Bottroper Figurentheatertage

Die Nibelungen auf des Schwertes Schneide

Spielen sich förmlich die Seele aus dem Leib: Veronika Thieme und Pierre Schäfer mit ihrer Version des Nibelungenliedes „Looking for Brunhild".

Spielen sich förmlich die Seele aus dem Leib: Veronika Thieme und Pierre Schäfer mit ihrer Version des Nibelungenliedes „Looking for Brunhild".

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  „Looking for Brunhild“: Veronika Thieme und Pierre Schäfer überzeugen mit einer rasanten Version der alten Sage bei Bottrops Figurentheatertagen.

Natürlich sind am Ende alle tot nach dem Gemetzel auf Etzels Burg. Der intrigante Hagen, König Gunther, Kriemhild und Siegfried sowieso. Soweit so grausam. So ist das halt bei alten Sagen und auch das Lied der Nibelungen macht da keine Ausnahme. Was das Berliner Spieler-Duo Veronika Thieme und Pierre Schäfer aber aus der Vorlage macht, bewegt sich virtuos - und vor allem höchst unterhaltsam - zwischen altem Wahn und Ehrvorstellung der Vorzeit, Witz und dumpfer Schicksalsmacht. Über die setzt sich lediglich der alte Intrigant Hagen hinweg, als er Siegfried zunächst instrumentalisiert (damit der schwächliche Gunther die feuerumloderte mit übermenschlichen Kräften versehene Brunhilde niederringen kann) und später tötet. Wie gesagt, das Ende ist für alle tödlich. Nur bei Brunhild ist alles etwas anders...

Dabei beginnt die erste Abendaufführung der Bottroper Figurentheatertage fast wissenschaftlich. Aber keine Bange: Der schwäbelnde Gelehrte Jacob Obereit erzählt wie ein Spielführer von seiner Wiederentdeckung der Hohenemser Nibelungenhandschrift auf dem gleichnamigen Grafenschloss im 18. Jahrhundert. Das wars dann aber auch schon mit der Wissenschaft und das Kammerspiel nimmt leichtfüßig Fahrt auf. Die kleinen Figuren in ihren historisierenden Kostümen tauchen wie aus ferner Vergangenheit auf.

Parforce-Ritt durch die Heldensage

Doch dann will Obereit noch eine „Zeitzeugin“ zum alten Geschehen befragen. Da ruckelt schon ein echter Rollstuhl mit einer Großfigur herein - eine Nachfahrin von Brunhild im Altenheim. Oder ist es Brunhild selbst? Schäfers Stimme dröhnt dafür jedenfalls wie ein Damenbass. Sonnenbrille, Nerzstola und Gestik erinnern etwas an die alte Zarah Leander, das Gesicht eher an „E.T.“, den Außerirdischen der 80er Jahre. Wie dem auch sei: Im sparsamen Bühnenbild, beherrscht von einem riesigen beweglichen Schwert, das sinnbildlich über dem Sagenvolk schwebt, meistert das Spieler-Duo einen Parforce-Ritt durch die Heldensage. Ein wenig Literaturstunde im Taschenbuchformat, der Slapstick und Spielfreude alles Schwere nehmen. Begeisterter Applaus.

Mehr Infos gibt es auf: www.bottrop.de

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