Gedenken

Dinslaken entzündet Kerzenlichter für Sternenkinder

Auf dem Parkfriedhof Dinslaken gibt es eine Stele, die an die Sternenkinder erinnert. In dem Bereich werden die Babys beigesetzt.

Auf dem Parkfriedhof Dinslaken gibt es eine Stele, die an die Sternenkinder erinnert. In dem Bereich werden die Babys beigesetzt.

Foto: aha / nrz

Dinslaken.  Am Sonntag ist „Worldwide Candle Lightning“-Tag. Dann werden in Dinslaken Kerzen für vor oder bei der Geburt verstorbene Kinder entzündet.

Sternenkinder sind Kinder, „die den Himmel erreicht haben, bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.“ Lange galten Kinder, die vor oder während der Geburt gestorben sind und weniger als 500 Gramm wogen, im juristischen Sinn nicht als Menschen. Vor sechs Jahren wurde das Gesetz geändert. Nun können Eltern von Sternenkindern die Geburt ihres Kindes beim Standesamt anzeigen und ihrem Kind damit auch offizielle eine Existenz geben. Am Sonntag, 8. Dezember, dem Tag des „Worldwide Candle Lightning“, um 18 Uhr, gedenkt die Dinslakener Selbsthilfegruppe „Ich trage Dich in meinem Herzen“ der Sternenkinder in einem ökumenischen Gottesdienst.

„Abschied nehmen von Momenten, die hätten sein können, von Menschen, die nie geworden sind“

„Der Verlust eines Kindes während der Geburt ist kaum mit dem Verlust anderer Angehöriger zu vergleichen: Bei dem Tod eines alten Menschen nehmen wir Abschied von jemandem, wie er geworden ist, von der Wirklichkeit, die eingetreten ist. Aber hier müssen wir Abschied nehmen von Momenten, die hätten sein können, von Menschen, die nie geworden sind“, beschreibt Anne Schaate, eine der Gründerinnen der Selbsthilfegruppe die Situation betroffener Eltern. Diese Trauer werde oftmals nicht ernst genommen. Man habe das Kind doch gar nicht gekannt, müsse also nicht trauern – das hören Eltern häufig. Oder: „Ist doch nicht so schlimm, Du hast ja noch andere Kinder“. Solche Sätze schmerzen. Jedes Kind sei doch einmalig und nicht durch ein anderes zu ersetzen.

Gerade Weihnachten ist eine schwere Zeit für Eltern von Sternenkindern

Wer ein Sternenkind verloren habe, komme darüber nie wirklich hinweg, weiß Adolfo Terhorst. Der langjährige Krankenhausseelsorger des St. Vinzenz Hospitals hat die Selbsthilfegruppe, die sich dort vor 16 Jahren gegründet hat, viele Jahre begleitet. Weihnachten sei eine besonders schwere Zeit für Eltern von Sternenkindern. Denn an Weihnachten werde die Geburt eines Kindes gefeiert.

Das Krankenhaus bietet Eltern von Sternenkindern einen würdigen Rahmen für ihre Trauer. Obwohl der Gesetzgeber eine Bestattungspflicht für Frühgeburten nur über 500 Gramm vorsieht, werden alle kleineren Fehlgeburten des St. Vinzenz-Hospitals auf dem Parkfriedhof an der B 8 auf dem Kindergräberfeld beerdigt. Eine eigene Stele erinnert an die Sternenkinder. In ihren Einbuchtungen sitzen Teddys und kleine Figuren.

Etwa 120 Sternenkinder werden im Jahr in Dinslaken bestattet

Etwa 120 Föten werden dort in jedem Jahr bestattet. Die Sammelbestattungen finden im Rahmen von ökumenischen Trauerfeiern an drei Terminen im Jahr statt. Die winzigen Kinder werden in etwa zehn Nestern nebeneinander in einem Sarg gebettet. Oftmals werde der Sarg von Müttern oder Schülern der Krankenpflegeschule des Hospitals gestaltet, berichtet Adolfo Terhorst. Eine zeitlang wurden die Kinder anschließend in Rasengräbern bestattet. Mittlerweile bekommen sie eigene Grabstätten im Umfeld der Stele. Die Flächen stellt die Stadt zur Verfügung, so Terhorst. Auf diese Weise erhalten verwaiste Eltern „einen Platz der Erinnerung an ihr Kind“.

>>Gottesdienst und Gedenktag

Zum Gedenken an alle verstorbenen Kinder sollen am Sonntag, 19 Uhr, rund um den Erdball Kerzen in den Fenstern brennen. Auch nach dem Gottesdienst werden Kerzen entzündet.

Zum Gottesdienst (Sonntag, 8. Dezember, 18 Uhr, ev. Gemeindehaus, Büngeler Straße 66) und dem anschließenden Beisammensein lädt die Selbsthilfegruppe alle Eltern, Angehörige und Freunde ein, die um ein Kind trauern. Denn „wer in einem Herzen weiterlebt, wird nicht vergessen sein“.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe vermitteln die Krankenhausseelsorgerinnen Petra Schorberger-Waldhausen (02064/422865) oder Angela Hunsmann (02064/44 17 136).

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