Avantgarde

Ruhr-Jazz-Festival feiert Auferstehung im Bochumer Museum

Alexander von Schlippenbach (hinten) und Evan Parker zählen zu den Dinos des europäischen Free Jazz.

Foto: Christoph Giese

Alexander von Schlippenbach (hinten) und Evan Parker zählen zu den Dinos des europäischen Free Jazz. Foto: Christoph Giese

Bochum.   Das Ruhr-Jazz-Festival war in den 80er/90er Jahren eine feste Größe. 22 Jahre nach dem Ende erfährt das Musikertreffen 2018 eine Neuauflage.

Für Freunde des improvisierten Musizierens – vulgo: Free Jazz – ist das eine tolle Nachricht: Das Ruhr-Jazz-Festival lebt wieder auf! Die Veranstalter Martin Blume und Ulli Blobel wollen das jazzkulturelle Klassentreffen an seinem angestammten Ort, dem Kunstmuseum, wieder leuchten lassen. Einen Termin gibt’s auch schon: April 2018.

Die Ruhr-Jazz-Festivals machten von den späten 80ern bis Mitte der 90er Jahre Bochum einmal im Jahr zum Mittelpunkt der europäischen Avantgarde. Zunächst im Museum, später im Thürmer-Saal gaben sich die richtig großen Namen der Free/Improvisation-Szene die Instrumente in die Hand: Von den Ruhr-Jazzern Eckard Koltermann und Georg Gräwe über die europäische Avantgarde (Irène Schweizer, Joelle Leandre, Evan Parker, Peter Brötzmann...) bis zu US-Koryphäen wie Steve Lacy.

Nachdem das RJF finanziell-organisatorisch ins Schlingern gekommen war, gingen nach dem Festival 1996 die Lichter aus. Nach zehn erfolgreichen Jahren schien eine Ära beendet.

Kooperation Bochum-Wuppertal

Bis sich in diesem Sommer Martin Blume (Initiative Aktuelle Musik Metropole Ruhr/AMMR), Ulli Blobel (Jazzwerkstatt Wuppertal), die Stadt Bochum und das Kunstmuseum zusammentaten, um dem Festival einen Relaunch zu verschaffen. Blume, der seit Jahren die Soundtrips- und Klangbilder-Konzerte im Museum organisiert, und Blobel, der von Wuppertal aus als Jazz-Veranstalter aktiv ist, geht es vorrangig darum, der oft als „sperrig“ empfundenen Improvisationsmusik ein Forum zu bieten.

„Es ist Spartenkunst, aber es gibt ein ausgeprägtes Publikumsinteresse an dieser Musik, das sehen wir an dem guten Zuspruch etwa auf die Soundtrips-Konzerte“, sagt Blume, der regelmäßig selbst als Schlagzeuger der Improvisierten Musik auf der Bühne steht. Dem Anspruch, dem, was es schwer hat, kompakt und künstlerisch hochwertig zu dienen, sei die erklärte Absicht der Neuauflage des Festivals.

Letzte Finanzierungsgespräche laufen

Die planerischen Vorbereitungen sind weit gediehen, die Absprachen mit dem Museum stehen. Zurzeit liefen letzte Finanzierungsgespräche, sagt Martin Blume.

Auch das Programm des RJF liegt bereits auf dem Tisch. Vom 6. bis 8. April werden sich klangvolle Namen in Bochum vorstellen: Unter anderem das Julie Sassoon Quartet, das Klarinetten-Duo Koltermann/Jörgensmann, das Wolfgang Schmidtke Orchestra mit einer Thelonius-Monk-Hommage und Mats Gustafssons Band „The Thing“ mit niemand anderem als dem großen Free-Funk-Gitarristen James „Blood“ Ulmer. Jan Klares 30-köpfige Big Band „The Dorf“ mit Musikern aus dem „Pott“ wird das Ruhr-Jazz-Fest 2018 eröffnen.

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