Ruhrstadion

Von Walitza bis Wosz: Bochum feiert 40 Jahre Ruhrstadion

Frank Wiemann ist als wandelndes VfL-Lexikon Stadionführer an der Castroper Straße. Am Wochenende feiert die blau-weiße Familie das 40-jährige Bestehen des Ruhrstadions.

Frank Wiemann ist als wandelndes VfL-Lexikon Stadionführer an der Castroper Straße. Am Wochenende feiert die blau-weiße Familie das 40-jährige Bestehen des Ruhrstadions.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Vor 40 Jahren wurde das Bochumer Ruhrstadion eröffnet. Am Wochenende wird gefeiert. Wir feiern mit und erinnern an die Anfänge „anne Castroper“.

3:0 gegen den Stadtrivalen, dabei zwei Buden von Hans-Werner „Rakete“ Eggeling: Der Himmel hatte blau-weiß geflaggt, als am 21. Juli 1979 das Ruhrstadion eröffnet wurde. Das Freundschaftsspiel des VfL gegen die SG Wattenscheid 09 war Höhepunkt der blau-weißen Seligkeit. Ganz Bochum war stolz auf das „Schmuckkästchen“, wie der Betonquader alsbald im Volksmund genannt wurde. Bevor der 40. Geburtstag „anne Castroper“ am Wochenende gefeiert wird, blickt die WAZ zurück – und bedient sich dabei einer Legende unserer Zunft. Hier Auszüge aus einem Bericht unseres damaligen Sportredakteurs Heinz Formann, verfasst zum 25. Stadion-Geburtstag 2004.

Umbau „anne Castroper“ kostete 26 Millionen Mark

„Am 21. Juli 1979 war nach mehr als zweijähriger Umbauzeit für 26 Millionen DM aus dem Stadion an der Castroper Straße eine schmucke Fußballarena geworden. Für 50.000 Zuschauer, wie es damals auf vielen Plakaten hieß. Mit dem Zusatz: ,Das Wetter können Sie vergessen.’ Was so ganz nicht stimmte, wie die Besucher der ersten Tribünenreihen inzwischen wissen. Und auch die 50.000 passen längst nicht mehr in die Arena, die Journalisten damals fast einhellig ,das schönste Fußballstadion Deutschlands’ nannten. Doch, oh Wunder, später wurde es immer kleiner (aktuell liegt die Kapazität nach diversen Umbauten bei 27.599 Zuschauern, die Red.).

Doch solche Ahnungen hatte man damals noch nicht. Es war tatsächlich Hilfe in höchster Not. Jahre hatte der VfL in der 1. Liga nur überlebt, weil er stets die besten Spieler am Ende einer Saison verkauft hatte, um die größten Löcher im Etat auch nur annähernd schließen zu können. Was ganz nie gelang, selbst als ein Hans Walitza für die damalige deutsche Rekordsumme von 600.000 DM zum 1. FC Nürnberg wechselte. ,Wir kämpfen hier in Bochum mit Schubkarren gegen Panzer’, hatte der damalige Trainer Heinz Höher unwidersprochen festgestellt. Wenige Pfennige über fünf Mark lag der Durchschnittspreis beim VfL – die Konkurrenz im Lande erlöste leicht das Doppelte in ihren Arenen.

Doch von diesen eher trostlosen Tönen wollte an diesem 21. Juli 1979 niemand etwas hören. Lieber sangen die Zuschauer zusammen mit Gotthilf Fischer von einem ,Tag so wunderschön wie heute’.

Ottokar Wüst hatte noch einige Mitstreiter

Der Weg bis zu diesem Festtag war hart und steinig genug. Drei Monate im Frühjahr und Sommer 1977 hatte der VfL im Herner Exil (Stadion am Schloss Strünkede, die Red.) um das Überleben in der 1. Liga kämpfen müssen. Und wenn der Ehrenvorsitzende Ottokar Wüst gern erzählt: ,Ohne diesen Ottokar Wüst gäbe es kein Ruhrstadion’ – dann stimmt das nicht so ganz. Zu dessen Errichtung haben noch andere Männer beigetragen. Ganz entscheidend: Dr. Christoph Zöpel, der damals als NRW-Minister in Düsseldorf wichtige Weichen gestellt hat. Später dann auch Heinz Hossiep, damals Fraktionschef der Bochumer SPD, und Heinz Lutz, der Vorsitzende des Bauausschusses, sowie Oberbürgermeister Heinz Eikelbeck, der nach anfänglichen Bedenken zu einem großen Freund des Umbauprojekts geworden war und die Einweihung vornahm.

Inzwischen ist ein schmuckes Stadioncenter dazu gekommen. Nur: Wie lange das Ruhrstadion noch so heißen darf, ist die Frage. Der VfL-Vorstand gedenkt, den Namen künftig zu vermarkten. Vielleicht darf man in Erinnerung bringen, was unsere Großmutter immer gepredigt hat: ,Wer alles nur des Geldes wegen tut, wird bald des Geldes wegen alles tun.’“

Am Samstag und Sonntag wird zum Saisonauftakt gefeiert

Ob Omas Weisheit stimmt, sei dahingestellt. Sicher ist: Heinz Formann lag mit seiner Vorahnung richtig. Zwei Jahre später, zur Saison 2006/07, wurde das Ruhrstadion in „rewirpowerstadion“ mit den Stadtwerken als Sponsor umbenannt. Seit 2016 heißt es „Vonovia Ruhrstadion“.

Hier wird am Wochenende gefeiert. „Die Saisoneröffnung steht ganz im Zeichen von ,40 Jahre Ruhrstadion’“, wirbt der VfL. Am Samstag (20.) begrüßen die Blau-Weißen Hertha BSC zum Testvergleich. Anstoß ist um 18 Uhr. Eine halbe Stunde zuvor gibt es Grußworte sowie eine Würdigung von Ottokar Wüst und Heinz Eikelbeck: für den VfL „die Väter des Ruhrstadions“. Anschließend geht es auf der Fanparty u.a. mit Stadionsprecher Michael Wurst und seiner Band „The Tweens“ weiter. Am Sonntag (21.) steigt ab 11 Uhr der Familientag mit Autogrammstunde der Profis und Trainer (12 bis 14 Uhr) sowie zahlreichen Aktionsständen. Alle Infos auf www.vfl-bochum.de.

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