E-Scooter

Tiers E-Roller in Bochum: So aufwendig ist die Logistik

Matthias Kwasnitza wartet in Bochum die E-Scooter der Firma Tier in einer eigenen Werkstatt.

Matthias Kwasnitza wartet in Bochum die E-Scooter der Firma Tier in einer eigenen Werkstatt.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die E-Scooter der Firma Tier werden mit Vans eingesammelt und alle 48 Stunden gewartet. Das Unternehmen bekommt in Bochum viel Kritik zu spüren.

E-Scooter in Hecken, quer auf dem Gehweg liegend, im Vorgarten oder in der Autoeinfahrt – man erblickt die elektrischen Leih-Roller dieser Tage an verschiedenen Orten. Dabei ist es gar nicht mal streng verpflichtend, den Roller angemessen zu platzieren. Doch wenn der geliehene E-Scooter beinahe überall abgestellt werden darf, wer bringt sie zurück an adäquate Orte? Wie werden sie geladen und repariert?

Matthias Kwasnitza ist der Regionalmanager Ruhr des Unternehmens „Tier Mobility GmbH“ mit Sitz in Berlin. Er koordiniert die Verteilung, das Einsammeln, das Laden und die Wartung der 160 Roller, die das Unternehmen im Bochumer Stadtgebiet unterhält. Drei seiner Beschäftigten sammeln die Roller Nacht für Nacht mit großen Vans ein – 30 bis 40 passen in ein Fahrzeug – und bringen sie in eine angemietete Industriehalle in Werne.

Mitarbeiter haben feste Stellen und arbeiten meist Vollzeit

Dort werden sie geladen, gewartet und im Anschluss zurück in die Stadt gebracht. Ein Mitarbeiter sorgt tagsüber dafür, dass die Roller richtig abgestellt und aufgeladen sind. Bei voll geladenem Akku lassen sich mit ihnen dann rund 25 Kilometer am Stück zurücklegen.

Zurzeit arbeiten mit Kwasnitza zwei weitere Mitarbeiter in der Werkstatt und Logistik. Der Manager sagt, dass die Mitarbeiter sozialversicherungspflichtige Angestellte seien und zum Großteil Vollzeit arbeiteten. Nur um Spitzen abzufangen, beschäftige man ab und zu Minijobber.

Stimmen zum E-Roller werden kritischer

Die Stimmen zum E-Scooter sind in den vergangenen Wochen zunehmend kritischer geworden. Auch lässt die Anfangseuphorie langsam nach. Es gingen häufiger Beschwerden bezüglich ungünstig abgestellter Fahrzeuge oder rücksichtsloser Fahrweisen bei Kwasnitza ein. „Ich versuche mich dann immer in die Person hineinzuversetzen. Die allermeisten Probleme verstehe ich sehr gut“ erläutert er, ist aber optimistisch, dass sich das Nutzerverhalten mit der Zeit einspielt.

Roller haben geringe Lebensdauer und werden mit Vans eingesammelt

Häufig kritisiert wird die geringe Lebensdauer der Roller. Zur Produktion der Batterien werden seltene Erden benötigt, deren Abbau Risiken für Mensch und Umwelt birgt. Das Unternehmen geht derzeit aber von einer Lebensdauer von etwa 14 Monaten aus.

Der Anspruch sei es, die Scooter möglichst lang zu erhalten. Dazu werden sie mindestens alle 48 Stunden gewartet, zudem sei man kürzlich eine Kooperation mit einem Recyclingpartner eingegangen.

E-Roller sollen vor allem Autofahrten ersetzen

Das Einsammeln der Roller mit dem Kohlendioxid ausstoßenden Van ist ein weiterer Kritikpunkt. Das Unternehmen sei sich dieses Mankos bewusst und strebe mittelfristig den Transport mit E-Vans an.

Das Umweltbundesamt gibt an, dass E-Roller erst dann ein umweltfreundliches Verkehrsmittel seien, wenn sie Autofahrten, nicht aber wie derzeit häufig, den Fußweg oder das Radfahren ersetzten. Dazu müsste der E-Roller langfristig außerhalb des Stadtzentrums etabliert werden.

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