Chor-Tradition

Wattenscheid: Ende für MGV Schlägel & Eisen nach 140 Jahren

Dieter Pade zeigt die Bergmannskluft, in der die Sänger früher mal aufgetreten sind.

Dieter Pade zeigt die Bergmannskluft, in der die Sänger früher mal aufgetreten sind.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid.  Damit enden 140 Jahre Chorgeschichte in Wattenscheid: Der Männergesangverein Schlägel und Eisen Höntrop 1879 löst sich zum Jahresende auf.

Zum finalen Ausklang gibt es ein großes Abschiedskonzert am kommenden Samstag, 7. Dezember, um 17 Uhr in der ev. Kapelle an der Höntroper Straße. Der Eintritt ist frei.

Vorsitzender Dieter Rohrbach und sein Stellvertreter Dieter Pade blicken mit Wehmut zurück, vier Jahrzehnte lang waren sie „ein Team“. Der stete Mitgliederschwund war allerdings trotz vieler Werbemaßnahmen nicht aufzuhalten, es fehlt – wie so oft – Nachwuchs.

In Spitzenzeiten nach dem Krieg waren es über 60 Mitglieder, derzeit gibt es noch 16 aktive Sänger, die meisten über 70 Jahre alt. „Das ist zu wenig bei einem vierstimmig ausgelegten Chor, immer kann mal jemand ausfallen. Und wir haben schließlich einen gewissen Qualitätsanspruch“, erklärt Dieter Rohrbach, seit 50 Jahren Vorsitzender. Das Repertoire reicht von Klassik über Oper bis Operette.

Viele Berichte aufbewahrt

Der 84-Jährige hat viele Berichte aus der Wattenscheider Zeitung und der WAZ Wattenscheid aufbewahrt, beginnend 1952. Auch die alte Gründungsurkunde liegt bei ihm zu Hause. Der Rückblick fällt sehr positiv aus. Es gab zahlreiche Feste und Auftritte, nicht nur in der Hellwegstadt, sondern in ganz Deutschland – darunter auch in der Nähe von Aschaffenburg vor 2000 Zuhörern. „Der Gesang war uns wichtig, aber auch die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Der Chor hat viele Ausflüge unternommen“, erklärt Dieter Pade (76), zweiter Bass und seit 1976 im MGV aktiv.

Geprobt wurde u.a. in der Gaststätte Schemann an der Eppendorfer Straße, wo nach dem Abriss 1978 das Hotel am Südpark entstand, das nach dem Brand ebenfalls für einen Neubau abgerissen wurde. Weitere Proberäume waren „Im Krug zum grünen Kranze“ an der Op de Veih, dann Haus Wegmann (später Höntroper Brauhaus) am Wattenscheider Hellweg, das einst Heinz Wirth zur Osten leitete, und zuletzt das ev. Gemeindehaus an der Emilstraße. „Es gab mal über zehn Männergesangvereine in Wattenscheid, nach unserem Rückzug ist es mit dem MGV Glück Auf nur noch einer“, so Dieter Rohrbach.

Mit Bergbau verbunden

Der MGV Schlägel und Eisen war in seiner Anfangszeit eng mit dem Bergbau verbunden, gegründet von Bergleuten der Zeche Maria Anna Steinbank in Höntrop. Der Chor trat auch in Bergmannskluft auf, wechselte zuletzt im Outfit auf rote Weste und schwarze Hose. Für die langjährige Treue bedankt sich der Vorsitzende Dieter Rohrbach stellvertretend für seinen MGV: „Es war eine schöne Zeit, die wir erleben durften. Danke für die lange Unterstützung – ein herzliches Glück auf!“

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