Pogrom-Gedenken

THG-Schüler gedachten ermordeter Dinslakener in NS-Zeit

Schüler und Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums gestalteten die Gedenkfeier für die in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Dinslakenerinnen und Dinslakener am Mahnmal im Stadtpark.

Schüler und Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums gestalteten die Gedenkfeier für die in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Dinslakenerinnen und Dinslakener am Mahnmal im Stadtpark.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Gut besuchte Gedenkfeier für die in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten jüdischen Dinslakener am Mahnmal im Stadtpark. THG-Schüler gestalteten.

„Einstellungen und Gedankengut, die damals Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung nach sich zogen, zeigen aktuell auch wieder ihr hässliches Gesicht. Immer wieder, und viel zu oft, sind antijüdische und antisemitische Vorurteile in allen gesellschaftlichen Schichten zu hören und anzutreffen bis hin zur Radikalisierung, die den Worten Taten folgen lässt. Zuletzt in Halle, aber auch anderen Orten.“ Das sagte Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann, Synodalbeauftragte für das christlich-jüdische Gespräch im Ev. Kirchenkreis Dinslaken.

Gestern fand am Mahnmal im Stadtpark die diesjährige Gedenkfeier für die in der NS-Zeit verfolgten und ermordeten jüdischen Dinslakenerinnen und Dinslakener statt. Zu Erinnern heiße auch, „diesen Auswüchsen zu widersprechen und dafür einzustehen, dass Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens selbstverständlich und sicher in Deutschland leben können – so wie die Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums, die das Gedenken gestalten.“

Zum Geläut der Kirchenglocken wurde es langsam still

Und die Resonanz war deutlich größer als in den Vorjahren. Zum Geläut der Kirchenglocken wurde es langsam still. Wegmann begrüßte den Bürgermeister, die Vertreter aus Verwaltung und Politik, der Kirchen „und die vielen Bürgerinnen und Bürger, die bewusst ein Zeichen setzen wollen“. Es gelte, Verantwortung zu übernehmen für das, was vor 80 Jahren geschehen sei. Denn Menschen jüdischen Glaubens fragten sich: „Sind wir hier sicher? Sind wir hier willkommen?“ Die Pfarrerin begrüßte besonders zwei Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Mülheim/Duisburg/Oberhausen, Arnold Gorshteyn und Julia Rappoport.

Dann traten 16- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler aus zwei evangelischen Religionskursen von Lehrerin Katharina Otte-Harloff ans Mikrofon, die das Gedenken in zwei intensiven Wochen vorbereitet hatten. Sie erinnerten an das November-Pogrom 1938 mit Zerstörung des jüdischen Waisenhauses, Friedhofs und vieler Häuser in Dinslaken, aber auch an den jüngsten Anschlag auf die Synagoge in Halle. „Hass darf auch heute nicht toleriert werden.“

Kinder wurden auf Leiterwagen durch die Innenstadt gezogen

Um 5.45 Uhr morgens seien damals Kinder auf den Rutenwall getrieben worden, ältere hätten jüngere auf einem Leiterwagen durch die Innenstadt gezogen. „Dinslaken schaute nur zu, keiner hat eingegriffen, selbst die Polizei nicht.“ Antisemitismus mache Menschen zu „Monstern“, Fremdenhass sei auch heute allgegenwärtig. Es gelte, die Vergangenheit aufzuarbeiten und daraus zu lernen – mit gegenseitiger Wertschätzung, Toleranz und Respekt, denn: „Wir sind die Mehrheit. Das heutige Dinslaken würde anders reagieren.“

Wegmann dankte für die bewegenden Gedanken, ihr sei vor allem der Satz im Gedächtnis geblieben: „Macht um Himmels Willen keine Unterschiede.“ Für die Jüdische Gemeinde wandte sich Julia Rappoport an die THG-ler: „Eure Worte haben mich ins Herz getroffen. So viele liebe Menschen wie heute habe ich noch nicht gesehen.“ Und sie lud zum Dialog ein: „Lasst uns gegen alle Arten von Rassismus sprechen.“

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