Stickoxide

Herner Straße: Stadt Bochum will Luft mit Mooswänden schonen

Immer viel Verkehr: Die Herner Straße wurde vierspurig voll ausgebaut. 14,7 Millionen Fahrzeuge fahren dort pro Jahr.

Immer viel Verkehr: Die Herner Straße wurde vierspurig voll ausgebaut. 14,7 Millionen Fahrzeuge fahren dort pro Jahr.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Die Stadt denkt zur Verringerung von Stickoxiden über Mooswände und Pflanzen im Mittelstreifen nach. Eine Partei will A 43-Anschlüsse sperren.

Zur Verringerung des Stickoxid-Ausstoßes durch den Kraftverkehr auf der Herner Straße in Riemke prüft die Stadt jetzt mehrere „Sofortmaßnahmen“. So könnten an den Fahrbahnrändern Mooswände installiert werden, die die Schadstoffe aufnehmen.

„Die Mooswände sollen in der Lage sein, Stickoxide aus der Luft zu filtern. Diese wurden in verschiedenen Städten bereits getestet, mit unterschiedlichen Ergebnissen“, so die Stadt. Zudem wird diskutiert, ob der Mittelstreifen der Herner Straße nach der Straßenerneuerung 2015 wieder entsiegelt wird und dort Heckenpflanzen in die Erde kommen.

Sie könnten Stickstoffmonoxid direkt aus der Luft aufzunehmen und so die Konzentration an Stickoxiden in der Atmosphäre zu verringern. Nicht zuletzt überlegt die Stadt, den Park & Ride-Parkplatz auf dem früheren Möbel-Unger-Gelände wieder einzurichten.

Hohe Belastung durch Stickoxide

Noch immer droht auf der Herner Straße in Riemke ein Diesel-Fahrverbot. Denn auch im Jahr 2017 lag die Belastung durch Stickoxide im Jahresdurchschnitt bei 51 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Gesetzlich erlaubt sind höchstens 40. Im vorigen März hatte deshalb die „Deutsche Umwelthilfe“ die Bezirksregierung Arnsberg verklagt. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht den Weg für ein Diesel-Fahrverbot grundsätzlich freigemacht hat, herrscht akuter Handlungsbedarf.

„Dieselfahrverbot kaum mehr abzuwenden“

Volker Steude von den „Stadtgestaltern“: „Ein Dieselfahrverbot auf der Herner Straße ist kaum mehr abzuwenden.“ Und: „Wie wir aus internen Quellen bei der Bezirksregierung wissen, werden die von der Stadt vorgeschlagenen Maßnahmen zur Reduzierung des Stickstoffdioxids als untauglich angesehen und wird der Stadt bereits ein Fahrverbot in Aussicht gestellt.“ Dies wollte die Bezirksregierung auf WAZ-Anfrage nicht bestätigen. Ihr Sprecher Benjamin Hahn: „Wir prüfen das so detailliert wie es die Sachlage erfordert, aber auch so zügig wie möglich.“

Neben Mooswänden, Pflanzen, Park&Ride-Parkplatz und diversen Förderprogrammen zum Klimaschutz verweist die Stadt auch auf sauberere Antriebsarten. „Die Stadt stellt ihre gesamte Fahrzeugflotte mittelfristig auf Elektromobilität um.“ 28 E-Fahrzeuge (Pkw- und Nutzfahrzeuge) sollen bisher konventionell betriebene ersetzen. Zudem soll die Buslinie 354 an der Herner Straße mit E-Bussen betrieben werden. Die Stadt sei „zuversichtlich“, mit ihrer „Gesamtstrategie in nächster Zukunft die Grenzwerte für Stickstoffdioxid im Bereich der Herner Straße einhalten zu können“, heißt es aus dem Rathaus. Für Steude ist dies alles zu wenig. Die Maßnahmen der Stadt würden „kaum ausreichen“, unter die Grenzwerte zu kommen.

Vorschlag: ein 1000 Meter langer Umweg

Seine Partei hat einen eigenen Vorschlag, dieses Ziel schneller zu erreichen: die Teilsperrung von Ab- und Auffahrten der A 43 in und aus Richtung Riemke, um den auswärtigen „Abkürzungsverkehr“ auf der Herner Straße deutlich zu reduzieren. Abkürzungsverkehr entsteht dadurch, dass Kraftfahrer, die von der A 43 auf die A 40 fahren wollen und umgekehrt, die Herner Straße benutzen, um den Umweg über das Bochumer Kreuz zu sparen. Von den 14,7 Millionen Fahrzeugen jährlich auf der Herner Straße seien 38 Prozent kein Stadt-, sondern Abkürzungsverkehr.

>>> INFO: Verkehr könnte um ein Viertel weniger werden

  • Die von Volker Steude erwogenen Sperrungen von Auf- und Abfahrten sollen Kraftfahrer zwingen, einen 1000 Meter langen Umweg über den Herner Kreisverkehr auf der Bochumer Straße zu fahren, um von der A 43 nach Riemke abbiegen bzw. von Riemke auf die A 43 auffahren zu können. „Ein kleiner Umweg könnte eine große Wirkung haben und die drohenden Dieselfahrverbote abwenden.“
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