Kultur

Klangturm-Konzert verdichtet Geräusche aus der Grube

Eröffnung der Klang- und Lichtinstallation der Künstlerin Denise Richter im Malakoffturm an der Knappenstraße. Die Arbeit mit dem Titel "Revier" bringt in einer Klangcollage Geräusche aus dem Bergwerksstollen zu Gehör.

Eröffnung der Klang- und Lichtinstallation der Künstlerin Denise Richter im Malakoffturm an der Knappenstraße. Die Arbeit mit dem Titel "Revier" bringt in einer Klangcollage Geräusche aus dem Bergwerksstollen zu Gehör.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Das Zirpen von Grillen unter Tage hat Denise Richter zu ihrer Klang- und Lichtinstallation inspiriert. Sie ist jetzt im Malakoffurm zu erleben.

Bis zum 3. November ist die Klang- und Lichtinstallation „Revier“ der Künstlerin Denise Ritter im Industriedenkmal Malakoffturm als Teil der Reihe „Klangturm Malakoff“ zu sehen. Die Eröffnung fand nicht im Ausstellungsraum selbst, sondern in einem Schulbus auf dem Innengelände statt.

Beate Schmalbrock, Leiterin des Klangkunst-Ensembles, erklärte das in ihrer Begrüßung so: „In dem Moment, wo man den Turm betritt, ist man mitten im Kunstwerk, ist man in der Installation, da kann man keine Reden halten.“ Im Bus, der bis zum letzten Platz besetzt war, fand auch das musikalische Rahmenprogramm statt, das von Beate Schmalbrock (Flöte) und Marko Kassl (Akkordeon) virtuos bestritten wurde.

Trägerin des deutschen Klangkunstpreises

Bürgermeisterin und Kulturausschussvorsitzende Monika Budke dankte den Sponsoren der Ele und der Egon Bremer Stiftung, deren finanzielle Unterstützung die Klangturm-Reihe überhaupt erst möglich macht. Anschließend ergriff Reinhard Buskies, Kunsthistoriker und Kurator, das Wort. Er führte in das Werk der Künstlerin und Preisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises ein, die die Installation „Revier“ mit elektroakustischen Kompositionen aus Audio-Aufnahmen realer Klangproben aufbaute. Buskies lieferte eine gründliche Analyse, die dem Publikum das Werk näherbringen sollte.

Da war von der Klangdramaturgie skulpturaler Objekte die Rede, von der Einbindung der Installation in das räumlich herausfordernde, dominante Industriedenkmal, vom Verzicht auf Klischees und Romantisierungen. Dabei ist die Installation nicht ein in sich geschlossenes Stück mit definiertem Anfang und Ende, sondern sie ist als Endlosschleife konzipiert, die ihren Verlauf über die an- und abschwellende Lautstärke und die Klangvariationen findet.

Staunen über Grillen unter Tage

Und was hat das nun mit dem Thema Bergbau und Grubenleben zu tun? Bei einer Grubenfahrt hörte Denise Ritter in einer Tiefe von 1300 Metern neben den bergwerktypischen Geräuschen überraschend das Zirpen von Grillen. Die Tiere waren mit dem Grubenholz in die Stollen gelangt und sie erfuhr, dass dies unter Tage durchaus nichts Ungewöhnliches sei. So entstand die Idee für die Klang- und Lichtinstallation „Revier“. Sie verdichtet das Zirpen der Grillen zu Klangverläufen, deren Facetten von rhythmisch bis aggressiv reichen.

Funke wollte nicht recht überspringen

Klingt alles kompliziert? Ist es auch. Und bei den meisten Besuchern wollte der Funke nicht so recht überspringen. Das Werk ist stark intellektuell geprägt und erschließt sich ohne ausführliche Erläuterungen nicht. Oder wie Monika Budke feststellte: „Jeder hat seinen eigenen Geschmack und seine eigenen Vorlieben. Üblicherweise erschließt sich das umfassende Verständnis der möglichen Bedeutungen von Werken und Arbeiten oft erst durch eingehende Beschäftigung mit dem künstlerischen Gegenstand.“ Und sie plädiert dafür, „dass Ausstellungen, Konzerte oder Installationen so betreut werden, dass die Besucher einen möglichst einfachen Zugang finden.“

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