Inszenierung

Burghofbühne zeigt mit „Fahrenheit 451“ hochaktuellen Stoff

Guy Montag (Philipp Pelzer) und Clarisse (Maren Kraus) stoßen Türen auf.    

Guy Montag (Philipp Pelzer) und Clarisse (Maren Kraus) stoßen Türen auf.    

Foto: Martin Büttner / Burghofbühne

Dinslaken.  Fahrenheit 451 zeigt Gesellschaft, in der die Sucht nach Berieselung und die Weigerung, Zusammenhänge verstehen zu wollen, brandgefährlich wird.

Den Plan, Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ auf die Bühne zu bringen, hegte man bei der Burghofbühne Dinslaken schon lange. Aber dem stand der eigene Erfolg in den vergangenen Spielzeiten im Weg. „Fahrenheit 451“ bildet mit „Schöne neue Welt“ und „1984“ einen Kanon der dystopischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Und eben jenes „1984“ blieb in der Inszenierung von Mirko Schombert seit der Premiere 2015 nachhaltig in Erinnerung.

Doch eigentlich könne man die beiden Stoffe kaum miteinander vergleichen, erklärt Nadja Blank. Die Dramaturgin der Burghofbühne inszeniert derzeit „Fahrenheit 451“ am Landestheater. Premiere ist am Donnerstag, 31. Oktober, um 20 Uhr ausnahmsweise in der Aula des OHG – im Tribünenhaus feiert die Rockband Imagine zeitgleich ihr 30-jähriges Bestehen.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Also wird in den Räumlichkeiten des Gymnasiums die Zukunftswelt einer Gesellschaft aufgezeigt, die sich - und das ist der Unterschied zu „1984“ freiwillig in die Unmündigkeit begeben hat. Der Weg dorthin wirkt angesichts unserer eigenen gesellschaftlichen Tendenzen brandgefährlich aktuell: „Die Gesellschaft in Fahrenheit 451 hat sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner eingelassen“, erklärt Nadja Blank. „sie sagt, wir wollen keine komplexen (politischen) Zusammenhänge mehr verstehen, wir wollen uns nur noch berieseln lassen. Die Zeitschriften werden dünner, die Tabletten zahlreicher“.

In einer solchen Welt wird jeder, der sich nicht einlullen lassen möchte, gefährlich. Und so bleibt es nicht dabei, dass Kunst, Wissen und historisches Bewusstsein abgelehnt werden, es wird mit Gewalt dagegen vorgegangen. Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der in Bradburys Roman Papier zu brennen beginnt und es ist die Feuerwehr als gesellschaftliche Institution, die zur Ausführenden einer Bücherverbrennung wird, die den geistigen Besitz von allen, die sich gegen die Verdummung der Gesellschaft stellen, vernichtet.

Zu den geistigen Brandstiftern gehört Captain Beatty

Zu den geistigen Brandstiftern gehört Captain Beatty, gespielt von Malte Sachtleben. „Er ist eigentlich intelligent und belesen, aber er verkauft das System“, so Nadja Blank. Sie inszeniert ihn als Redner, sein Podium ist die Bühne, seine Hörerschaft das Publikum. Wird es sich verführen lassen?

Guy Montag (Philipp Pelzer) ist einer derjenigen, der bislang nicht viel nachdachte. Als einer der Feuerwehrleute, der Bücher vernichtet, ist er ein gefragter Mann. „Doch dann kämen mehreren Faktoren zusammen, so Nadja Blank. Montags Frau stirbt beinahe an einer Überdosis der allgegenwärtigen Tabletten. Er erlebt, wie eine Frau sich mit ihren Büchern verbrennen lässt: lieber tot sein als ein inhaltsloses Leben leben. Und dann trifft Montag auf die merkwürdige Clarisse (Maren Kraus), in die er sich zwangsläufig verliebt, weil nur sie ihn als Person sieht. Gedanken gehen Montag durch den Kopf. Und sind Gedanken einmal da, sind sie auch nicht mehr zu stoppen. „Er versucht, die Welt zu verändern“, so Blank. „Da sie sich nicht verändern lässt, bleibt ihm nur die Flucht in eine andere Welt. Die Inszenierung begleitet ihn auf diesen Weg.“

„Fahrenheit 451“ ist anders als die vorangegangen Burghofbühnen-Inszenierungen

Und hier liegt ein Unterschied zum Tenor der Burghofbühnen-Inszenierungen der letzten Zeit. Anders als die artifiziellen Inszenierungen beispielsweise von Schillers „Räubern“ oder „Extrem laut und unglaublich nah“, in denen die Protagonisten auf verschiedene Darsteller aufgebrochen wurden, kommt „Fahrenheit 451“ als „richtiges Schauspieltheater“ auf die Bühne. Die Darsteller agieren in einer reduzierten „flammenfesten“ Kulisse (Jörg Zysik), die Darsteller durchleben darin die Gefühle fürs Publikum.

Es sei schön, als Schauspielerin in einer Inszenierung mal wieder Zeit zu haben, etwas zu spüren, zitiert Nadja Blank Maren Kraus. Neuland betritt die Regisseurin trotzdem. Mit Jörg Zysik und Christof Köster produziert sie gerade Videoeinspielungen , die Teil der Inszenierung sind. Die Musik stammt von Jan Exner, weitere Darsteller sind Christiane Wilke, Anton Schieffer und auch wieder Marie Förster.

>> Karten für die Premiere von „Fahrenheit 451“ gibt es für 15 Euro in der Stadtinformation an der Rittergasse/Ecke Althoffstraße in der Innenstadt und mit etwaigen Vorverkaufs-Gebühren auch online über www.reservix.de.

WERKSTATTGESPRÄCH MIT NADJA BLANK

  • Der Verein r(h)ein-kultur-welt lädt zu einem Werkstattgespräch mit Nadja Blank am Sonntag, 27. Oktober, um 12 Uhr im Gasthaus Himmel und Erde an der Caspar-Baur-Straße 36 in Wesel ein. Die Regisseurin des Stücks „Fahrenheit 451“ stellt in lockerer Atmosphäre – bei Kürbissuppe – ihre neue Inszenierung vor.
  • Karten für die Veranstaltung (inklusive Suppe) gibt es für 15 Euro (ermäßigt 4 Euro) in Voerde bei Schreibwaren Groos, Friedrichsfelder Straße 20, in der Buchhandlungen Korn am Altmarkt Dinslaken, bei Buch & Präsent Mila Becker in Friedrichsfeld, Bülowstraße 4 in Voerde und eventuell an der Tageskasse.

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