Prozess

Für Fototausch sechs Monate alte Nichte missbraucht

Vor dem Landgericht Essen muss sich ein 25-Jähriger wegen Missbrauchs verantworten.

Vor dem Landgericht Essen muss sich ein 25-Jähriger wegen Missbrauchs verantworten.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/Bottrop.  Wenn die Mutter des Kindes nicht da war, missbrauchte der Bottroper seine Nichte und bot Fotos im Internet an. Jetzt droht Sicherungsverwahrung.

25 Jahre alt ist der Bottroper und nicht vorbestraft. Dennoch droht ihm jetzt die Sicherungsverwahrung. Denn er soll seine anfangs erst sechs Monate alte Nichte mehrfach sexuell missbraucht haben. Seit Montag muss er sich deshalb vor der V. Jugendschutzkammer am Landgericht Essen verantworten.

Drei Fälle zwischen Juni 2017 und Februar 2018 listet die Anklage auf. Aus ihrer Sicht hat er das Kleinkind in der Absicht missbraucht, um es dabei zu fotografieren und die Bilder ins Internet zu stellen.Zum Teil hat er die Taten gestanden.

Bundeskriminalamt ermittelte den Bottroper

Auf seine Spur gekommen war das Bundeskriminalamt. Es hatte im Juli 2017 die Mitteilung erhalten, dass im Internet neue Kinderpornos hochgeladen wurden. Die Behörde ermittelte und kam auf den Bottroper.

Eine Hausdurchsuchung im März 2018 brachte den Ermittlern die entsprechenden Beweise. Sie entdeckten mehrere Speichermedien mit Pornoaufnahmen von Kindern. Da war ihnen klar, dass er für die Bilder und Videos dreimal seine kleine Nichte sexuell missbraucht hatte. Einmal muss er dem Kind auch einen Zettel mit der Aufschrift „Für Guido“ auf den Rücken gelegt haben.

Kinderpornos für illegale Chats

In seinen illegalen Chats, so erklärt der Angeklagte am Montag, habe er von drei Männern permanent Bilder bekommen. Persönlich habe er die nicht gekannt. Da habe er auch selbst Fotos schicken müssen.

Richter Volker Uhlenbrock forscht nach dem Motiv. Warum der Angeklagte sich am Fotoaustausch beteiligt habe? „Ich hatte außerhalb der Familie keine sozialen Kontakte“, antwortet er. Die Kommunikation mit den anderen „war für mich schon eine Errungenschaft“.

Keine Antwort auf das Motiv

Richter Uhlenbrock sieht das nicht ein: „Man kann doch auch in einen Fußballverein gehen oder in einen Zeichenkurs“, sagt er. Oder man könne legale Fotos im Internet mit anderen teilen. Aber der Angeklgte weiß darauf keine rechte Antwort: „Kann ich nicht sagen, warum ich das getan habe.“ Später sagt er, er habe das mal ausprobieren und „mal wieder körperliche Nähe spüren“ wollen.

Er ist zwar nicht vorbestraft, stand aber bereits wegen eines Sexualdeliktes vor Gericht. Das war 2011. Es ging um den sexuellen Missbrauch seine jüngeren Bruders. Das Bottroper Jugendschöffengericht hatte ihn damals verwarnt und lediglich zu einer Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung angehalten. Jetzt droht ihm mit der Sicherungsverwahrung eine härtere Maßnahme.

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