Krebsrisiko

Umweltgift im Gemüse: Bottroper sehen Gefahr für Schulgarten

Hochbeete gibt es an der Albert-Schweitzer-Grundschule schon eine ganze Zeit lang. Vor drei Jahren gossen etwa Celina und Beysun die Salatpflanzen darin.

Hochbeete gibt es an der Albert-Schweitzer-Grundschule schon eine ganze Zeit lang. Vor drei Jahren gossen etwa Celina und Beysun die Salatpflanzen darin.

Foto: Oliver Mengedoth

Bottrop.   Pläne der Stadt sehen Gemüsebeete an einer Grundschule vor. Wegen der Schadstoffe im Bottroper Süden reagieren Parteivertreter sehr besorgt.

Auf das Verzehrverbot für das mit krebserregenden Schadstoffen belastete Gemüse in Gärten im Bottroper Süden reagieren auch Parteivertreter sehr sensibel. Die Pläne für einen neuen Gemüsegarten auf dem Gelände der Albert-Schweitzer-Grundschule an der Prosperstraße jedenfalls lösten bei SPD-Vertretern besorgtes Kopfschütteln aus. „Das ist aufgrund der aktuellen Lage etwas zwiespältig“, sagte SPD-Sprecher Franz Ochmann.

Er riet dazu, dieses Vorhaben zumindest so lange zurückzustellen, bis es Klarheit über eine mögliche Gesundheitsbelastung durch Schadstoffe in weiteren Ortsteilen gebe. „Das wäre auch mir lieber, zumal da ja Kinder spielen“, teilte Bezirksbürgermeister Helmut Kucharski die Bedenken. Es mache außerdem keinen Sinn, viel Geld auszugeben, wenn der Garten wegen einer womöglich höheren Schadstoffbelastung dann doch nicht verwirklicht werden könne.

Es ist nicht so, dass ganze Ortsteile vergiftet wären

Kurz zuvor hatte Umweltdezernent Klaus Müller in der Sitzung der Bezirksvertretung Süd bekräftigt, dass das Landesumweltamt wegen der hohen Belastung entlang der Johannes- und an der Welheimer Straße über den engeren Umkreis der Kokerei Prosper hinaus weitere Untersuchungen vornehmen werde. „Es ist aber nicht so, dass ganze Stadtteile vergiftet wären“, beruhigte Müller.

Er unterstrich, dass die Umweltbehörden die Kokerei als Verursacherin ansehen. „Benzo(a)pyren ist ein typischer Schadstoff, der aus Kokereien kommt. Es ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Schadstoffe von da kommen“, sagte Müller. Allerdings liege die Grundschule an der Prosperstraße weiter entfernt, so dass dort eher keine hohe Belastung zu erwarten sei, bemühte sich Stefanie Hugot die Bedenken der Bezirksvertreter zu zerstreuen.

Grundschule soll grünes Klassenzimmer bekommen

Der neue Gemüsegarten sei Teil eines Projekts, mit dem der Schulhof der Albert-Schweitzer-Schule ökologisch verbessert werden soll. Mehr als 400.000 Euro samt beträchtlicher EU-Zuschüsse hat die Stadt dafür veranschlagt, machte die Leiterin der Innovation-City-Koordinierungsstelle klar. Ein grünes Klassenzimmer soll auf dem Schulgelände durch eine treppenförmige Böschung entstehen.

Schon jetzt verfüge die Grundschule über einen Hochbeetgarten. Dieser soll zu dem Gemüsegarten umgewandelt werden, der dann für Schüler und Bürger als Lehrgarten dienen soll. Vor 2021 werde das Vorhaben aber nicht verwirklicht. „Wir können also reagieren auf die Frage: Kann da tatsächlich ein Gemüsegarten hin oder muss es nicht besser eine Blumenwiese sein“, beruhigte die Planerin.

Parteivertreter bereitet Krebsrisiko Kopfzerbrechen

Die kritische Lage, in der sich die Anwohner im Bottroper Süden und die Pächter im Kleingärtnerverein Johannestal befinden, bereitet den Parteivertretern Kopfzerbrechen. „Ich bin der Meinung, dass das Krebsrisiko nicht zu verleugnen ist“, erklärte etwa SPD-Sprecher Franz Ochmann.

DKP-Vertreterin Birgit Lüdtke-Jordan forderte, die Bürger im Süden der Stadt darüber aufzuklären, welche Krankheiten durch einen Verzehr des schadstoffhaltigen Gemüses entstehen können. „Haben die Bürger, die ihr Gemüse jetzt auf den Müll werfen müssen, ein Recht auf Entschädigung?“, fragte CDU-Vertreter Helmut Jurgasz. Darauf hatte Umweltdezernent Müller keine Antwort.

Stadt lädt Bürger bald zu zwei Versammlungen ein

„Wir werden weiterhin intensiv informieren“, sagte er aber sowohl den Parteivertretern als auch den Bürgern zu. Zwei Bürgerversammlungen werde es im Juni geben. Die Stadt lasse auch Informationsblätter in Deutsch, Türkisch und Arabisch an Haushalte verteilen.

Die Parteivertreter begrüßen, dass weitere Untersuchungen über das überprüfte Gebiet hinaus vorgesehen sind. So will etwa Grünen-Vertreterin Leonie Sieger Gewissheit darüber, dass die Schadstoffbelastung woanders niedriger ist. Sie fragte: „Wie sicher ist man sich da? Können die Leute aufatmen, dass sie nicht betroffen sind?“

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