Vermisstenfall

Familie sendet Botschaft an Vermissten: „Wir lieben Dich“

Mit diesen Fahndungsplakaten sucht die Familie öffentlich nach Nick Stolz. Fast täglich waren die Voerder in Aachen und haben die Plakate verteilt und an Bäume geheftet.

Mit diesen Fahndungsplakaten sucht die Familie öffentlich nach Nick Stolz. Fast täglich waren die Voerder in Aachen und haben die Plakate verteilt und an Bäume geheftet.

Foto: aha / nrz

Voerde.  Nick Stolz aus Voerde verschwand unter ungewöhnlichen Umständen. Die Polizei hat keine Hinweise. Die Familie nimmt die Suche selbst in die Hand.

Die letzten Bilder von Nick Peter Stolz stammen von der Überwachungskamera an seinem Elternhaus in Voerde. Sie zeigen den 22-Jährigen, wie er das Haus im Pulli betritt und mit einer roten Jacke und Rucksack wieder verlässt. Das war am 28. September, etwa 10 Uhr morgens. Seitdem wird der 22-Jährige vermisst. Er ist unter mysteriösen Umständen in Aachen verschwunden. Fast vier Wochen ist das her – und die Polizei hat keine Hinweise.

Die letzten Bilder

Nick Stolz wollte an diesem Tag zur Uni Duisburg-Essen, an der er eingeschrieben ist. Das jedenfalls glaubte seine Familie, berichtet Nicks Schwester Jessica. Sie hatte sich noch gewundert, dass ihr Bruder so früh, um 9.45 Uhr, aus dem Haus ging. „Er war ja spät am Vortag von der Arbeit gekommen.“ Das jedenfalls glaubten alle. 20 Minuten später sei er zurückgekommen, ging auf seinem Handy tippend ins Haus, hatte offenbar etwas vergessen. Da entstanden die letzten Fotos.

Mittags stand die Polizei vor der Tür

Um 14 Uhr stand an diesem Tag die Polizei vor der Tür. Wo Nick stecke, wollten die Beamten wissen. Denn der 22-Jährige hatte an diesem Tag etwas sehr Ungewöhnliches getan: Er hat gegen 12 Uhr ein Paket mit seinen Wertsachen, seinem Autoschlüssel und einer erheblichen Menge Bargeld vor die Tür einer Bekannten an der Klara-Fey-Straße im Aachener Stadtteil Burtscheid gelegt. Auch sein Auto, einen weißen Golf GTI, hat er vor die Tür der Bekannten gestellt. Dazu ein Brief. Die Bekannte solle die Sachen behalten, das Auto verkaufen. „Mach’s gut. Nick“ steht unter dem Brief. Die junge Frau alarmierte die Polizei.

Job gekündigt, Handyvertrag aufgelöst

Die Familie des 22-Jährigen war schockiert. „Das Auto ist sein Ein- und Alles“, sagt Jessica Stolz. Nach und nach erfuhr die Familie: Nick habe vier Wochen vor seinem Verschwinden seinen Job gekündigt. Am Tag seines Verschwindens habe er den Handyvertrag, Whatsapp und Facebook gekündigt, so Jessica Stolz. Sie fragt sich: „Mit wem schreibt er auf seinen letzten Fotos?“ Und: Woher kam das Geld – mehrere tausend Euro, die Nick der Bekannten hinterließ? Was wollte er überhaupt in Aachen? Diese Fragen stellt sich die Familie bis heute. Der 22-Jährige habe keine Verbindung nach Aachen gehabt. Er habe bei Thyssen gearbeitet, außerdem an der Uni Duisburg-Essen studiert. Zu der jungen Frau habe er zwei Jahre keinen Kontakt mehr gehabt.

Seine Spur verlor sich am Dom

Die Polizei setzte Suchhunde ein. Die Spur ihres Bruders habe sich am Aachener Dom verloren, berichtet Jessica Stolz, zweieinhalb Kilometer vom Haus der Bekannten entfernt, wo Nick sein Hab und Gut hinterließ.

Die Familie machte sich selbst auf die Suche. Verteilte Plakate in Aachen mit Fotos von Nick und von der leuchtend roten Jacke. Die Besitzerin einer Imbissbude meinte, den 22-Jährigen gesehen zu haben, auch in einem Park in Aachen sei er mutmaßlich gesehen worden, so die Schwester – aber: „Bevor er verschwunden ist. Er hat sich also ein paar Tage vorher in Aachen aufgehalten.“

Die Familie fand ein Zugticket

Die Familie engagierte ebenfalls Mantrailer – ohne Ergebnis. Jessica knackte Nicks Mailaccount, fand ein gebuchtes Zugticket. „Eigentlich sollte die Polizei das machen“, sagt sie. Als die Familie in Aachen am Bahnhof nach dem Vermissten fragte, sei es zu spät gewesen. Die Daten würden nur zwei Wochen aufbewahrt. Auch mit der Familie des Mädchens in Aachen nahmen die Voerder Kontakt auf, wollten das hinterlassene Geld in die Suche investieren. Bislang ohne Erfolg.

Das Auto wartet in Voerde

Nicks Auto ist mittlerweile in Voerde, wartet in der Garage auf seinen Besitzer. „Wir wollen, dass er es wiederbekommt,“ so Schwester Jessica. „Nick, Dein Baby ist wieder zuhause und wird dort auf Dich warten“, schreibt sie auf Facebook. Immer wieder richtet sie dort Botschaften an ihren verschwundenen Bruder und hofft, dass dieser es irgendwo liest. Auch Jessicas Profilbild zeigt sie mit Nick. Silvester vor zwei Jahren. Beide lachen.

Ihren Bruder beschreibt sie als „zurückhaltend, unauffällig, ruhig“, eher ein Einzelgänger mit wenig sozialen Kontakten. Früher war er Trampolinturner und Trainer beim TV Voerde, dann kam eine Verletzung dazwischen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er freiwillig gegangen ist. Vielleicht hatte er irgendwo hier Schwierigkeiten“, meint die Schwester und appelliert: „Egal was es ist, man kann alles regeln. Wir vermissen Dich und wir lieben Dich.“

>>Info und Hinweise

Nick Peter Stolz ist 1,70 Meter groß, schlank und hat dunkelblonde kurze Haare. Er trägt eine auffällige, rote Jacke. Die Polizei bittet um Hinweise unter Tel. 02855 / 9638-0 oder an jede Polizeidienststelle. Die Familie hat ebenfalls eine Nummer für Hinweise eingerichtet: Tel. 01522 3035116.

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