Kultur

Bassistin Ida Nielsen begeisterte beim Konzert in Dinslaken

„We came 2 get funky“ heißt einer ihrer Songs: Ida Nielsen und ihre Funkbots Mika Vandborg (l.) und Kuku Agami versetzten das Jazz-Publikum in der Werkhalle des Walzwerks Dinslaken in Party-Laune.

„We came 2 get funky“ heißt einer ihrer Songs: Ida Nielsen und ihre Funkbots Mika Vandborg (l.) und Kuku Agami versetzten das Jazz-Publikum in der Werkhalle des Walzwerks Dinslaken in Party-Laune.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Im ersten Sonderkonzert der Jazz Initiative Dinslaken demonstrierte Bassistin Ida Nielsen ihre Qualitäten. Sechs Jahre spielte sie für Prince.

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Funk und Rap im unbestuhlten Club: Das gab’s bei der Jazz Initiative Dinslaken in den vergangenen 20 Jahren nicht. Aber die Initiative ist experimentell und offen wie ihr musikalisches Genre. Und zudem bot sich für das Sonderkonzert am Freitag – einmal mehr – die Chance auf ein echtes musikalisches Highlight.

Ida Nielsen war von 2010 bis 2016, dem Jahr seines plötzlichen Todes, die Bassistin von Prince. Ein solches Kaliber nach Dinslaken zu holen, konnte sich die Jazz Initiative nicht entgehen lassen. Zumal es ja einen hervorragend ausgestatteten Liveclub in zentraler Innenstadtlage gibt: Die über die Kuka erreichbare Werkhalle im Walzwerk Dinslaken hat nicht nur eine gute Atmosphäre, in ihr stimmt auch der Sound.

Von Anfang an herrschte Partystimmung

Das sah das Publikum genauso. Es herrschte Partystimmung von Anfang an, es wurde mit den Füßen gewippt und getanzt und Johannes Hermens strahlte und Thomas Termath stellte schon bei seiner Begrüßung fest: „Wenn ich das hier so sehe, sind wir zum ersten Mal hier, aber nicht zum letzten.“ Der Dank ging an Thomas Grosse, den Betreiber des Walzwerks Dinslaken, und sein Team.

Ida Nielsen & The Funkbots: Eine dänische Bassistin, die von US-Superstar Prince den Ritterschlag erhielt, und ihre international besetzte Band mit Rapper Kuku Agami, E-Gitarrist Mika Vandborg und Patrick Dorcean am Schlagzeug. Das bedeutete Nonstop Funk auf einer guten Basis 70er-Jahre-Disco und 80er-Jahre-Pop, Gitarren-Soli zwischen Hendrix und Prince (der Meister war im Coverstück und in einer instrumentalen Hommage in der Werkhalle gegenwärtig), knackige Beats, eingängige, druckvolle Hook-Lines und qualitätsvoller Rap.

Spielereien zwischen den Akzenten

Gerade die so leichten und lockeren Wortrhythmen von Kuku Agami ergänzten sich und kontrastierten zugleich perfekt mit dem Bassspiel Ida Nielsens. Denn sie sorgt zwar für schwere Grooves, aber diese sind halt funky: Mit vielen Slaps und vielen Spielereien zwischen den Akzenten. Irgendwann während der Party, die die Funkbots mit ihrem Publikum feierten, gab sie einen Einblick in ihre klassische Ausbildung. Und gegen Ende legte sie ein Solo hin, das klang, als habe sie sich damit bei Prince beworben, obwohl er es ja war, der selbst auf sie aufmerksam wurde. Weltklasse, funk-tastisch.

Aber die Jazz Initiative wäre nicht die immerhin mit dem deutschen Spielstättenpreis ausgezeichnete Jazz Initiative, wenn sie es dabei belassen hätte. Vor Ida Nielsen & The Funkbots gehörte die Bühne dem Horst Hansen Trio. Freejazz kündigte dieses an. Was auch stimmte. In gewisser Weise.

Als Schülerband gegründet

Das Horst Hansen Trio gehört nämlich in die Kategorie „jung und verrückt“. Vor zehn Jahren als Schülerband in Krefeld gegründet, mischt das Quintett (!) nicht nur Jazz und Freejazz, moderne atmosphärische Club- und Lounge-Sounds und wilde Balkanbeats, sondern damit und einer muppetshowreifen Bühnenperformance wohl jedes Publikum auf.

„Sing – Jazz“ wurde der Schlachtruf des „Über-Jazz“ des „gesetzten“ Hansen-Trios, dessen Mitglieder sich Hubert oder Eberhardt nennen – der „Namensgeber“ Horst Hansen ist grundsätzlich verhindert. Tatsächlich sind die Musiker allesamt unter 30 Jahre alt.

Den musikalischen Ernst unter all dem Spaß drückten sie am deutlichsten in ihrer Erinnerung an einen verstorbenen Krefelder Musikkritiker aus, der die Band in ihren Anfangstagen wohl sehr unterstützt hat. Und eine Lesart ihres „Überjazz“ – „über Jazz“? - erklärte sich in der Zugabe, die das Publikum vom ersten Act des Abends einforderte: Sie klang, als sei das Hansen-Trio mit den Waffen des „Säbeltanzes“ über „Summertime“ hergefallen, bis sich das Stück dann doch zur Ballade wandelte.

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