Staatsanwaltschaft

Späte Hilfe nach Herzinfarkt: Polizei nimmt Ermittlungen auf

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt, ob im Fall einer jungen Mutter, die einen Herzinfarkt erlitt, Unterlassene Hilfeleistung

Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt, ob im Fall einer jungen Mutter, die einen Herzinfarkt erlitt, Unterlassene Hilfeleistung

Bochum.   Bochumer Staatsanwaltschaft erstattet Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung. Sie sucht Passanten, die eine Frau nach Herzinfarkt ignorierten.

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Im Fall der jungen Bochumerin, die am vergangenen Donnerstagmorgen (14. März) einen Herzinfarkt am Werner Hellweg erlitt und nach eigenen Angaben zehn bis 20 Minuten auf Hilfe warten musste, hat die Staatsanwaltschaft jetzt eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet. „Wir haben den Artikel zum Anlass genommen, polizeiliche Ermittlungen aufzunehmen“, teilt Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert mit und bezieht sich auf die Berichterstattung der WAZ.

Damit ist ein Ermittlungsverfahren eröffnet und die Kripo recherchiert. „Wir nehmen unter anderem Kontakt zu der Geschädigten auf“, sagt ein Polizeisprecher am Mittwoch auf Anfrage. Die Ermittlungen sollen ans Licht bringen, ob es sich in dem Fall tatsächlich um unterlassene Hilfeleistung handelt. Oberstaatsanwalt Kuhnert erklärt: „Dabei droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.“

Zwei Ersthelfer riefen den Krankenwagen

Die Bochumerin, Ende 20, war auf dem Werner Hellweg unterwegs, als ihr nach eigenen Angaben schlecht und schwindelig wurde, sie hatte Schmerzen in der Brust und bekam keine Luft mehr. Obwohl sie sich übergeben musste und dabei im Regen hockte und anschließend sogar lag, liefen, so die junge Mutter, zehn bis 20 Minuten lang Menschen an ihr vorbei. Erst dann riefen zwei Ersthelfer einen Krankenwagen, eine Reanimation rettete ihr Leben. Am Dienstag konnte die Frau aus dem Krankenhaus entlassen werden, ihr drohen keine Folgeschäden.

Die Zahl der Fälle von unterlassener Hilfeleistung sei in Bochum klein, so Kuhnert. „Das kommt zum Glück nicht oft vor.“ Kommentare unter einem Bericht auf der Facebook-Seite der WAZ Bochum zeigen aber, dass es trotzdem immer wieder schlimme Fälle gibt. „Mein Vater, 84, ist auf der Rolltreppe im Bahnhof gestürzt. Er lag hilflos am Boden und Passanten stiegen über ihn hinweg. Er hörte, wie Leute ,Guck mal, der Alte ist bestimmt besoffen’ sagten, als sie weitergingen. Zwei junge Mädchen blieben dann stehen und riefen die 112“, schreibt eine Userin.

Mann in Essen stirbt nach unterlassener Hilfeleistung

Der Bochumer Fall erinnert an ein Ereignis in Essen. Dort bricht vor rund zweieinhalb Jahren ein 83-Jähriger in einer Filiale der Deutschen Bank zusammen. Videoaufnahmen zeigen, dass vier Kunden die Räume betreten, jedoch hilft keiner von ihnen. Erst ein fünfter Kunde ruft den Rettungswagen, der Rentner stirbt später im Krankenhaus. Wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilte das Amtsgericht Essen-Borbeck die Kunden zu Geldstrafen zwischen 2400 und 3600 Euro.

>>> BETROFFENE SUCHT DIE BEIDEN ERSTHELFER

  • Die Betroffene möchte sich bei den beiden Ersthelfern bedanken. Wer diese kennt oder sich angesprochen fühlt, kann sich an die Redaktion unter 0234/ 966 14 37 oder redaktion.bochum@waz.de wenden

>>> DIE POLIZEI SUCHT ZEUGEN

  • Für den Vorfall am Werner Hellweg am Donnerstag, 14. März, gegen 8 Uhr sucht die Polizei Zeugen. Wer Hinweise hat, wendet sich an das Kommissariat 32 unter 0234/ 909 82 10.
  • Der Bochumer Rettungsdienst muss laut Angaben der Feuerwehr pro Jahr rund 350 Menschen reanimieren. Mehr als 40 Prozent davon überlebten zumindest die ersten 24 Stunden.

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