Prozess

Mordversuch: Frau sticht Ehemann Küchenmesser in den Rücken

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Nach 34 Ehejahren gab es Streit um ein Computerspiel. Jetzt muss sich eine Kirchhellenerin wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

Seit 34 Jahren sind sie verheiratet, zwei erwachsene Kinder haben sie. Nach außen ein ganz normales Paar, das in Kirchhellen lebt. Doch seit Mittwoch muss sich Heike W. vor dem Essener Schwurgericht verantworten. Versuchter Mord ist angeklagt. Die 55-Jährige soll nach einem Streit ihrem 62 Jahre alten Ehemann ein Küchenmesser zweimal in den Rücken gestochen haben.

Nachtragend ist der Rentner, der laut Anklage lebensgefährlich verletzt worden war, offenbar nicht. Als Richter Jörg Schmitt ihn fragt, ob er seine Ehefrau zurück haben wolle, bejaht er dies nach kurzem Überlegen. Dann schränkt er lautstark ein: "Aber nur ohne Laptop und ohne Weinsupp, nur sauffrei."

Messerattacke: Alkohol und Computerspiele als Auslöser

Alkohol und Computerspiele scheinen der Auslöser für die laut Anklage heimtückische Attacke auf den Mann zu sein. Am Abend des 1. März 2019 sei die Angeklagte von der Arbeit gekommen. Sie selbst erzählt, dass sie anderthalb Liter Rotwein bei Aldi gekauft und diesen abends auch getrunken habe.

Ihr Mann und sie hätten dann an getrennten Computern im Internet bei "Knuddels.de" Poker gespielt. Dabei seien sie von anderen Teilnehmern im Chat schwer beleidigt worden, erzählen Ehemann wie Ehefrau. Darüber gab es Streit unter den Eheleuten.

Küchenmesser mit 25 Zentimeter langer Klinge

Gegen 0.40 Uhr habe der 62-Jährige am Esstisch gesessen. In seinem Rücken habe sie ein Küchenmesser mit 25 Zentimeter langer Klinge geholt. Unbemerkt sei seine Frau zu ihm gegangen und habe ihm das Messer zweimal in den Rücken gerammt. Lebensgefährlich sei er verletzt worden. Immerhin habe er ihr das Messer noch wegnehmen und den Rettungsdienst alarmieren können.

Bei der Polizei soll sie damals gesagt haben, dass sie ihren Mann hinterrücks töten wollte. Im Prozess weicht sie zunächst aus. Sie habe sich extra vorgenommen, nicht so feste zu stechen und auch die Halsschlagader nicht zu treffen. Das nimmt sie wieder zurück, als das Gericht zweifelnd nachfragt. Ihr Mann stellt die Stiche nachher allerdings auch eher als Bagatelle dar: "Operiert wurde ich nicht, nur genäht."

Katzenkot in den Mund gestopft

Die Ehefrau erzählt den Richtern, dass sie in der Ehe oft geschlagen worden sei. Auch Katzenkot habe er ihr schon mal in den Mund gestopft. Zwischenzeitlich habe sie auch mal eine eigene Wohnung gehabt, sie sei aber immer wieder zu ihm zurückgekehrt.

Auf die Polizisten, die sie nach der Tat mit ins Gewahrsam nahmen, machte sie einen eher ungewöhnlichen Eindruck. Gelöst habe sie gewirkt, schrieb eine Beamtin auf. Sie soll auch deutsche Schlager lautstark angestimmt haben.

Angeklagte bedauerte das Überleben des Mannes

In den Vermerken der Polizei heißt es zudem, Heike W. habe bedauert, dass sie nicht tiefer zugestochen habe. Ansonsten habe sie alles richtig gemacht. Schade sei nur, dass er nicht tot sei.

Wie bei spielsüchtigen Teenagern hört es sich an, wenn der Ehemann später über das Spiel bei Knuddles.de als eigentlichen Auslöser erzählt. Offenbar gibt es dort einen virtuellen Raum, "in dem unsere Feinde sitzen, die uns immer beleidigen". Er wirft ihr vor, dass sie sich in diesem Raum beleidigen ließ. Die Konsequenz: "Und jetzt sitzen wir hier. Das war der größte Fehler, sich in dem Raum anzumelden." Vier weitere Tage hat das Schwurgericht angesetzt.

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