Rollatortraining

So bewältigen Senioren ihren Alltag mit dem Rollator

Geschafft: Wilhelmine Wüller ist problemlos mit ihrem Rollator in den Bus eingestiegen. Dabei war die Angst davor groß.

Geschafft: Wilhelmine Wüller ist problemlos mit ihrem Rollator in den Bus eingestiegen. Dabei war die Angst davor groß.

Foto: Sabine Vogt

Bochum-Gerthe.  Polizei, Bogestra und Verkehrswacht bieten einen Rollatortag auf dem Markt in Bochum-Gerthe an. Einige Senioren machen typische Fehler im Alltag.

Die Kante ist hoch, mit dem Rollator also nicht so einfach zu befahren. Wilhelmine Wüller (85) meistert die Hürde, sie kippt die Gehhilfe und schiebt sie mit den Vorderrädern auf die Anhöhe. Die Seniorin nimmt teil am Rollatortag, den Polizei, Bogestra und Verkehrswacht auf dem Gerther Marktplatz anbieten. Dabei wäre der Marktgarten bis vor einigen Wochen noch bestes Trainingsgelände gewesen: Die Wege waren stark ausgewaschen und für Menschen mit Rollator eine hürdenreiche Holperstrecke. Die hat die Stadt inzwischen saniert.

Der Parcours, den die Polizei aufgebaut hat, simuliert verschiedene Untergründe, teils mit Stolperfallen.

Hier erweist sich die Gertherin als Profi, was ihr viel Lob von Polizeihauptkommissar Roland Sentheim beschert.

Wie bewältigt man hohe Bordsteinkanten oder Stufen?

Immer bremsbereit sein, rät Gunnar Cronberger, Vorsitzender der Verkehrswacht Bochum. Die Hebelwirkung des Rollators ausnutzen und anschließend die Hürde erklimmen. „Das Schlimmste, was man machen kann, ist, den Rollator hochzuheben. Das rächt sich im Rücken und im Nacken.“

Was muss man beim Straßenqueren beachten?

Nur an abgesenkten Bordsteinen laufen. Wer zwischen geparkten Wagen über die Fahrbahn will, läuft Gefahr, mit einem Rad im Gully stecken zu bleiben. „Ich habe den Schlitz genau abgemessen und für den Parcours nachgebaut, sagt Sentheim. Er weiß: In solch einer Situation ist ein Senior schon mal gefallen und hat sich böse verletzt.

In Bochum wird einmal pro Monat ein Rollatortag in einem der Stadtteile angeboten. Dennoch ist der Bedarf hoch: „Immer mehr Menschen werden in Zukunft einen Rollator nutzen. Einige kaufen im Internet oder beim Discounter, so dass keinerlei Einführung stattfindet. Das macht im Alltag unsicher“, weiß Sonja Pöpping von der Polizei.

Unsicher ist Wilhelmine Wüller in Bus und Bahn; seit Jahren hat sie sich in kein öffentliches Verkehrsmittel mehr getraut, obwohl sie seit fünf Jahren den Rollator braucht. „Ich habe Angst zu fallen“, sagt sie.

Wie gelingt das Einsteigen sicher?

Der Rollator wird gekippt, entweder mit dem Fuß über Pedale oder aufs Hinterrad. Ist der Rollator im Bus, müssen die Bremsen festgestellt werden, der Mensch hat eine Hand frei und kann sich am Haltegriff ins Fahrzeug ziehen.

Worauf muss man während der Fahrt achten?

Ganz gefährlich ist es, sich auf den Rollator zu setzen. Berthold Delantonio ist für das Kundentraining bei der Bogestra zuständig: „Da kann mit mit dem Gefährt umkippen.“ Im Bus rät er, sich rückwärts zur Fahrtrichtung zu setzen. Da wird der Senior beim Bremsen in den Sitz gedrückt und kann nicht runterrutschen.

Wie steigt man ohne Sturzgefahr wieder aus dem Bus?

Auf jeden Fall rückwärts, was Günther Borschke zunächst ungläubig ablehnt. „Vorwärts“, so Delantonio, „hätten Sie keine Stabilität“. Vorsichtig probiert er genau wie Wilhelmine Wüller den Ausstieg; der Rollator bleibt mit festgestellter Bremse im Wagen, die Person steigt aus und holt zum Schluss die Gehhilfe nach.

„Das dauert anderen Fahrgästen doch sicher viel zu lange“, ist sich Günther Borschke unsicher. Das, so versichert der Bogestra-Trainer, „sollte Ihnen egal sein. Sicherheit geht vor“. Mehr trauen und zutrauen will sich in Zukunft auch Wilhelmine Wüller und ist zuversichtlich, dass sie ihr Bogestra-Seniorenticket jetzt erstmals nutzen will.

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