Jugendbefragung

Jugend in Bochum fühlt sich politisch nicht ernstgenommen

Zum ersten Mal hat Bochum Kinder und Jugendliche ausführlich befragt. 8000 Bögen wurden verteilt, knapp 1700 wurden ausgefüllt und ausgewertet.

Zum ersten Mal hat Bochum Kinder und Jugendliche ausführlich befragt. 8000 Bögen wurden verteilt, knapp 1700 wurden ausgefüllt und ausgewertet.

Foto: Thomas Sprenger

Bochum.   Was bewegt Kinder und Jugendliche in Bochum? Eine Befragung hat erste Aufschlüsse darüber gegeben. Dabei soll es aber nicht bleiben.

Drei Viertel aller Jugendlichen in Bochum sind bereit, sich in Verbänden, Initiativen und Jugendzentren für ihre Altersgruppe zu engagieren. Immerhin 40 Prozent kann sich grundsätzlich ein gesellschaftliches Engagement vorstellen. Und 36 Prozent bringt sich neben dem Unterricht in der Schule ein. Das sind einige der Ergebnisse, die die erste Jugendbefragung in Bochum ergeben hat.

1698 Mädchen und Jungen vor allem im Alter zwischen 14 und 17 Jahren haben dazu im vergangenen Sommer Befragungsbögen ausgefüllt. Aus Sicht der Kinder- und Jugendrings hat sich allein schon deshalb die Befragung gelohnt. „Die Ergebnisse decken sich mit vielen, was wir aus unseren Jugendforen wissen. Aber jetzt haben wir Antworten aus allen Schichten und von vielen Schulen quer über das gesamte Stadtgebiet“, sagt Rolf Geers, Geschäftsführer des Kinder- und Jugendrings. Auch die Stadt und die Ratsfraktion von FDP und Stadtgestaltern, die die Befragung initiiert hat, zeigen sich zufrieden mit den Ergebnissen und der Rücklaufquote von mehr als 20 Prozent.

Nachholbedarf beim öffentlichen Nahverkehr

„Das war ein guter erster Aufschlag“, so FDP-/Stadtgestalter-Fraktionschef Felix Haltt. In Zukunft sollen weitere Befragungen durchgeführt werden – „auch“, so Geers, „damit überprüft werden kann, ob sich etwas verändert hat“.

Während die Stadtverwaltung erst einmal die Zahlen analysieren und dann mögliche Schlüsse ziehen will, macht der Jugendring-Geschäftsführer schon „klare Aufträge an die Stadt“ aus: „Dass knapp die Hälfte der Jugendlichen Nachholbedarf beim öffentlichen Nahverkehr sehen, ist ein Signal. Ähnlich ist die Situation bei den Fahrradfahrern.“

Positiv sei, dass 75 Prozent aller Jugendlichen grundsätzlich bereit sind, sich zu engagieren und 73 Prozent zur Wahl gehen wollen. Dass sich aber nur 19 Prozent politisch ernst genommen fühlen, sei besorgniserregend. „Das ist natürlich kein Problem nur in Bochum.“ Aber auch vor Ort müsse es Reaktionen darauf geben. „Jugendliche wollen ernst genommen werden.“

Vorschläge sollen schnell umgesetzt werden

Vor diesem Hintergrund sei die jüngst von der Bezirksvertretung Ost beschlossene Maßnahme, 10.000 Euro für die Umsetzung von Vorschlägen bereitzustellen, die das Jugendforum zur Verbesserung der Situation am Ümminger See gemacht hat, der richtige Weg. Geers: „Das Signal ist richtig. Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, dass nicht Jahre verstreichen, bis etwas umgesetzt wird.“

Der Jugendspitzenverband und FDP/Stadtgestaltern hoffen nun, dass die Beteiligung an der nächsten Befragung noch besser ist. Auffällig ist etwa, dass beim Auftakt 1629 Schüler und Studenten, aber nur 42 Auszubildende teilgenommen haben. Die Gruppe der Azubis ist damit deutlich unterrepräsentiert. „Wir müssen die Jugendlichen da abholen, wo sie sind“, sagt FDP-/Stadtgestalter-Fraktionschef Felix Haltt. Die Umfrage habe ergeben, dass 98 Prozent elektronische Medien wie PC und Smartphone nutzen. Daher habe seine Fraktion bereits vorgeschlagen, die Befragung künftig auch auf diesem Weg durchzuführen. „Wir können uns auch die Einführung einer App vorstellen.“ Über sie könnten Infos transportiert sowie Meinungsaustausch und Mitsprache möglich gemacht werden.

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