Neonazis

Hakenkreuze an Büros von SPD und Linke in Bottrop geschmiert

In der Nacht zum Sonntag, gab es einen Anschlag auf das Parteibüro der SPD in Bottrop. Unbekannte haben rechtsextreme Parolen und Drohungen an Fenster und Wände des Ernst-Wilczok-Hauses an der Osterfelder Straße in Bottrop gesprüht.

In der Nacht zum Sonntag, gab es einen Anschlag auf das Parteibüro der SPD in Bottrop. Unbekannte haben rechtsextreme Parolen und Drohungen an Fenster und Wände des Ernst-Wilczok-Hauses an der Osterfelder Straße in Bottrop gesprüht.

Foto: SPD Bottrop

Bottrop.   Täter schrieben in der Nacht auch Beschimpfungen an Gebäude. SPD fordert von der Polizei mehr Schutz. Die Täter drohen: Wir kriegen Euch alle.

Mit Beschimpfungen, Drohungen und Hakenkreuzen wurde die SPD-Zentrale im Ernst-Wilczok-Haus an der Osterfelder Straße in der Nacht ringsum beschmiert. Auch das Parteibüro der Bottroper Linkspartei an der Brauerstraße war Ziel der Sprayer, ebenso ein großes Wahlplakat der Grünen zur Europawahl.

„Ich verurteile diese Tat aufs Schärfste“, stellt Geschäftsführer Christian Meyer-Kahrweg fest. Schon mehrfach sei die Parteizentrale der Bottroper SPD in den vergangenen Monaten mit Graffitis beschmiert worden, zuletzt wurde eine Scheibe eingeschlagen. Bislang schienen die Taten nicht politisch motiviert zu sein, „diesmal ist der rechtsextreme Hintergrund klar“, so Meyer-Kahrweg und fordert die Polizei auf, ihre Präsenz um die Parteizentrale zu verstärken. Der Satz ‘Wir kriegen euch alle’ zeige eine massive Bedrohung. Fenster und Wände sollen möglichst schnell gereinigt werden. Meyer-Kahrweg: „Wahrscheinlich passiert das heute noch.“

Rechtsextreme Symbole auf die Fassaden gesprüht

Außer Haken-Kreuze wurden an die Fenster und Wände der SPD-Zentrale an der Osterfelder Straße quer über die Fensterfront sich ein großer „Lügner“-Schriftzug gesprayt. Hinzu kamen an anderen Wänden weitere eindeutig rechtsextreme Zeichen wie etwa die Zahl 88. Sie gilt als Synonym für den Nazi-Gruß „Heil Hitler“, die doppelte Ziffer acht verweist auf das „H“, den achten Buchstaben im Alphabet.

Auch bei der Linkspartei wurden Fassade und Fenster mit verfassungsfeindlichen Symbolen und Parolen besprüht. „Unser Büro wurde erheblich mit Hakenkreuzen und anderen Nazi-Symbolen beschmiert. Das ist nach dem Schusswaffenangriff auf unsere Räume 2017 der zweite große Anschlag“, sagte Niels Holger Schmidt, Ratsherr der Bottroper Linkspartei zur WAZ.

Vor zwei Jahren auf Linke-Büro geschossen

Der Ratsherr spielte damit auf den Vorfall im Frühjahr 2017 an: Vor zwei Jahren war auf das Parteibüro der Bottroper Linken geschossen worden. Im Rollladen und in der Fensterscheibe waren Einschusslöcher. Verletzt wurde niemand: Zum Zeitpunkt der Attacke war niemand im Büro. Polizisten fanden das Projektil aus einer Pistole.

„Die Tat und die Spuren deuten auf Neo-Nazis als Täter hin“, sagte Schmidt zur erneuten Attacke. „Die politische Verantwortung für diese Enthemmung und Eskalation tragen aber nicht zuletzt auch rechte Gruppen wie die AfD, die durch permanente Hetze das Klima auch in unserer Stadt vergiften“, meint der Ratsherr. Er kündigte an, dass die Linken Strafanzeige erstatten werden. „Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden weiterhin den Rechtsradikalen aller Schattierungen entschieden entgegen treten“, sagte Schmidt.

Staatsschutz ist in die Ermittlungen einbezogen

Bei der SPD ist man nun vorsichtiger geworden. Am Nachmittag ist das Büro abgeschlossen, Besucher müssen klingeln und werden dann eingelassen. Die Drohung „Wir kriegen Euch alle“ – ebenfalls an eine Wand gesprayt, hinterlasse doch Spuren, sagt eine nachdenkliche Vorsitzende Sonja Voßbeck gegenüber der WAZ.

Nach Angaben der Polizei entstand durch die Graffiti insgesamt ein Sachschaden von etwa 3000 Euro. Der Staatsschutz ist in die Ermittlungen einbezogen. Hinweise nimmt das zuständige Fachkommissariat unter Tel: 0800-2361-111 entgegen.

Auch Plakate zur Europawahl verschmiert

Neben den Parteibüros wurden in der Nacht auch mehrere großformatige Plakate für die Europawahl von unbekannten Tätern verschmiert. Darunter auch mindestens ein Plakat der SPD. Die Graffiti ähneln hier stark den Parolen, die auch auf die Parteizentrale gesprüht wurden. So ist auch auf dem Plakat ein großer „Stasi“-Schriftzug zu erkennen, ähnlich dem am Parteibüro.

Neben der SPD sind aber auch die Grünen von dieser Attacke betroffen. Auch eines ihrer Großplakate an der Hans-Böckler-Straße wurde derart verunstaltet. So haben die Täter hier die Parole, „Holen wir uns unser Land zurück“ auf die Plakate gesprüht. Andrea Swoboda Grünen-Fraktionschefin im Rat zeigte sich entsetzt, dass die demokratische Auseinandersetzung auf diese Art geführt werde und dass Rechte nun derart vorgehen. Sie appelliert, den Respekt vor fremdem Eigentum zu bewahren, auch wenn man inhaltlich nicht übereinstimme. Das gelte für alle Seiten.

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