Tanzschule

Tango-Tanzschule „La Boca“ hat zwei neue Inhaber

Lara Reetz und ihr Mann Walter demonstrieren ihr Können: Den Tango Argentino in ihrer frisch übernommenen Tanzschule "Tango La Boca".

Lara Reetz und ihr Mann Walter demonstrieren ihr Können: Den Tango Argentino in ihrer frisch übernommenen Tanzschule "Tango La Boca".

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Bochum-Grumme.  Lara und Walter Reetz übernehmen „La Boca“ an der Castroper-Straße in Bochum. Für ihren Tango-Traum haben sie genaue Vorstellungen.

Unweit vom Ruhr-Stadion, wo zu Saisonzeiten lauthals gegrölt, angefeuert und getrommeltwird, kann man eine andere Welt betreten. Dort sind die Stühle mit rotem und schwarzem Leder bezogen, die Tischdecken aus Samt und mit Rosen dekoriert. Von den hohen Decken hängen Kronleuchter, sie ist wie ein Himmel bemalt, ein dicker Vorhang säumt den Eichenboden.

Es ist die Welt des Tangos, in die Walter Reetz vor 22 Jahren abtauchte. „Tango ist eigentlich kein Tanz, sondern eine Sprache“, sagt der 54-Jährige, seit kurzem neuer Inhaber der Tanzschule „La Boca“, während im Hintergrund südamerikanische Musik ertönt. La Boca - in Argentinien ein Stadtteil von Buenos Aires - ist im Ruhrgebiet die größte Tanzschule für Tango Argentino. Mehr als 20 Jahre wurde die Tanzschule von Esther Szirniks geführt, aus Altersgründen verkaufte die 67-jährige nun die Tanzschule.

Kein Grundschritt mit Figuren

„Dass wir die Tanzschule übernehmen, war nicht von Anfang an klar“, berichtet Tanz- und Lebenspartnerin Lara Reetz (36). La Boca könnte zu weit weg sein vom eigenen Wohnort in Remscheid und ist traditioneller ausgerichtet als der eigene moderne Stil – das waren die Bedenken. Als Reetz und Szirniks sich dann aber genau im selben Moment anriefen, war für die Tango-Verrückten klar: „Wir übernehmen das La Boca.“ Alles weitere war dann schnell klar: „Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen, wir wollen offen sein für Einsteiger wie Fortgeschrittene und man kann auch nur zum Zugucken ins Café kommen“, sagt Lara Reetz.

Dass die beiden Tango lieben, müssen sie nicht sagen: Es reicht, sie vom neuen Eichenboden und dem Tango als Weltkulturerbe schwärmen zu hören, oder: Sie einfach tanzen zu sehen. „Anders als bei weiteren Standardtänzen gibt es beim Tango keine Grundschritte mit Figuren, wobei jeder Tanzpartner weiß, was der andere macht. Man kommuniziert mit seinem Partner“, berichtet der 54-Jährige. „Man muss sich auch auf die Rollenverteilung einlassen“, ergänzt seine Frau. In offenen Schnupper-Tanzstunden und wöchentlichen Kursen wollen die Tanzlehrer genau das Interessierten näherbringen.

Chemie muss stimmen

„Am besten kommt man zu zweit vorbei, die Chemie muss stimmen“, rät Lara Reetz. Bei den Reetz stimmte sie: Bevor sich die Beiden lieben lernten, tanzten sie. „Wir habe uns nicht unterhalten und gefragt: ‚Was machst du und wer bist du?‘, sondern einfach getanzt“, erinnert sich Lara Reetz. Ein falscher Eindruck soll dennoch nicht entstehen: „Tango hat viel mit Leidenschaft und Temperament zu tun, aber natürlich geht es nicht um die Partnersuche“, sagt Walter Reetz und lacht.

Er selbst kam zum Tango, nachdem er als 16-Jähriger beim Stadtbummel ein Plakat sah und sich kurz darauf im Tango-Anfänger-Kurs wiederfand. Damals hoffte er nur, die Aufregung vergehe schnell und der Tanz mache ihm Spaß. An eine eigene Tanzschule war nicht zu denken. Dass jemanden eine ähnliche Geschichte in seine eigene Tanzschule führt und er ein Feuer entfachen kann, das hofft er heute.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben