Soziale Leistungen

Das Teilhabepaket wird nahezu ausgeschöpft

Eine Neuerung des Bildungs- und Teilhabepakets in Bottrop: Die finanzielle Unterstützung für den Schulstart steigt von 100 auf 150 Euro. Davon können Tornister oder Schulhefte gekauft werden.

Eine Neuerung des Bildungs- und Teilhabepakets in Bottrop: Die finanzielle Unterstützung für den Schulstart steigt von 100 auf 150 Euro. Davon können Tornister oder Schulhefte gekauft werden.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Bottrop.  Die vorhandenen Mittel fließen Jungen und Mädchen aus ärmeren Familien auch tatsächlich zu. In Bottrop werden die Leistungen nochmal verbessert.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten werden die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets in Bottrop nahezu ausgeschöpft. Künftig gibt es für die Leistungsempfänger sogar noch weitere Nachbesserungen. Vermutlich wird die Stadt allerdings auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben.

Die Gesamtausgaben betrugen im vergangenen Jahr rund 1,4 Millionen Euro. Davon belief sich der Eigenanteil der Stadt auf 175.000 Euro. Weil aber die Aufwendungen in diesem Jahr steigen, befürchtet die Vorsitzende des Sozialausschusses, Renate Palberg, einen noch höheren Eigenanteil.

Die Stadt muss in Vorkasse gehen, die Erstattung erfolgt erst später

Die Stadt geht zunächst in Vorkasse. Eine Erstattung durch den Bund erfolgt erst zu einem späteren Zeitpunkt. Erfahrungen aus der Vorjahren hätten jedoch gezeigt, dass es „keine hundertprozentige Erstattung gibt“, so Palberg. Ein Unding für die Vorsitzende des Ausschusses. „Wenn der Bund soziale Leistungen beschließt, dann soll er diese auch übernehmen.“

Im vergangenen Jahr profitierten rund 3600 von 5200 Kindern aus Bottroper Familien mit geringem Einkommen von dem Teilhabepaket. Zu den Leistungen zählen unter anderem Schulfahrten, Ausflüge mit der Kita oder Schule sowie Lernförderung und Schulbedarf. Einzelne Bereiche werden mehrfach im Jahr gewährt, so dass sich mehr als 12.000 Bewilligungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ergeben.

Die Mühe der Schulsozialarbeiter zahlt sich in vielen Anträgen aus

Einen Grund dafür, dass das Angebot jahrelang angenommen wird, sieht Palberg in dem Einsatz der Sozialarbeiter, die an fast jeder Schule im Stadtgebiet eingesetzt werden. „Sie klären auf, informieren und helfen beim Ausfüllen der Formulare.“

Weitere konkrete Änderungen: Der persönliche Schulbedarf steigt von 100 Euro (70 Euro zum ersten Schulhalbjahr / 30 Euro zum zweiten Schulhalbjahr) auf 150 Euro (100 Euro / 50 Euro). Außerdem wird auch den bedürftigen Schülern eine Lernförderung gewährt, deren Versetzung ungefährdet ist. Schüler, die für den Besuch der nächstgelegenen Schule mit Bus oder Bahn fahren müssen, zahlen keinen Cent dazu. Die Kosten werden übernommen. Dasselbe gilt bei Ausflügen mit der Schule oder Kita.

Der Eigenanteil von einem Euro je Mahlzeit entfällt

Auch der bisherige Eigenanteil von einem Euro je Mahlzeit am Mittag entfällt. Die Stadt trägt somit die vollen Verpflegungskosten am gemeinsamen Mittagessen für Schüler sowie Kinder in Tageseinrichtungen oder Kitas. Für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben werden künftig pauschal 15 Euro monatlich berücksichtigt. Voraussetzung dafür ist allerdings weiterhin die Teilhabe - zum Beispiel mit einer Vereinsmitgliedschaft. Zuvor galten bislang insgesamt zehn Euro monatlich je nach Bedarf.

Die höheren Zahlungen und der Wegfall der Eigenanteile für die betroffenen Familien werden folglich zu steigenden Kosten führen. Mehr Aufwendungen sind bereits zum Haushalt 2020/2021 angemeldet worden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband übte erst vor wenigen Tagen neue Kritik an dem Bildungs- und Teilhabepaket. Es sei zu kompliziert, zu bürokratisch und komplett lebensfern. Auf Bottrop bezogen meint Renate Palberg: „Ich halte es für eine gute Einrichtung. Es hilft den Familien.“

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