Prozess

Baby sexuell missbraucht: Bottroper (25) muss ins Gefängnis

Ein Relief an der Fassade des Landgerichtes zeigt Justizia.

Ein Relief an der Fassade des Landgerichtes zeigt Justizia.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Der 25-jährige Bottroper, der ein Baby sexuell missbraucht hat, muss vier Jahre und vier Monate in Haft, entschied das Landgericht Essen.

Der Bottroper, der seine kleine Nichte sexuell missbraucht hat, muss vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis, entschied die V. Essener Strafkammer. Die Sicherungsverwahrung bleibt ihm erspart, weil die psychiatrische Gutachterin Maren Losch in ihm noch keinen notorischen Rechtsbrecher mit einem „Hang“ zu schweren Straftaten sieht.

Vorbestraft ist der 25 Jahre alte Bottroper bislang nicht. Im Jahr 2017 war das Bundeskriminalamt auf ihn aufmerksam geworden, weil es nach einem im Internet hoch geladenen kinderpornografischen Bild fahndete. Nach einigen Monaten kam es auf die Spur des Bottropers und nahm ihn fest.

Ein Jahr alte Nichte missbraucht

Mittlerweile hatte er Anfang 2018 aber weitere Fotos und Filme gefertigt, auf denen eindeutig seine damals ein Jahre alte Nichte zu sehen war. In der Anklage war ihm auch noch die erste Aufnahme, die das BKA bemerkt hatte, als Missbrauch der Nichte zugeschrieben worden. „Aber das Foto zeigt eindeutig nicht die Nichte“, betonte Richter Volker Uhlenbrock.

Der zum Großteil geständige Angeklagte hatte in der Verhandlung erzählt, dass er nach Problemen in der Familie und auch in der Schule zusehends vereinsamte. Er habe sich deshalb in illegalen Internet-Foren bewegt, um wieder mehr zu kommunizieren. Drei Gesprächspartner habe er gefunden, die ihm Kinderpornos zugeschickt hätten. Da habe er dann auch mal eigenes Material liefern müssen.

Fotos waren "für Guido" gedacht

Wenn er auf das Kind seiner Schwester aufpassen musste, nutzte er die Gelegenheit. Zwei Fälle ließen sich dank der Aufnahmen klar feststellen. Klar war auch, dass die Bilder für andere gemacht worden waren. Ein Bild zeigt den Rücken des Kindes mit dem Zettel „Für Guido“.

Staatsanwältin Bettina Haschke-Delgmann hatte zwar sechs Jahre und neun Monate Haft gefordert, dem Angeklagten aber auch schon das Geständnis und die fehlende Gewaltanwendung gut geschrieben.

Verteidiger spricht von unglaublichen Handlungen

Verteidiger Irfan Durdu hatte um eine mildere Strafe gebeten. Eindeutig hatte er zuvor von „unglaublichen Handlungen, die auf der tiefsten Stufe stehen,“ gesprochen. Doch um den Angeklagten einzuordnen, müsse das Gericht auch die Vorgeschichte sehen. Positiv sei sein Geständnis und dass er selbst eingesehen habe, jetzt therapeutische Hilfe zu benötigen.

Die Kammer folgte ihm in weiten Teilen. Auch Richter Uhlenbrock sprach von dem ausgrenzenden Leben des Angeklagten, von den Übergriffen durch dessen Mutter. Auf der anderen Seite seien aber die Taten zu sehen.

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