Klassik

Für die Pianistin Hilda Huang bleibt J.S. Bach ein Abenteuer

Bach-Kennerin voller Leidenschaft: Hilda Huang am Flügel im Thürmer-Saal.

Bach-Kennerin voller Leidenschaft: Hilda Huang am Flügel im Thürmer-Saal.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Hilda Huang gilt als eine der talentiertesten Pianistinnen. Die WAZ traf sie in Bochum zum Interview. Dabei leistete ein Schal gute Dienste.

In Bochum ist es ein milder Spätsommertag, aber im Probenzimmer des Theaterzentrums an der Friedrichstraße doch reichlich kühl. Da streift sich Hilda Hang, die aufstrebende Pianistin, lieber den Pulli über. Und legt noch einen Schal um den Hals. Sicher ist sicher. Schließlich möchte sie ihr Konzert am Samstag im Thürmer-Saal keinesfalls wegen einer Erkältung absagen müssen.

Ohne Notenblatt

Der Raum ist karg, ein Stuhl, der Klavierhocker, eine Flasche Mineralwasser. Ein mächtiger Thürmer-Flügel beherrscht das Zimmer, an ihm hat die 22-Jährige bis mittags schon zwei Stunden geprobt. Zwei weitere sollen nach der Interview-Pause folgen. Bach und Beethoven, Beethoven und Bach.

Sie hat ihre für Samstag ausgewählten Kompositionen schon sehr oft gespielt, und braucht also auch kein Notenblatt mehr. Aber je öfter man ein Stück spielt, desto besser „versteht“ man es. Zumal für Beethoven gelte das, sagt Hilda Huang. „Anfangs konnte ich diese enormen Kompositionen gar nicht begreifen, ich musste seine Musik richtig entdecken, es war ein schwieriges Experiment.“

Dann macht sich die zierliche Person, Pulli und Schal über dem dünnen Sommerkleid, wieder an die Arbeit. Sammlung, Konzentration, Hände erhoben: Und schon perlt der letzte Teil von Bachs „Französischer Ouvertüre“ aus den Tasten, flirrende Töne, streng gesetzt und doch sehr einnehmend, verspielt und vertrackt zugleich.

Mit 3 Jahren angefangen

Hilda Huang lächelt, als sie zum Ende kommt. Bach und sie, das merkt man gleich, das ist eine alte Liebe.

Das klingt bei einer erst 22-jährigen Künstlerin ein bisschen komisch, aber tatsächlich beschäftigt sich Hilda Huang mit den Kompositionen des Barock-Meisters, seit sie mit 3 Jahren erstmals am Klavier Platz nahm. „Anfangs habe ich sogar nur Bach gespielt“, erzählt sie, „durch ihn habe ich Musik überhaupt erst verstanden.“ Sie schätze ihn als großen „Handwerker der Musik“, der inspiriert gearbeitet habe, dessen Musik aber „alltägliche Kompositionen“ waren, Gebrauchsmusik für höfische oder kirchliche Anlässe.

Individueller Stil

„Ich fühle diesem ,arbeiten’ nach, wenn ich spiele“, sagt die Kalifornierin, doch bleibt sie bei den „basics“ der Kompositionen natürlich nicht stehen – schließlich ist sie eine Künstlerin, mit individuellen Stil. Von der Kritik wird Huang für die „philosophische Tiefe“ ihrer Interpretationen ebenso gelobt wir für ihr „verführerische Extrovertiertheit“.

Für Jan Thürmer, den erfahrenen Konzertveranstalter, gilt die Yale-Studentin als eines der vielversprechendsten Talente der aktuellen Klavier-Szene. „Nicht von Ungefähr hat Hilda 2014 den renommierten Leipziger Bach-Wettbewerb gewonnen“, sagt Thürmer. Als er sie damals dort hörte, habe er sie gleich für Bochum „verhaftet“. 2016 spielte Hilda Huang schon einmal im Thürmer-Saal, nun folgt am Wochenende ihr zweites Gastspiel in Bochum.

Klang entwickelt sich natürlich

Wie empfindet sie den Saal? „Er gefällt mir, gerade weil die Zuhörer um die Bühne herum sitzen“, sagt Hilda Huang, „diese Nähe zum Publikum mag ich.“ Auch akustisch sei sie mit dem Haus sehr einverstanden. „Der Klavierklang kann sich natürlich entwickeln“, sagt sie, „der Saal macht es den Künstlern leicht, man braucht nicht zu drängen und zu pushen, um Wirkung zu erzeugen.“

Sie muss es wissen, denn Huang gastierte auch schon in Häusern wie dem Leipziger Gewandhaus, dem Kennedy-Center in Washington und der Carnegie Hall in New York.

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