Orkan

Sturmtief Friederike fegt über Bochum - eine Bilanz

Ein entwurzelter Baum an der Bergstraße begrub diesen Mercedes förmlich unter sich.

Ein entwurzelter Baum an der Bergstraße begrub diesen Mercedes förmlich unter sich.

Foto: Frank Oppitz

Elf Verletzte und mehr als 300 Einsätze: das ist die Bilanz der Feuerwehr Bochum nach Friederike. Das öffentliche Lebens kam teils zum Erliegen.

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Die befürchtete Spur der Verwüstung ist ausgeblieben. Aber das Sturmtief Friederike hat am Donnerstag auch in Bochum schwere Schäden hinterlassen und streckenweise das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht.

Das Rathaus war von Mittag an für den Publikumsverkehr geschlossen. Die Bogestra stellte auf fast allen Linien ihren Dienst ein. Allein die U 35 zwischen Herne und Querenburg war davon nicht betroffen.

Deutsche Bahn stellt Bahnverkehr komplett ein

Nichts ging mehr auch rund um den Hauptbahnhof, dessen Haupteingang zeitweise durch Flatterband abgesperrt war: Teile der Beleuchtungsanlage drohten herabzustürzen. Die Deutsche Bahn hatte den Bahnverkehr am späten Vormittag eingestellt.

Zu diesem Zeitpunkt wehten Böen bis zur Orkanstärke über Teile der Stadt. Erst am frühen Nachmittag konnte Feuerwehr-Chef Simon Heußen eine leichte Entwarnung melden. Die Zahl der Notrufe nahm spürbar ab. Insgesamt waren 477 Kräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr, von Polizei, THW, DRK und dem Technischen Betrieb im Einsatz.

Mehrfamilienhaus in Weitmar abgedeckt

Schon morgens kam es zu einem größeren Einsatz. An einem Mehrfamilienhaus an der Bärendorfer Straße in Weitmar wurden große Teile des Daches abgedeckt. An der Weststraße in Wattenscheid waren sogar mehrere Häuser von Sturmschäden betroffen. An der Oberscheidtstraße in Riemke stürzte eine Reklametafel auf ein Auto.

Später fuhren Höhenretter zur Alleestraße, wo das Baugerüst am ehemaligen Thyssen-Hochhaus umzustürzen drohte. Sie konnten Verankerungen befestigen, die sich zu lösen drohten.

Stadt schließt das Bürgerbüro

Aus Sicherheitsgründen geschlossen wurden erst das Bürgerbüro und wenig später sämtliche Zugänge zum Rathaus. „Am Freitagmorgen entscheiden wir, ob wir das Gebäude für den Publikumsverkehr wieder öffnen“, so Stadtsprecher Thomas Sprenger. Gesperrt wurden zudem alle Friedhöfe, Sporthallen und Wertstoffhöfe.

Der USB rief gegen Mittag alle Müllfahrzeuge zum Betriebshof zurück. „Heute leeren wir keine Tonnen mehr“, so USB-Sprecher Jörn Denhardt. Auch Tannenbäume wurden am Donnerstag nicht mehr abgeholt. „Alles, was stehen geblieben ist, werden wir in den nächsten Tagen abholen“, so der USB-Sprecher.

Große Schäden im Weitmarer Holz

Schäden wie nach dem Sturm „Ela“ machte Thilo Elsner im Weitmarer Holz aus. „Es ist ganz viel gefallen, die Schäden sind erheblich“, so der Vorsitzende des Trägervereins Wildgehege. Er warnt davor, den Wald zu betreten. Das 6,6 ha große Wildgehege mit seinen 20 Wildschweinen, neun Rehen und vier Ziegen sei beschädigt worden. „Es muss sich aber niemand Gedanken um die Tiere machen. Wir kümmern uns um sie.“

Auswirkungen hatte der Sturm auch auf einige Baustellen in der Stadt. So wurden die Arbeiten an der Baustelle der neuen Vonovia-Zentrale an der Universitätsstraße niedergelegt. Die Schutzzäune rund um das Areal waren umgefallen, umherfliegendes Baumaterial hätte die insgesamt etwa 100 Beschäftigten verletzen können.

Auch Baustellen pausieren

Deshalb legten Bauherr Vonovia und der Generalunternehmer Goldbeck den Betrieb für einen Tag lahm. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Mitarbeiter“, so Projektleiter Andreas Hecker. Auch die Bauarbeiten an der Kortumstraße wurden vorsichtshalber gestoppt.

Kräfte der Feuerwehr mussten am Morgen zum Rathaus ausrücken. Zwar hatte sich der vermeintliche Brand dort als Fehlalarm erwiesen. Aber mehrere Hundert Beschäftigte mussten dennoch für eine gute halbe Stunde das Gebäude verlassen. „Eigentlich ist vorgesehen, dass wir uns unter einige Bäume stellen. Aber das konnten wir unter diesen Umständen natürlich nicht“, so Katharina Müller von der Pressestelle.

Stadt empfiehlt Mitarbeitern in den Gebäuden zu bleiben

Auf ein Minimum reduziert hatte die Stadtverwaltung die Dienstgänge ihrer Mitarbeiter. Ihnen wurde empfohlen, in den Gebäuden zu bleiben. Die Sitzungen von Bezirksvertretung und Gesundheitsausschuss fielen aus. Auch der Jahresempfang des Kunstmuseums wurde abgesagt.

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