfangreiche Hilfestellung, etwa bei Erziehungsfragen.

„Es tut gut, eine Erklärung für spezielle Verhaltensweisen der Kinder zu haben“, weiß Birgit Oschmann. „Das ist ein großer Schritt zur Entspannung innerhalb der Familie.“

Turbulent wie auf Kindergeburtstagen

Als familiär bezeichnet sie die Atmosphäre in ihrem Institut. Jeden Nachmittag gibt es hier vier Gruppen à acht Kinder, die in unterschiedlichen Aufgabengebieten gefördert und gefordert werden. Normalität ist Birgit Oschmann dabei sehr wichtig. Und so geht es bei den kleinen Hochbegabten oft sehr turbulent zu. „Das ist wie jeden Tag drei, vier Kindergeburtstage feiern“, lacht die 54-Jährige.

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