Weihnachtsmarkt

Preise, Party, Plastik: Der Bochumer Weihnachtsmarkt im Test

Bis zum 23. Dezember lockt der Weihnachtsmarkt. Mit speziellen Marketing-Aktionen wird auch um Besucher aus Polen und den Niederlanden geworben.

Bis zum 23. Dezember lockt der Weihnachtsmarkt. Mit speziellen Marketing-Aktionen wird auch um Besucher aus Polen und den Niederlanden geworben.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Der Bochumer Weihnachtsmarkt hat begonnen. Neues und Bewährtes sollen die Massen locken. Lohnt ein Besuch in der City? Der Festmarkt im Check.

Himmlischer Beistand scheint gesichert: Ein Verkaufshütte des Klosters Stiepel mit dem selbstproduzierten Gin der Zisterzienser-Mönche gehört zu den Neuheiten des Bochumer Weihnachtsmarktes. In dieser Woche war Eröffnung. Lohnt ein Bummel durch die Budengassen? Der WAZ-Weihnachtsmarkt-Check gibt Antworten.

Was hat der Markt zu bieten?

Mehr als 200 Stände füllen die Innenstadt. Das sind weniger als in Dortmund (300) oder Essen (250). Doch die Bochum Marketing GmbH setzt als Veranstalter seit jeher auf den familiären Charakter des Budenzaubers, auf Klasse statt Masse. Diesem Anspruch wird der Markt auch 2019 gerecht.

Was gibt’s Neues?

Die Eisstockanlage auf dem Boulevard fällt mit 14 x 2 Metern zwar nicht gerade üppig aus. Für launig-sportliche Wettbewerbe taugt die Kunststoffbahn auf dem Boulevard aber allemal. Die Resonanz ist gut: Es gibt bereits 86 Buchungen (ausschließlich online auf www.bochumer-weihnacht.de). Damit sind knapp die Hälfte aller Termine vergriffen. Der 90-Minuten-Spaß für bis zu acht Mitspieler kostet 46 bis 66 Euro. Kostenlos ist der Anblick der Elchherde gleich nebenan, die von zwei auf sechs XXL-Leuchtstofffiguren angewachsen ist. Hinzu kommen 16 neue Verkaufsständen, darunter die Mönche mit ihrem Kloster-Gin.

Welches ist die skurrilste Hütte?

Eindeutig das Zelt-Domizil von „Bruder Ignatius“, einem pfiffigen Geschäftsmann aus Leipzig, der auf dem Mittelaltermarkt an der Pauluskirche nicht nur einen schwunghaften Ablasshandel betreibt („Sünde kann so einfach sein“), sondern auch Trauungen vornimmt. Kosten je nach Ausstattung zwischen 10 und 35 Euro (mit Predigt, Urkunde und Brautstrauß). Vorsicht: Die „Ehe“ zum Fest der Liebe währt nur 24 Stunden.

Gibt’s nicht längst nur noch Imbiss- und Getränkebuden?

Keineswegs. Nur 40 Prozent aller Hütten werden laut BO-Marketing gastronomisch genutzt. Merke: Es gibt mehr Geschnitztes als Geschnetzeltes. Hunger und Durst muss trotzdem niemand leiden.

Wo liegen die Preise?

Der Glühwein kostet im Durchschnitt unverändert drei Euro. Ebenso die Bratwurst. Für drei Reibekuchen werden 3,50 Euro aufgerufen. Billig ist anders. Ein Bummel mit der Familie kann mächtig ins Geld gehen. Aber das weiß man als Weihnachtsmarkt-Besucher vorher. Tipp: An den karitativen Ständen sind Speis und Trank oft günstiger – und man unterstützt einen guten Zweck.

Was wird für den Klimaschutz getan?

Erstmals sind sämtliche Imbissbetreiber angehalten, komplett auf Plastik zu verzichten.

Zahlreiche Händler nutzen Mehrwegbesteck, das sie selbst spülen. Wer dies nicht kann oder will, greift auf umweltfreundliche Materialien – etwa Pappschalen oder Besteck aus Zuckerrohr – zurück. Bewährt hat sich die Mehrwegtasse mit BO-Motiv (2 Euro Pfand), die auch gern als Souvenir mitgenommen wird. Der Markt wird zudem mit 100 Prozent Ökostrom der Stadtwerke versorgt.

Was ist mit den Klassikern?

Sie sind alle wieder da: der Fliegende Weihnachtsmann (Abflug täglich um 17 und 19 Uhr) ebenso wie der Mittelaltermarkt, der Märchenwald (diesmal mit 300 Tannen), die Bühne mit Live-Musik freitags bis sonntags auf dem Dr.-Ruer-Platz oder das „Haus der guten Tat“. Nicht mehr da ist Weihnachts-Rabattpass: Sämtliche 5000 Hefte sind seit Wochenbeginn vergriffen. Kein Comeback gibt es nach der Premiere 2018 für den Schinderhannes-Markt unterhalb des Kuhhirten. Erst für 2020 wird wieder Ersatz versprochen.

Wird auch Party gemacht?

Auch wenn Putzfrau Walli diese Woche im Et-cetera-Theater über das „Winter-Wacken für Bürofachangestellte“ lästerte: Der Party-Faktor auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt hält sich in Grenzen. Immerhin: Im Kuhstall, bei Volker’s Glühwein, in Steinmeisters Glühweingasse, im Barkarussell oder in Hafida Laufenbergs Zelt bei Baltz kann’s auch mal etwas ausgelassener zugehen.

Sind die Besucher sicher?

77 Container mit jeweils 1200 Litern Wasser blockieren die Zufahrten. Drei mobile Sperren sichern die Ein- und Ausfahrt der Busse der Linien 345 und 368 auf dem Boulevard. Die Polizei ist wieder mit einer mobilen Wache auf der Huestraße vertreten. Hier hat auch die Feuerwehr einen eigenen Stand.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben