Kleinkunstpreis

Scharfe Pointen und der Pott-Song rocken die Frechdax-Show

In der Alten Börse in Bottrop ist der nunmehr 7. Frechdax verliehen worden.

In der Alten Börse in Bottrop ist der nunmehr 7. Frechdax verliehen worden.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Bottrop.  In diesem Jahr freuen sich fünf Künstler über den Bottroper Kleinkunst-Preis. In der Show zeigen sie, warum sie die Auszeichnung verdient haben.

Jetzt war es endlich wieder so weit: Frechdax-Alarm in der Alten Börse. Jedes Jahr werden hier drei Künstler mit dem begehrten Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Dieses Jahr – es ist das verflixte siebte – läuft alles ein bisschen anders. Insgesamt fünf Künstler können sich über die Trophäe freuen.

Durch den Abend führt Benjamin Eisenberg, Bottroper Comedian, Moderator und Frechdax Gewinner 2017. Augenzwinkernd erklärt er das Motto: „Der Frechdax ist kein Wettbewerb, sondern Vetternwirtschaft - korrupt, aber transparent“. Wichtigstes Nominierungskriterium: Die Künstler müssen einen Bezug zu Bottrop haben – frühere Auftritte bei der Comedy im Saal sind da ein guter Anfang.

Matthias Jung eröffnet die Frechdax-Show

Das trifft auf Matthias Jung zu, der sich als erster auf der Bühne präsentiert. Im ersten Leben Diplom-Pädagoge, rät er dem staunenden Publikum: „Chill mal! Am Ende der Geduld ist noch viel Pubertät übrig.“ Jung spart nicht mit lebenspraktischen Tipps vor allem für die Eltern. Die erfahren, dass die Begrüßung „Ey du Knecht“ kein Hinweis darauf ist, dass ihr Kind sich für mittelalterliches Brauchtum interessiert. Seine Beschreibung des klassischen Teenie-Zimmers: Wäsche, Wäsche, Geschirr, Leergut, noch mehr Leergut. . .“ erkennen viele eindeutig wieder.

Ingo Börchers liefert messerscharfe Pointen

Nach der Pause stürmt dann Ingo Börchers die Bühne. Mit seinen gut recherchierten Fakten und messerscharfen Pointen behauptet der Bielefelder längst seinen Platz in der deutschen Satirelandschaft. „Wenn Suchen wichtiger ist als Finden, ist die Antwort egal“, lautete das Fazit seines letzten Programms: „Die Welt ist eine Google“.

Inzwischen aber wendet er sich neuen Schwerpunkten zu. „Immer -Ich!“ stöhnt er und betritt energisch die Welt der Identitätskrisen. Da kommen schon mal Fragen auf: „Hat das Kohlenstoffatom Bindungsängste?“ Oder „Ist der Thermomix Teil der deutschen Leitkultur?“ Börchers feuert so treffsicher und rasant seine Pointen ab, da kommt das Publikum vor Begeisterung kaum mit Klatschen nach.

Nito Torres hat Many Miketta und Roland Miosga an seiner Seite

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Bottrop Und dann erobern Nito Torres, Many Miketta und Roland Miosga die Bühne. Miketta und Miosga, die sich seit langem mit der Band „The Pott Boys“ um die hiesige Comedyszene verdient machen, stehen dem kürzlich zugezogenen Neu-Bottroper Torres zur Seite. Torres ist Mitglied im Stamm-Ensemble im Oberhausener Ebertbad, tourt aber auch als Solist durch Deutschland.

Gleich zu Beginn rocken die drei den Saal mit parodistischen Gitarren-Songs, und anschließend erleben wir die Weltpremiere vom „Pott-Song“. Botschaft: Der Himmel hier, der kann was! Dabei ist die musikalische Ausführung auf gewohnt hohem Niveau, ob am Klavier, an Bass und Gitarre oder am wahrscheinlich kleinsten Xylophon der Welt.

Am Ende stehen sie dann alle gemeinsam auf der Bühne: die fünf Preisträger, der Moderator und natürlich Roberto Giavarra (Konjungtur e.V.) und Jürgen Tebroke (Vereinte Volksbank eG), die unter dem begeisterten Applaus des Publikums die Frechdaxe überreichen.

Eins ist sicher: Nach diesem wunderbar frechen Abend hat keiner mehr den Blues, sondern allen lacht das Herz.

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