Kultur

Heimatverein eröffnet Ikonenausstellung in Kirchhellen

Ikonen- und Ausstellungsmacher: von links. Ursula Hatkämper, Peter Pawliczek, Monika Urban, Ferdinand Schmitz, Ingrid Nienhaus und Willi Stein präsentieren die neue Ikonen Ausstellung  im Heimathaus.

Ikonen- und Ausstellungsmacher: von links. Ursula Hatkämper, Peter Pawliczek, Monika Urban, Ferdinand Schmitz, Ingrid Nienhaus und Willi Stein präsentieren die neue Ikonen Ausstellung im Heimathaus.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Kirchhellen.  Die Krippenausstellung im Heimathaus hat den Anstoß gegeben. Am Sonntag eröffnet der Heimatverein dort eine Ausstellung mit Ikonen.

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Ikonenausstellungen sind vor Weihnachten keine Seltenheit. Diese dagegen ist einzigartig. Am Sonntag eröffnet der Heimatverein im Heimathaus seine neue Ausstellung mit Ikonen, die in Bottrop entstanden sind. „Jede Anfahrt zu einem Besuch im Heimathaus wird sich lohnen“, verspricht Peter Pawliczek, Vorsitzender des Vereins für Orts- und Heimatkunde.

Wie die Ausstellung entstand? Das ist eine viel zu schöne Geschichte, um sie nicht zu erzählen. Unabhängig voneinander haben die drei Ikonenmalerinnen Ursula Hatkämper, Ingrid Nienhaus und Monika Urban 2018 die Krippenausstellung im Heimathaus besucht. Und alle drei gingen mit demselben Gedanken: „Diese Räume wären ideal für eine Ikonenausstellung.“ Der erfahrene Ausstellungsmacher Willi Stein hat den Ikonen im Heimathaus einen passenden Rahmen geschaffen und jede Menge Hintergrundmaterial zur Geschichte der Ikonenmalerei zusammen getragen.

Teilnehmer machen weite Wege

Monika Urban hat vor 30 Jahren Ikonenmalerei gelernt bei Angela Heuser im russisch-orthodoxen Kirchenzentrum in Düsseldorf. Inzwischen gibt sie selbst Kurse in dieser Kunst. Sehr nachgefragte Kurse: „Unsere Teilnehmer kommen oft von weit her, weil wir offensichtlich eine der wenigen Anbieter im Bistum Münster sind.“

Christliche Symbole, Szenen aus dem Leben Christi und Heilige der Frühkirche waren Motive der erstem Ikonen. Viel weiß die Wissenschaft nicht über die ersten Ikonen, weil es im 8. Jahrhundert, womöglich unter dem Einfluss des aufkommenden Islam, Riesenkrach gab um die Frage, ob die Heiligenbilder auch heilige Bilder seien. Im „byzantinischen Bilderstreit“ galten drei oströmische Kaiser seit Leo III. als Bilderstürmer; die heutige Wissenschaft zeichnet allerdings ein differenziertes Bild.

Kompromiss im Bilderstreit

Kaiserin Irene berief 787 in Nicaea das Bilderkonzil ein, das einen Kompromiss ersann: Verehren dürfe der Gläubige Ikonen, anbeten aber nicht: „Wer das Bild verehrt, verehrt in ihm die Person des Abgebildeten.“ Trotz dieser Kompromissformel endete der Bilderstreit erst drei Kaisergenerationen später.

In der russisch-orthodoxen Kirche haben sich so oder so feste Traditionen erhalten über die Symbolik und auch die Herstellung von Ikonen. Dieser Prozess ist dokumentiert im Flur des Heimathauses: das Fundament aus Holz, Leim und Kreide, die Vergoldung (mit 23,5 Karat), das Auftragen der Farben vom Dunkel zum Licht, die Gesichter und die Beschriftung. Monika Urban gibt ein Beispiel für die Symbolik der Farben: „Bei jeder Christusdarstellung muss Rot dabei sein für den Tod am Kreuz sowie Grün oder Blau, um an sein Leben auf Erden zu erinnern.“

Malerei und Meditation

Jeder Phase im Herstellungsprozess ist ein Meditationsthema zugeordnet. Für Ingrid Nienhaus ist die Ikonenmalerei genau das: „für mich ist das Meditation.“ Für Monika Urban ist das Malen wie vor 30 Jahren „Gebet“. Und für Ursula Hatkämper ist es seit 13 Jahren eine hervorragende Entspannungstechnik: „Ich nehme mir Zeit für mich und meine Arbeit."

Viel Zeit, fügt Monika Urban hinzu. „Beim Ikonenmalen geht nichts schnell.“ Denn wenn auch die formalen Vorgaben streng sind, ist der Entstehungsprozess eben kein „Malen nach Zahlen“. Die Kreativität steckt im Detail. So hat Ursula Hatkämper ihr Franziskuskreuz mit 27 Gesichtern bebildert. Monika Urban und Ingrid Nienhaus vergleichen die Ikonenmalerei mit der Kunst des Klavierspiels: „Man muss lange üben, bis man sich damit in die Öffentlichkeit wagen kann.“

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