Sicherungsverfahren

Prozess: Bochumer fuhr zweimal absichtlich in Nachbarauto

Das Schöffengericht entschied, dass der Beschuldigte seine Fahrerlaubnis behalten darf.

Das Schöffengericht entschied, dass der Beschuldigte seine Fahrerlaubnis behalten darf.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Bochum.  Ein 44-jähriger Bochumer war mit seinem Mercedes zweimal mit voller Absicht in den BMW eines Nachbarn gefahren. Er stand deshalb vor Gericht.

Der 44-jährige Bochumer muss außer sich gewesen sein vor Wut. Mit voller Absicht war er mit seinem Mercedes in den geparkten 5er-BMW seines Nachbarn und Arbeitskollegen gefahren, hatte zurückgesetzt und den Wagen ein zweites Mal gerammt. Dadurch wurde der BMW auch in einen geparkten Opel Corsa geschoben. Am Montag stand der Unfallfahrer vor dem Schöffengericht.

„Der hat mich jahrelang gemobbt, weil ich immer besser war als er“, sagte der Beschuldigte den Richtern. Den Fahrer des BMW kenne er schon seit fast 30 Jahren. „Er war neidisch auf mich.“ Der Meister in dem Autobetrieb, in dem beide gearbeitet hatten, habe ihn – und nicht den BMW-Fahrer zum Gruppensprecher ernannt. Dann gab es noch einen anderen Grund für die wilde Karambolage: „Ich hatte mir eingebildet, dass er was mit meiner Frau hat.“

16.000 bis 17.000 Euro Schaden

Die Tat hatte sich am 12. Juni 2018 um 23.50 Uhr auf der Klarastraße im Griesenbruch ereignet. Der 44-Jährige war nach der Tat geflüchtet, wurde aber schnell von der Polizei gefasst. 16.000 bis 17.000 Euro fordert der BMW-Fahrer jetzt zivilrechtlich von dem Beschuldigten.

Im Prozess ging es jetzt nicht um eine Strafe, sondern nur um die Frage, ob dem Mann die Fahrerlaubnis entzogen werden muss. Es war kein Strafverfahren, sondern ein Sicherungsverfahren. Denn zur Tatzeit war der Mann wegen einer paranoiden Schizophrenie schuldunfähig. „Ich war nicht mehr in der Lage, klar zu denken.“ Bereits einige Monate vor der Tat hatte er seine Medikamente abgesetzt. „Die haben mich wie einen Roboter gemacht.“

Fahrerlaubnis wurde nicht entzogen

Mittlerweile ist der Beschuldigte wieder von Fachärzten richtig mit Medikamenten eingestellt. Deshalb entschied das Gericht, ihm die Fahrerlaubnis nicht zu entziehen.

Wegen der Karambolage war der Mann von seinem Arbeitgeber gekündigt worden.

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