Stadtteil-Check

Kornharpener Bürger fühlen sich in ihrem Stadtteil sicher

Sie bewerten ihr Kornharpen (v.l.) Klaus Peter Lentzsch, Rita Sensen, Kriemhild Drinkmann, Annegret Oestreich, Gernot Drinkmann, Dina Lentzsch und Horst Fischer vor der KIT-Begegnungsstätte.

Sie bewerten ihr Kornharpen (v.l.) Klaus Peter Lentzsch, Rita Sensen, Kriemhild Drinkmann, Annegret Oestreich, Gernot Drinkmann, Dina Lentzsch und Horst Fischer vor der KIT-Begegnungsstätte.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Kornharpen.  Kornharpen liegt im Stadtteil-Check im Mittelfeld. Die Bürger wollen die Seniorenfreundlichkeit verbessern. Für Jugendliche gibt es gar nichts.

Die Gesamtnote „gut“ (2,10) gaben WAZ-Leser beim Stadtteil-Check im vergangene Jahr ihrem Ortsteil Kornharpen. Der Stadtteil liegt damit über dem Mittelwert für Bochum (2,24). Von den insgesamt 30 Stadtteilen landete Kornharpen damit auf dem 16. Platz. Wir vertiefen die Beurteilungen mit Menschen aus dem Sprengel.

Klaus Peter Lentzsch ist Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Kornharpen, sitzt im Verband für Wohneigentum und engagiert sich im Kornharpener Initiative Team (KIT). „Ich fühle mich wohl, lebe gerne hier.“ Und sechs Köpfe nicken beipflichtend: Horst Fischer, Kriemhild und Gernot Drinkmann, Dina Lentzsch, Rita Sensen (alle KIT) und Annegret Oestreich, die sich selbst als „eingefleischte Kornharpenerin“ bezeichnet.

Zusammenhalt im Ortsteil

Was ihnen so gut gefällt: „Wir Kornharpener halten zusammen; viele, die weggezogen waren, kommen zurück“, beteuert Dina Lentzsch. Rita Sensen ist dafür ein gutes Beispiel: „Ich lebte 40 Jahre hier, zog dann nach Wattenscheid und 15 Jahre später wieder zurück.“ Jener Zusammenhalt erhielt von WAZ-Lesern die Note 2,62. Horst Fischer: „Ein gutes Befriedigend würde ich auch geben.“

Ein „Gut“ (2,18) gab’s auch für die Kategorie Sicherheit. Das kann die Gruppe teilen: „Ich habe noch ein sicheres Gefühl, wenn ich vor die Tür trete“, sagt Horst Fischer, „und eingebrochen wird überall.“

Treffpunkt für Senioren

Für die Seniorenfreundlichkeit im Stadtteil gab’s bei der Leserbewertung die Note 2,56. „Wir arbeiten daran“, betont Fischer für das Initiative-Team. „Wir setzen uns ja vor allem für Senioren ein. Vorher gab es nichts. Ohne KIT gäbe es keine Begegnungsstätte.“ Die ist seit sechs Jahren fester Anlauf für ältere Menschen in Kornharpen. Rita Sensen: „Ich würde eine glatte 2 geben für die Seniorenfreundlichkeit.“

Für seine Kinderfreundlichkeit bekam der Stadtteil eine 2,57. An den Spielplätzen sei einiges gemacht worden, und Kornharpen hat eine Menge davon. Die Runde ist derselben Ansicht wie die Leser und gibt eine 3+.

Jugendliche sind abgehängt

Für Jugendliche sehe die Situation hingegen düster aus. Klaus Peter Lentzsch: „Ich würde ein ,mangelhaft’ geben. Die Kirchen haben sich gänzlich zurückgezogen. Der Jugendkeller wurde vor einem Jahr geschlossen, weil der Abriss des Gemeindehauses anstand. Seither gibt es nichts mehr für junge Leute.“ Die evangelische Gemeinde baut eine neue Kita, Platz für Jugendliche indes gibt’s nicht. Lentzsch steht seit geraumer Zeit mit dem Jugendamt in Kontakt auf der Suche nach einem Jugend-Treffpunkt. So war eine leerstehende Kneipe ins Auge gefasst worden, doch Brandschutz-Auflagen durchkreuzten den Plan. So gebe es allein die Sportvereine, wo junge Leute Gleichaltrige finden.

Weniger befriedigend als die WAZ-Leser (2,63) finden die sieben Kornharpener die Sauberkeit in ihrem Ortsteil. „Wir haben uns an der USB-Aktion zum Stadtputz beteiligt. Ich könnte mit der ganzen Gruppe noch einmal losgehen und wir würden wieder zig Säcke vollkriegen. Allein der Weg zu den Werner Teichen, die Wieschermühlenstraße, wird regelmäßig als wilde Kippe missbraucht, obwohl die Deponie doch nicht weit entfernt ist“, ärgert sich Horst Fischer. Zugemüllt seien auch die Container-Standorte für Altpapier und -kleider: „Die Leute stellen ihren Hausmüll einfach daneben“, hat Annegret Oestreich schon mehrfach beobachten können. Und schließlich nerven die vielen Hundehaufen.

Mit der medizinischen Versorgung (2,85) sind die Kornharpener zufrieden. „Die Grundversorgung ist gegeben. Wir haben ein Ärztehaus und eine Apotheke.“

Kleine Ladenzeile

Die Einkaufsmöglichkeiten hingegen seien begrenzt. Es gibt eine kleine Ladenzeile am Grünen Weg mit Supermarkt und Lottoannahme – vor allem für ältere Leute gut erreichbar. Auch die Nähe zum Ruhrpark ist ein Pluspunkt“, beschreibt Horst Fischer. Den Kornharpenern ist eine Verbindung zur Castroper Straße mit ihrer Läden wichtig. Lentzsch: „Die Brücke über den Sheffieldring wurde abgerissen. Thyssen-Krupp und der RVR hatten zugesagt, die Brücke mit den Versorgungsleitungen im März 2017 zu öffnen. Doch dazu wären bauliche Eingriffe nötig.“

Die Parkplatzsituation schätzen die Leser als befriedigend ein. Das sieht die Siebener-Runde anders. „Ich gebe ein mangelhaft. Wenn ich am Wochenende Besuch kriege, weiß der nicht, wohin. Auch abends ist hier alles dicht.“ Lentzsch ergänzt: „Durch den Neubau der Kita und dreier Wohnhäuser wird sich der Parkdruck erhöhen.“

Noch verkehrt nur ein Bus, die Linie 368, durch Kornharpen. Lentzsch: „Doch das soll sich ändern. Die Bogestra will zum Jahresende den Ortsteil durch zwei zusätzliche Linien erschließen. Die 358 vom Ruhrpark über Altenbochum bis zur Ruhr-Uni, und die 395 vom Ruhrpark übers Ruhrstadion bis zum Hannibal-Zentrum.“

Das Verhältnis zur Verwaltung bekam eine 3,81. Klaus Peter Lentzsch: „Meine Erfahrung ist: man muss nur beharrlich bleiben, dann lässt sich etwas bewegen.“

Auf dem schlechtesten Platz landet Kornharpen beim gastronomischen Angebot; hier gab’s eine glatte 4. „Es gibt nur noch eine Gaststätte, Haus Klee“, sagt Horst Fischer, und ergänzt: „Und einen Imbisswagen. Der steht schon ewig am Grünen Weg.“

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