Zivilcourage

Bottroper erhalten Handwerkszeug, um sich einzumischen

Trainer Ernst Nieland simuliert einen aggressiven Fahrgast, der eine Frau im Bus belästigt. Die Workshop-Teilnehmer sollen Zivilcourage zeigen und eingreifen.

Trainer Ernst Nieland simuliert einen aggressiven Fahrgast, der eine Frau im Bus belästigt. Die Workshop-Teilnehmer sollen Zivilcourage zeigen und eingreifen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Die Mutiger-Stiftung schult Bürger, um Zivilcourage zeigen zu können. So lernt die Gruppe, wie man sich bei aggressiven Fahrgästen im Bus verhält

Schon beim Einsteigen beschimpft der Mann die Fahrgäste im Bus. Er pöbelt, sucht sich einen Platz hinten und fängt dort an, auf eine Frau einzureden. Offensichtlich will er mit ihr anbändeln. Er wird lauter und zudringlicher, umarmt und begrapscht sie. Endlich werden die anderen Fahrgäste aufmerksam. Eine Frau steht auf, sucht sich einen Unterstützer und gemeinsam versuchen sie zu helfen. Gleichzeitig informiert ein anderer den Fahrer.

Zum Glück ist dieser Vorfall gespielt und Teil eines Workshop für mehr Zivilcourage der Mutiger Stiftung. Sie will den Teilnehmern das richtige Handwerkszeug geben, um sich in solchen Situationen – die so immer wieder vorkommen – einmischen zu können. Der ungehobelte, angetrunkene Fahrgast ist diesmal Ernst Nieland, der Trainer der Stiftung. Sein Kollege Michael Schoofs unterbricht jetzt, Zeit für die erste gemeinsame Manöverkritik.

Wer sich einmischt, sollte im Vorfeld gezielt Unterstützer suchen und ansprechen

Gut war, dass Nora Schrage-Schmücker sich nicht allein eingemischt hat, sich Unterstützung gesucht hat und jemanden aufgefordert hat, die Polizei zu alarmieren. „Denn das, was sich da abspielt, ist sexuelle Belästigung, eine Straftat.“ Als nicht so gut bewertet der Experte das Eingreifen des Fahrers – auch gespielt von einem Teilnehmer. Er kam dem aggressiven Mann zu nahe, lief Gefahr, in eine körperliche Auseinandersetzung verwickelt zu werden. „Besser ist es, aus ausreichender Entfernung aufs Hausrecht hinzuweisen, den Mann aufzufordern den Bus zu verlassen und ihm klar zu machen, dass die Polizei alarmiert ist.“ Sollten dabei die Türen geöffnet oder geschlossen sein, will der Trainer wissen.

Aus dem Bauch heraus entscheiden sich die meisten Teilnehmer für geschlossen – und liegen falsch. „Man sollte ihm auch die Möglichkeit geben zu verschwinden.“ Andernfalls könne so eine Situation auch eskalieren. „Es gibt Kameras und Zeugen, das hilft der Polizei auch. Man muss so jemanden nicht festhalten“, macht Schoofs deutlich.

Nicht bei allen Vorfällen gibt es einen eindeutigen „Täter“

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Bottrop Die Workshop-Teilnehmer hören aufmerksam zu. Es sei gut, so etwas einmal klar zu hören, sagt Nora Schrage-Schmücker. Sie ist sich sicher, dass sie im Zweifel tatsächlich eingreifen würde. „Aber ich würde mich falsch einmischen“, befürchtet sie. Daher sei es gut, hier das richtige Handwerkszeug zu lernen.

Dass solche Situationen aber nicht immer eindeutig sind, merken die Teilnehmer im nächsten Szenario. Zwei Fahrgäste streiten sich um einen Platz, schaukeln sich gegenseitig hoch. Was tun? Die Polizei ist nicht zuständig, es liegt keine Straftat vor. Also muss der Fahrer eingreifen. Und der will beide an die Luft setzen. Protest aus der Gruppe, warum nicht den, der angefangen hat? Nieland macht klar, dass es nun darum gehe, Ruhe herzustellen. Das gehe am ehesten, wenn beide gehen müssen. Aber vielleicht hätten die Fahrgäste früher eingreifen können, einen anderen Platz anbieten können und die Situation wäre nicht so eskaliert, so der Tipp.

Workshop hilft, um brenzlige Situationen schon im Vorfeld zu reflektieren

Sich damit zu beschäftigen, verschiedene Perspektiven einzunehmen, das könne künftig helfen, wenn es darum geht, Zivilcourage zu zeigen, glaubt Claudia Wetzel. „Es hilft, solche Situationen im Vorfeld anders zu reflektieren und dann anders heranzugehen.“

Weitere Infos zur Stiftung und den Mutiger-Kursen gibt es unter: oder info@mutiger.de sowie im Internet: www.mutiger.de.

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