Neues Buch

Ulli Engelbrecht blickt zurück auf die Musik der 70er Jahre

Musikkenner. Ulli Engelbrecht schreibt über jene fernen Zeiten, als Deep Purple die Rockmusik prägten.

Musikkenner. Ulli Engelbrecht schreibt über jene fernen Zeiten, als Deep Purple die Rockmusik prägten.

Foto: Volker Beushausen

Bochum.  Von Frank Zappa bis Kommissar Keller: Ulli Engelbrecht blickt in seinem neuen Buch „Mir brennen die Schläfen“ zurück auf die 1970er Jahre.

Wer an die 70er Jahre denkt, dem fallen der Ford Capri, Langnese-Eis („Nogger Dir einen!“!) oder die Pril-Blümchen in Omas Küche ein. Außer man heißt Ulli Engelbrecht - dann kommt noch die Rockmusik dazu. Tatsächlich ist der Bochumer ein wandelndes Lexikon in Sachen populärer Musik. Was er mit seinem neuesten Buch mal wieder unter Beweis stellt.

„Mir brennen die Schläfen“ heißt das Werk, das auf 180 Seiten süffig geschriebene Geschichten aus einer Zeit versammelt, die einem noch sehr nah vorkommt und doch schon 40 und mehr Jahre zurückliegt. Ulli Engelbrecht arbeitet sich an jenen Tagen ab, die seine Jugend waren. „Schon damals spielte Pop- und Rockmusik eine zentrale Rolle“, sagt der Ur-Bochumer.

Das Schreiben ist für ihn ein Hobby, wenn auch ein ambitioniertes. „Mir brennen die Schläfen“ ist der bereits dritte Band einer rockmusikalischen Zeitreise, zuvor erschienen „Mehr als nur ein dummes rundes Ding“ und „Samtcord, Strass und Soundgewitter“. Immer geht es darin um die Musik der frühen Jahre und die damit verbundenen Erinnerungen.

Engelbrecht ist nicht wählerisch: ob er über Frank Zappa nachdenkt, ein Schlager von Vicky zum Auslöser seines Erzählens wird oder „Born to be wild“ von „Steppenwolf.

Käse am Stiel

„Der Song erschien zu einer Zeit als es in den Kneipen noch Käse am Stiel für eine Mark zu kaufen gab und die Mädchen auf einmal zur ,Frauenzigarette’ namens ,Kim’ griffen“, heißt es an einer Stelle. „Überall liegt Gedankenschrott herum, den ich nur einsammeln muss“, fasst der Autor sein Vorgehen zusammen.

Etwa, wenn er sich Gedanken über das „richtige“ Aufstellen einer LP-Sammlung macht.

Penibler Ordnungssinn

„Schallplatten aufrecht zu stellen bedeutet auch, dass ein Besuchsgast bereits aus der Ferne sehen kann, mit welchen Klangwelten sein stolzer Besitzer vertraut ist“, schreibt Engelbrecht. Und er gesteht: „Ich gehöre zu der Generation, die mit diesem peniblen Ordnungssinn aufgewachsen ist.“ Wie so Vieles in dem Buch, ist auch diese LP-Episode autobiografisch. Aber weil Ulli Engelbrecht zur Kohorte der Baby-Boomer gehört, darf er getrost davon ausgehen, dass es anderen Plattensammlern der Jahrgänge 1955 bis 1964 ebenso ging.

Zeitkolorit fließt mit ein

„Vieles, über das ich schreibe, geht viele Menschen an“, sagt Engelbrecht, „eben weil wir so viele sind.“ Die kollektive Erinnerung, die der Bochumer in seinen Stories ausgräbt, bezieht sich, wie gesagt, in erster Linie auf die Rockmusik; aber es fließt auch Zeitkolorit ein. So, wenn Engelbrecht über die Fernsehabende im Kreise der Familie schreibt, beispielhaft ausgeführt am ZDF-Klassiker „Der Kommissar“ mit Erik Ode - „die Mörderjagd als vergrübeltes Kammerspiel mit Dialogen wie auf der Theaterbühne“.

Hoher Unterhaltungswert

Es sind diese zahllosen Details, die das Buch interessant und lesenswert machen - übrigens nicht nur für zentrale „Zielgruppe“, also die Jugendlichen der 70er Jahr. Denn neben allem anderen ist „Mir brennen die Schläfen“ einfach auch ein guter Schmöker mit Unterhaltungswert.

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