Kulturfestival

Ruhrtriennale plant großes Projekt zur Solidarität in Europa

Eine „Solidarity-Farm“ besuchte Barbara Ehnes bei Athen. Hier bekommen hilfesuchenden Menschen ganz unkompliziert Unterstützung.

Eine „Solidarity-Farm“ besuchte Barbara Ehnes bei Athen. Hier bekommen hilfesuchenden Menschen ganz unkompliziert Unterstützung.

Foto: Barbara Ehnes / Ruhrtriennale

Bochum.  Die Bühnenbildnerin Barbara Ehnes überprüft Solidarität auf ihre heutige Bedeutung. Ihre Interviews zeigt sie an mehreren Orten in der Stadt.

Ihre vielfach preisgekrönten Theaterräume sind von großer Wucht und Symbolkraft: Kaum eine Bühnenbildnerin hat das deutschsprachige Theater in den letzten Jahren stärker beeinflusst als Barbara Ehnes. Vor allem ihre beständige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Stefan Pucher lässt die Theatergänger zwischen Berlin, München und Zürich seit langem aufhorchen. Mehrfach wurden ihre Arbeiten zum Berliner Theatertreffen eingeladen, zuletzt sorgte ihre gemeinsame „Lulu“ an der Volksbühne für Furore.

In Bochum sah man Ehnes’ Bühnenbilder bislang leider nie, mit einer Ausnahme: „Der seidene Schuh“ gastierte 2003 als Koproduktion aus Basel bei der Ruhrtriennale, die damals noch unter der Leitung von Intendant Gerard Mortier stand. 16 Jahre später ist Barbara Ehnes zurück – zwar nicht mit einem Theaterstück, dafür aber mit einem Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt: „Solidarität“ oder auf Griechisch „Αλληλεγγύη“ heißt es.

Während der Ruhrtriennale vom 24. August bis 29. September wird es im „Third Space“, dem umgebauten Flugzeug auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle, sowie ab dem 30. August auch in der Innenstadt ganz gewiss auf Interesse stoßen.

Weit über 100 Interviews zwischen dem Ruhrgebiet und Griechenland

Seit über zwei Jahren sind Ehnes als künstlerische Leiterin und ihr Team mit dem Projekt beschäftigt, das als Installation auch zum Mitmachen einlädt. Dafür klopft Ehnes den Begriff der Solidarität auf seine aktuelle Bedeutung ab, indem sie bislang weit über 100 Interviews mit Menschen im Ruhrgebiet und in Griechenland führte.

„Solidarität scheint angesichts der vielen aktuellen Krisen längst nicht mehr nur eine moralische Option, sondern eine Notwendigkeit im Miteinander zu sein“, hat Ehnes bei ihren langen Recherchen beobachtet.

Künstler, Gewerkschafter, Journalisten, Philosophen oder Bauingenieure: Gänzlich verschiedene Menschen zwischen Gelsenkirchen und Thessaloniki befragte Ehnes nach ihrem persönlichen Verständnis von Solidarität. Die vielen Gespräche, die sie allesamt auf Video aufzeichnete, werden während des Festivals in gebündelter Form gezeigt: Vor der Jahrhunderthalle kann man ihnen ganz zwanglos ebenso begegnen wie in dem Glaspavillon vor Baltz auf dem Bongard-Boulevard und in mehreren Schaufenstern an der Rottstraße. Dazu werden am 30. August sowie am 6., 20. und 27. September geführte Touren angeboten, bei denen die mehrteilige Videoinstallation genauer beleuchtet wird.

Beeindruckende Begegnung mit Pater Oliver

Manche Begegnungen haben Barbara Ehnes dabei nachhaltig beeindruckt: Etwa jene mit Pater Oliver, der in Duisburg-Marxloh ein sozialpastorales Zentrum leitet. „Was dieser Mensch hier alles bewegt, ist unglaublich“, sagt sie. Auch im von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelten Griechenland hat Ehnes spannende Gespräche geführt. „Dass es in dem Land trotz der Schuldenkrise so friedlich geblieben ist, liegt vor allem an der Solidarität, mit der die Menschen hier einfach aufgewachsen sind“, meint Ehnes. „Das steckt tief in ihnen drin.“ So besuchte sie eine „Solidarity-Farm“ bei Athen, in der hilfesuchenden Menschen ganz selbstverständlich unterstütz werden.

Interviews sollen erweitert werden

Die Interviews sollen während der Dauer der Ruhrtriennale kontinuierlich erweitert werden. Dafür bleibt Barbara Ehnes während der kompletten Festivalwochen vor Ort. Wer Teil der Interview-Reihe werden möchte oder an einer geführten Tour teilnehmen möchte, muss sich dafür vorher anmelden unter www.ruhr3.com/ehnes

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