Berufung angekündigt

Haftstrafe für Stalker, der Frau unerbittlich nachstellte

Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel.

Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel.

Foto: Tobias Weckenbrock

Castrop-Rauxel.  Ein 45-jähriger Stalker ist vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sein Anwalt legt Berufung ein.

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Ein Leben in ständiger Furcht. Jeder Radfahrer jagte der jungen Frau einen Schrecken ein. War das doch das bevorzugte Fahrzeug, mit dem ihr der 45-Jährige nachstellte. Tauchte wie aus dem Nichts auf – an der Arbeitsstätte, vor dem Wohnhaus, beim Einkauf, nicht nur in der Europastadt, sondern bis in den Ruhrpark war er ihr auf den Fersen, wie auch auf großen Stadtfesten in der Altstadt. Am Montag stand der Stalker vor Gericht – und das nicht zum ersten Mal.

Die Nachstellungen und Bedrohungen hatten schon im vergangenen Jahr zu einem Verfahren geführt, doch es war zu keinem Urteil gekommen. Deshalb wurde der Fall am Dienstag neu aufgerollt, zugleich kamen weitere Anklagepunkte hinzu.

Angeklagte schwieg zu Vorwürfen

Zahlreiche Zeugen: Mutter, Freund, Arbeitgeber, Kolleginnen Eine große Zahl an Zeugen wurde gehört, darunter die Mutter, der Freund, die Arbeitgeber des Stalkingopfers sowie einige Kolleginnen. Alle trugen dazu bei, ein Bild von den Vorfällen zu bekommen, der Angeklagte selbst sagte dagegen kein einziges Wort. Er ließ seinen Anwalt sprechen. Und der hatte stets viele Nachfragen, nachdem der Richter seine Anhörung abgeschlossen hatte.

Ein kurzer Abriss: Der Angeklagte hatte die junge Frau an ihrem Arbeitsplatz, einer großen Praxis, gesehen. Es entstand ein lockerer Kontakt. Ein paar SMS und Telefonate, mehr nicht. Kein einziges Treffen zu zweit. Als dann die Frau im Herbst 2015 ihren Freund kennenlernte, stellte sie auch den losen Kontakt ein – und das wurde ihr zum Verhängnis.

„Ich werfe eine Handgranate ins Fenster“

Schlimme Drohungen wie „Ich schieß alle nieder“ oder „Ich werfe eine Handgranate ins Fenster“ sind nur zwei Beispiele. Dazu wurden dem Angeklagten Sachbeschädigungen wie zerkratzter Lack und platte Autoreifen angelastet.

Dass alles noch viel schlimmer hätte kommen können, zeigte die Verlesung eines Urteils von 2010 vom Dortmunder Schöffengericht. Auch da hatte der Angeklagte eine Frau unerbittlich verfolgt, sie sogar körperlich schwer misshandelt.

Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe

Diese einschlägige Vorstrafe war Anlass für den Staatsanwalt, eine 18-monatige Haftstrafe ohne Bewährung zu fordern. „Er ist der Zeugin hinterher gehechelt, aus Wut über die verschmähte Liebe“, fasste er zusammen. Er habe die gerichtlich verfügten Kontaktverbote ignoriert. Für die Frau bedeutete es das Ende der Unbeschwertheit. Selbst ihren Wohnort wechselte sie.

Der Nervenarzt, der über den Zustand des Angeklagten urteilen sollte, konnte und wollte kein Gutachten abgeben, weil eine zweite Sitzung mit dem 45-Jährigen nicht zustande gekommen war. Er sagte aber, keine Schuldunfähigkeit erkannt zu haben.

Der Richter schloss sich mit dem Urteil den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Die Verteidigung dagegen forderte Freispruch. Sie wird nun in Berufung gehen. So wird der Fall am Landgericht in Dortmund neu aufgerollt.

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