Natur

Marcus Kamplade ist der erste „Baum-Manager“ der Stadt

Marcus Kamplade, hier bei einer Fällaktion von Straßen-NRW, die er im vergangenen Februar an der Kemnader Straße gestoppt hatte.

Marcus Kamplade, hier bei einer Fällaktion von Straßen-NRW, die er im vergangenen Februar an der Kemnader Straße gestoppt hatte.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Marcus Kamplade ist der erste „Baum-Manager“ der Stadt. Er wird zentraler Ansprechpartner sein für Bürger und Politik, wenn es um Bäume geht.

Bäume, zumal Straßenbäume vor der eigenen Haustür, sind für sehr viele Menschen ein hochemotionales Thema. Die Stadt hat darauf reagiert und jetzt erstmals einen „Baum-Manager“ beauftragt. Alles, was mit dem Fällen, der Pflege und dem Neupflanzen von städtischen Bäumen zu tun hat, läuft künftig über den Schreibtisch von Marcus Kamplade.

Der 53-jährige Familienvater ist seit der Geburt tief mit Bochum verwurzelt und arbeitet schon seit den 90er Jahren bei der Stadt. Schon damals hatte er die Baumpflege in Bochum organisatorisch aufgebaut. Schon jetzt dreht sich sein Arbeitsalltag sehr viel um alle Arten von Baum-Maßnahmen. Jetzt aber wurden seine Aufgaben und Kompetenzen erweitert. Er ist künftig beim Thema Bäume „einheitlicher Ansprechpartner für Politik und Bürgerschaft“, wie Umweltdezernent Markus Bradtke am Montag sagte. Vorher waren diese Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.

Ein höflicher, eher ruhiger Mensch

Kamplade ist ein höflicher, eher ruhiger Mensch. Das ist wichtig für seine künftigen Herausforderungen. Wenn irgendwo Straßenbäume gefällt werden, sind Empörung und Aufregung bei nicht wenigen Bürgern oft sehr groß. Sie fürchten, dass die Fällung gar nicht erforderlich gewesen wäre. Das wird der „Baum-Manager“ den Menschen künftig aber genauer und offensiver als bisher erklären. „Wir werben für Akzeptanz für die Maßnahmen, die wir durchführen.“ Wenn die Bürger wissen, dass ein Baum wegen schwerer Schäden nicht mehr sicher genug steht, verstehen sie eine Fällung besser.

Beispiel Hans-Ehrenberg-Platz: Dort war Ende August ein großer Straßenbaum durch ein kurzes, aber heftiges Unwetter umgepustet worden und auf eine Außengastronomie gestürzt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Solche Bäume hätten schon vorher gefällt werden müssen, hätte man um ihre starke Gefährdung gewusst. Die Stadt kontrolliert zwar regelmäßig Bäume, aber nicht alle Unsicherheiten können dabei entdeckt werden.

Ansprechpartner für Landesbehörden, die Deutsche Bahn, Netzbetreiber und weitere externe Bauherren

Neben Gefahrenbäumen wird Kamplade auch Fällungen aus Pflegegründen erläutern und kommunizieren. Schwache oder schräge Bäume müssen mitunter weichen, damit benachbarte starke und gerade Bäume mehr Licht bekommen.

Der Mitarbeiter des Umwelt- und Grünflächenamtes wird aber auch weiterhin viel am Schreibtisch sitzen. Er erarbeitet Planungskonzepte für Erhaltungs-, Fäll- und Pflanzmaßnahmen. Und er ist Ansprechpartner für Landesbehörden, die Deutsche Bahn, Netzbetreiber und weitere externe Bauherren, die für eigene Bauprojekte Bäume fällen.

Kamplade ist auch stark an der Umsetzung des „Stadtbaumkonzeptes“ beteiligt. Dessen Ziel ist es, vor dem Hintergrund der verheerenden Orkane Kyrill und Ela, jedes Jahr mindestens so viele Bäume zu pflanzen wie gefällt werden. In den vergangenen zwei Jahren hat der Stadtrat dafür je eine Million Euro bereitgestellt.

Diese Fällmaßnahmen stehen in den nächsten Wochen an

In den nächsten Wochen wird in Bochum aber wieder reichlich gefällt werden. Die Stadtwerke bauen ab nächster Woche eine neue Fernwärme-Leitung vom ehemaligen RWE-Kraftwerk an der Prinz-Regent-Straße entlang des Nordhausenrings bis zum Kreuzungsbereich Universitäts-/Markstraße. Deshalb werden auf der 3,5 Kilometer langen Strecke Sträucher und Bäume abgesägt, auch an der Unistraße.

Außerdem wird Straßen-NRW an der A43 vom Anschlussbereich Bochum-Riemke bis Herne hinter der Lärmschutzwand Gehölze fällen. Das sei eine Pflegemaßnahme, um erhaltenswertes Gehölz mehr Platz und Licht zu bieten. Um den Jahreswechsel herum soll das stattfinden.

Am Nordhausenring zwischen Opelring und Wittener Straße wird Anfang November der Baum- und Sträucherbestand in einer Breite von fünf Metern vom Straßenrand vollständig entfernt, der restliche Bestand wird zu 30 bis 50 Prozent ausgedünnt. Dazu wird der Standstreifen gesperrt.

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