Frauenpower

Die Lisbeths aus Bottrop halten seit 30 Jahren fest zusammen

„Die Lisbeths“ halten seit 30 Jahren zusammen. Die Gruppe ist als Kreis junger Frauen in der Gemeinde St. Elisabeth entstanden.

„Die Lisbeths“ halten seit 30 Jahren zusammen. Die Gruppe ist als Kreis junger Frauen in der Gemeinde St. Elisabeth entstanden.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  1989 fanden sich im Kreis junger Frauen Mütter zusammen, die nicht nur über Kinder, Küche und Kirche reden wollten. Das ist daraus geworden.

„Endlich! Neugründung. Kreis junger Frauen“, so stand es vor 30 Jahren auf einem Flugblatt, das rund um St. Elisabeth verteilt wurde. Und: „Wir wollen nicht nur über Kinder und Küche reden.“ Sondern lieber über Kultur und Gesellschaft, begleitet von gemeinsamen Aktivitäten. Das Konzept ging auf. Zum ersten Treffen kamen schon 15 Frauen. Viele blieben über drei Jahrzehnte. Längst sind sie allerdings als „die Lisbeths“ bekannt. Und die halten fest zusammen.

21 Frauen, und alle heißen Lisbeth

Heute zählt die Gruppe 21 Frauen zwischen 56 und 68 Jahren, manche berufstätig, andere schon Rentnerinnen. Die Gründungsidee hatten 1989 Mütter aus der Gemeinde, deren Kinder den Mini-Club besuchten. „Ober-Lisbeth“ Margret Zerres verrät über die ersten monatlichen Treffen u.a. dies: Es wurde über das Frauenzentrum Courage gesprochen, die Müllsortierung thematisiert und eine Feuerzangenbowle genossen. „Das lief nicht so glücklich, das haben wir danach nie wieder gemacht.“

Wenn auch grundsätzlich für alle Konfessionen offen, habe schon immer ein guter Kontakt zur katholischen Gemeinde bestanden. „Wir waren am Anfang immer dem Kindergarten sehr verbunden und haben dort damals schon eine große Veranstaltung zum Thema sexueller Missbrauch gemacht“, erzählt Zerres weiter.

Auch mit humoristischen Einlagen – etwa beim Abschied von Pastor Ligensa oder zum Jubiläum der Kirchengemeinde – fielen die Frauen auf, die sich übrigens 1997 bei einem Besuch in der Wolfsburg umbenannten. Damals sagte ein Geistlicher, dass der Kreis junger Frauen die Fürbitten vortragen solle – aber er sehe gar keine jungen Frauen. . . Solche gemeinsamen Fahrten und das Weihnachtsessen „mit Schnitzel Pommes und Ramsch-Wichteln“ sind zu echten Traditionen für die Lisbeths geworden.

Das Leben läuft auch bei den Lisbeths nicht immer rund

Natürlich ging es bei ihnen nicht immer nur lustig zu. Zwei Frauen aus der Runde sind bereits verstorben, darunter Birgitta Dybowski, die einst den Mini-Club leitete. „Das ist uns sehr nahe gegangen“, sagt Maria Lange-Hegermann. „Wir haben auch viele Trennungen gehabt, das Leben läuft nicht immer rund“, ergänzt Margret Zerres. Auf Unterstützung aus dem Kreis, etwa bei der Wohnungssuche, konnten die Betroffenen immer zählen.

Sich für andere einsetzen, das tun die Lisbeths auf verschiedenen Wegen und in wechselnden Gruppierungen. So haben einzelne von ihnen den Verein „Hope Nursery School Ruanda“ gegründet, der einen Kindergarten unterstützt. Regelmäßig stehen sie dafür auf dem Weihnachtsmarkt. „Die Lisbeths stellen dafür Sachen her“, sagt Waltraud Dahl. Tischläufer, Körnermäuse, Eierlikör – „ohne diese Unterstützung ginge es gar nicht.“ Wenn nötig, seien eben immer alle da.

Bei aller Gemeinsamkeit herrscht doch kein Gruppenzwang

Bleibt die Frage: Wie gelingt es, so viele Frauen über drei Jahrzehnte zusammenzuhalten? Uschi Zehrt antwortet spontan: „Weil wir uns lieben!“ Die anderen Frauen stimmen lachend zu und erheben auf diesen wahren Satz ihr Glas. Margret Zerres sieht auch als Vorteil, dass es keinen Gruppenzwang gibt: „Jeder guckt, wo er sich engagiert. Wir sagen nicht, jetzt müssen alle bei einer bestimmten Sache mitmachen. Das hat über die Zeit getragen.“

Und das wird es, der lustigen und vertrauten Stimmung unter den Frauen nach zu urteilen, auch noch eine ganze Weile tun.

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