Diesel-Fahrverbot

Herner Straße: Tempo 30 soll Diesel-Fahrverbot verhindern

Rund 30 000 Fahrzeuge sind werktags auf der Herner Straße pro Fahrtrichtung unterwegs. In wenigen Monaten soll zwischen den Autobahnen 43 und 40 Tempo 30 gelten.

Rund 30 000 Fahrzeuge sind werktags auf der Herner Straße pro Fahrtrichtung unterwegs. In wenigen Monaten soll zwischen den Autobahnen 43 und 40 Tempo 30 gelten.

Foto: Gero Helm

Bochum/Herne.   Die Herner Straße gilt als Abkürzung zwischen A 43 und A 40. Die Stadt Bochum will dort Tempo 30 einführen, um ein Diesel-Fahrverbot zu umgehen.

Die Stadt Bochum will noch in diesem Jahr auf der Herner Straße Tempo 30 einführen – und zwar im Bereich zwischen den Anschlussstellen der Autobahnen A 43 und A 40. Jede vierte Fahrt auf dieser Strecke, rund 30 000 Fahrzeuge sind werktags dort pro Richtung unterwegs, dient allein dem Zweck der Abkürzung. Zwei bis drei Minuten lassen sich nämlich sparen, wenn man durch Riemke und nicht über das Autobahnkreuz Bochum fährt.

„Ein 30er-Gebot wird voraussichtlich kommen“, sagt Kämmerin Eva-Maria Hubbert. Im Verwaltungsvorstand werde das Thema derzeit ernsthaft diskutiert. „Wahrscheinlich werden wir auch die Durchfahrt für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen verbieten.“ Bereits heute gilt ein Fahrverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen, das aber häufig ignoriert wird. Bis zu 800 Schwerlaster pro Tag werden gezählt.

EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid

Mit den beiden Maßnahmen will die Stadt ein drohendes Diesel-Fahrverbot auf der Herner Straße verhindern. Seit Jahren werden dort die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) deutlich überschritten. Die Deutsche Umwelthilfe hatte daher Ende März beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Klage eingereicht und der Stadt Bochum Verstöße gegen die Bundesimmissionsschutzverordnung vorgeworfen. Ähnliche Klagen in anderen Städten haben zu Fahrverboten geführt (Hamburg, Stuttgart).

„In Bochum wird es aber auf keinen Fall ein Diesel-Fahrverbot geben“, sagt Hubbert. Gravierende Fehler und kriminelle Schummeleien diverser Autohersteller „dürfen nicht zu einer Benachteiligung unserer Bürger führen“.

Nicht sicher, ob Maßnahmen ausreichen

Es ist aber keinesfalls sicher, ob die beiden Maßnahmen überhaupt ausreichen werden. Das von der Stadt beauftragte Institut für Raumentwicklung und Kommunikation (Trier) zeigt in einem so genannten „Green City Plan“ verschiedene Möglichkeiten auf, die Luft zu verbessern und ein Diesel-Fahrverbot zu verhindern.

„Die Emissionsbelastung durch Verkehr auf der Herner Straße muss um rund 50 Prozent sinken“, lautet die Kernaussage. Zu erreichen sei dies aber nur durch eine „Kombination von Tempo 30 und Umwidmung der rechten Fahrspur in eine Kombispur für Bus-Rad-Elektrofahrzeuge“. Die Herner Straße müsste demnach ebenso zurückgebaut werden wie bereits im Bereich zwischen der A 40 und dem Innenstadtring.

Stadt hat Fragen an die Gutachter

„Wir haben noch sehr viele Fragen zu dem Gutachten“, sagt Hubbert, die sich zum empfohlenen Rückbau der Herner Straße nicht äußern will. Insbesondere die dem Gutachten zugrunde liegende „Hintergrundbelastung“ müsse hinterfragt werden. Dabei geht es um die Emissionen, die unabhängig vom Verkehr auf der Herner Straße vorhanden sind.

Hubbert glaubt, dass Tempo 30 und ein Fahrverbot ab 3,5 Tonnen den Verkehr genügend reduzieren werden. „Wir kommen damit aus den Navis raus, die die Strecke heute alle als Abkürzung ausweisen.“

>>> INFO: EU-Grenzwert wird regelmäßig überschritten

  • Der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Seit 2010 muss er verbindlich eingehalten werden.

  • Seit 2012 wurden an der Herner Straße Werte zwischen 49 und 51 Mikrogramm gemessen. Allein der Rückbau der Herner Straße garantiert laut Gutachter ein Minus von 11 Mikrogramm.

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