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Wie der Verein Madonna seit 25 Jahren Prostituierten hilft

Sozialarbeiterin Vanessa Szczesny berät Prostituierte in Gesundheitsfragen oder bei ganz allgemeinen Anliegen. (Szene nachgestellt)

Sozialarbeiterin Vanessa Szczesny berät Prostituierte in Gesundheitsfragen oder bei ganz allgemeinen Anliegen. (Szene nachgestellt)

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Der Bochumer Verein Madonna berät seit 25 Jahren Prostituierte bei Alltagsfragen. Frauen sollen sicher und selbstständig arbeiten können.

Das Gebäude liegt etwas abseits der Straße, in der Einfahrt zwischen Sparkasse und Volksfürsorge. So versteckt, so unscheinbar wie es sich dort hinter den anderen Häusern duckt, so versteckt leben auch viele, die dort Rat suchen: Prostituierte. Der Verein Madonna, der den Frauen Unterstützung, Information und praktische Lebenshilfe anbietet, feiert an diesem Freitag sein 25-jähriges Bestehen. 25 Jahre, in denen sich die Situation der „Sexarbeiterinnen“, wie sie hier sagen, zwar ein wenig gebessert hat – vom Status „normaler“ Berufstätiger aber sind sie noch immer weit entfernt.

Natürlich habe es Erfolge gegeben, sagen Dorothee Schmidt und Astrid Gabb, die Leiterinnen des Vereins: das Prostitutionsgesetz etwa, das die Sexarbeit von der juristischen „Sittenwidrigkeit“ befreite und als Erwerbsarbeit anerkannte. Es brachte immerhin ein Stück Rechtssicherheit, den einklagbaren Anspruch auf den Lohn. Der Verein habe sich damals an der Diskussion beteiligt und bringe sich auch weiterhin politisch ein.

Alltagsfragen und Gesundheitsberatung stehen im Fokus

Im Alltag aber kümmern sich die Sozialarbeiterinnen um die akuten Probleme der Prostituierten: um „berufsspezifische Anliegen“ ebenso, wie um private, familiäre Belange: „Wie finde ich einen Kitaplatz? Wie wähle ich die richtige Schule aus? Was kann ich tun, um Schulden abzubauen?“ Auch Gesundheitsberatung ist ein wichtiges Thema – wobei man diese nicht auf HIV-Prävention oder den Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten reduzieren dürfe, sagt Astrid Gabb.

Im Fokus stehen auch seelische Gesundheit und Arbeitsbedingungen. Manche Frauen sind nicht krankenversichert, andere leiden unter wachsendem Konkurrenzdruck. „Je sicherer und selbstständiger die Frauen arbeiten können, desto besser für ihre Gesundheit“, sagt Dorothee Schmidt. Dabei wollen die Madonna-Mitarbeiterinnen helfen.

Und was ist mit Gewalt? Dorothee Schmidt und Astrid Gabb winken ab: gibt es, aber erstaunlich wenig. „Die Frauen beherrschen Deeskalationsstrategien und können auch mit schwierigen Kunden umgehen“, so Dorothee Schmidt. Die Opferrolle – ein Klischee.

Verein bietet auch Beratung zum Berufseinstieg

Sonst würde der Verein wohl kaum „Einstiegsberatungen“ anbieten, also Informationen für Frauen, die als Prostituierte arbeiten wollen. Zu behaupten, dass solche Anfragen „regelmäßig“ kämen, wäre wohl übertrieben, sagt Astrid Gabb, „aber es kommt immer mal wieder vor. Oft sind das gebrochene Lebensläufe, Frauen, die nach der Kindererziehung lange aus ihrem erlernten Beruf raus sind, und mit Anfang 40 dann wieder arbeiten wollen“.

Die Prostituierte als junges, unerfahrenes Persönchen? Noch so ein Klischee. „Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, was sich auch die Frauen aus dem Ausland hier aufbauen“, sagt Dorothee Schmidt, „wie schnell sie Deutsch lernen – und wie gut sie zurecht kommen“.

>>> Gottesdienst am 11. Juni in der Pauluskirche

  • Seit 1975 wird am 2. Juni der internationale Hurentag gefeiert, der an die Diskriminierung von Prostituierten erinnert.

  • Ein paar Tage später, am 11. Juni, veranstaltet der Verein Madonna gemeinsam mit dem Frauenreferat und der Pauluskirche einen Gottesdienst. Dieser beginnt um 10 Uhr in der Pausluskirche und ist offen für alle.

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