Forschung

Lernen im Escape Room an der Ruhr-Universität Bochum

Forschen im Think Space: Prof. Dr. Uta Wilkens (l.), Michael Prüfer und Annabelle Beyer.

Forschen im Think Space: Prof. Dr. Uta Wilkens (l.), Michael Prüfer und Annabelle Beyer.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Querenburg.  Der Think Space an der Ruhr-Universität ist kein gewöhnlicher Escape Room. Denn hier steht neben den Rätseln vor allem die Forschung im Fokus.

In Escape Rooms lösen Teilnehmer gewöhnlich spannende Rätsel und Aufgaben, um sich Schritt für Schritt aus einem Raum zu befreien. Im neuen Think Space (Denkraum) an der Ruhr-Universität wird jetzt das Verhalten der Studenten wissenschaftlich begutachtet. Insbesondere für den Bereich der Unternehmensgründung sind dabei wichtige Forschungsergebnisse zu erwarten.

Think Space als Forschungslabor

Prof. Dr. Uta Wilkens leitet den Lehrstuhl Arbeit, Personal und Führung am Institut für Arbeitswissenschaft. Zusammen mit Michael Prüfer vom Start-up Think-Square hat sie das Projekt vor gut einem Monat ins Leben gerufen. „Im Zentrum unserer Forschung steht die Gründung von Unternehmen, vor allem die Unsicherheiten beim Gründungsprozess. Daher kann man unseren Think Space durchaus als Forschungslabor sehen“, erklärt Prof. Dr. Wilkens. Ihr interdisziplinäres Modul „Unsicherheitserfahrung im Gründungskontext“ richtet sich an 13 Studiengänge, unter anderem Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Viele Hinweise für neun Rätsel

Beim Betreten des rund 25 Quadratmeter großen Raums fühlt man sich im ersten Augenblick etwas erschlagen. An den Wänden stehen zahlreiche wissenschaftliche Formeln, die teilweise Hinweise für die insgesamt neun Rätsel im sind. Die Rätsel konzipiert das Start-up in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl. „Bei den Aufgaben sind die verschiedensten kognitiven Kompetenzen gefordert“, erklärt Prüfer.

So sind beispielsweise einige Teile einer Wand blau und gelb gefärbt. Dahinter versteckt sich ein mathematisches Rätsel. Dieses kann man jedoch nur lösen, wenn man an einer ganz bestimmten Stelle des Raums steht. „Die Lösung ergibt sich aus der Mischung der beiden Farben: grün. Und auf dem Boden gibt es grüne Fußspuren. Stellt man sich dorthin, kann man das Rätsel lösen“, so Prüfer.

Vor zweieinhalb Jahren entstand der Kontakt zwischen dem Start-up und dem Lehrstuhl. Zuvor hatte Michael Prüfer an der Ruhr-Universität Maschinenbau studiert. Die Bauphase des Think Space lief über drei Monate und wurde mit Fördergeldern in Höhe von rund 50.000 Euro unterstützt.

Typische Herausforderungen von Gründern

Doch was genau wird hier erforscht? „Der Forschungsstand zur Unternehmensgründung bezieht sich aktuell

primär auf die Nachgründungsphase. Für die Phase vor der Gründung bestehen noch nicht viele wissenschaftliche Erkenntnisse“, sagt Prof. Dr. Wilkens. Im Think Space sollen dabei auch psychologische Faktoren berücksichtigt werden. „Die Rätsel orientieren sich an typischen Herausforderungen, vor denen Gründer stehen: knappe Ressourcen, Zeitdruck oder Konflikte im Team“, erklärt sie. „Unser Ziel ist eindeutig: Wir wollen jungen Menschen diese Unsicherheitsfaktoren im Gründungsprozess nehmen.“

Klare Vorreiterposition

Annabelle Beyer arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl und ist begeistert vom Think Space: „Der wissenschaftliche Mehrwert im Escape Room ist entscheidend. Die spielerische Komponente gab es zuvor nicht, daher nehmen wir ganz klar eine Vorreiterposition ein.“

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