Gesamtschule

Gesamtschule Voerde: Fragen zu Fremdeinsatz von Lehrern

Im August 2015 ging die Comenius-Gesamtschule in Voerde an den Start.

Im August 2015 ging die Comenius-Gesamtschule in Voerde an den Start.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Voerde.  Im Vorbereitungsteam für die neue Gesamtschule in Hiesfeld sind drei Lehrer der Gesamtschule Voerde. Dies löst in deren Elternschaft Sorge aus.

Die Nachricht, dass dem vierköpfigen Vorbereitungsteam für die neue Gesamtschule in Hiesfeld alleine drei Lehrkräfte der Comenius-Gesamtschule in Voerde angehören, sorgt in deren Elternschaft angesichts dort ausfallender Schulstunden für Irritation. Es besteht die Sorge, dass das Engagement der drei Lehrer, die seit August dabei sind, das pädagogische Konzept für die nach den Sommerferien 2020 in der Nachbarstadt startende Gesamtschule zu erarbeiten, zu Lasten der eigenen Schule gehen könnte.

Stadt Voerde: Unterrichtszeit ist an einigen Tagen verkürzt worden

Aktuell sind nach Angaben der Schulträgerin, der Stadt Voerde, drei reguläre Lehrerstellen an der Comenius-Gesamtschule unbesetzt. Dies habe dazu geführt, dass die Unterrichtszeit an einigen Tagen – etwa freitags – verkürzt worden sei, erläutert Bürgermeister Dirk Haarmann auf Nachfrage der NRZ. Dazu kommen ihm zufolge weitere 5,5 nicht besetzte Stellen an „Sonderpädagogen für die Förderung der Kinder mit entsprechendem Bedarf“. Davon abgesehen umfasse das Kollegium der Comenius-Gesamtschule derzeit 67 Lehrkräfte.

Die Lehrer im Vorbereitungsteam für die neue Gesamtschule in Hiesfeld leisten diese Arbeit nach Auskunft der Bezirksregierung Düsseldorf „zunächst zusätzlich“. Würde heißen: Momentan fällt der Einsatz noch in ihre Freizeit. Nach den Anmeldungen für die neue Gesamtschule im Februar 2020 erhält das Team aber „insgesamt 14 Entlastungsstunden (Lehrerwochenstunden), die es in eigenem Ermessen untereinander aufteilt“, eine zusätzliche Besoldung erfolge nicht, erläutert eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf.

Auf die am Dienstagnachmittag (22. Oktober 2019) gestellte Nachfrage der NRZ, welche konkreten Auswirkungen die ab Februar gewährten Entlastungsstunden konkret auf die Voerder Comenius-Gesamtschule haben werden und ob es dafür einen Ausgleich geben wird, war „so kurzfristig“ keine Antwort von der Behörde zu bekommen. Begründung: Einige „schulfachliche Kolleginnen und Kollegen sind derzeit nicht im Haus“. Damit bleibt bis zu der von der Bezirksregierung in Aussicht gestellten Antwort auch offen, warum an der Comenius-Gesamtschule aktuell drei reguläre Lehrerstellen nicht besetzt sind, wie viele Stunden in der Woche dadurch ausfallen, welche Fächer betroffen sind und warum in Anbetracht des Unterrichtsausfalls nicht andere Lehrer in das Vorbereitungsteam für die neue Gesamtschule in Hiesfeld berufen wurden.

Bezirksregierung beauftragt das Vorbereitungsteam

Das Team wird durch die Bezirksregierung beauftragt. Dafür können „sich Lehrkräfte freiwillig melden“. Zudem würden die schulfachlichen Dezernentinnen und Dezernenten auf regionaler Ebene gezielt Lehrkräfte ansprechen, vielfach auch aus Schulsystemen, die auslaufen. Eine Verpflichtung, in einem Vorbereitungsteam mitzuarbeiten, gebe es für diese nicht. Bei der Zusammensetzung werde darauf geachtet, dass dort Lehrkräfte mit unterschiedlichen Fächerkombinationen sowie solche mit Gesamtschulerfahrung vertreten sind.

Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann erinnert an die Zeit, als sich die Comenius-Gesamtschule in der Gründungsphase befand. Man sei „sehr dankbar und erleichtert“ darüber gewesen, dass sich insgesamt acht Lehrkräfte bereit erklärt hätten, den Vorbereitungsprozess der Schulen „in ihrer Freizeit (ohne Anrechnung von Stunden, Abordnung oder ähnlichem) zu gestalten. Dazu gehörten Haarmann zufolge unter anderem der Leiter des Voerder Gymnasiums, Gerd Kube, und die damalige stellvertretende Leiterin der im Sommer 2020 auslaufenden Realschule Voerde, Sabine Desinger.

Stadt Voerde äußert Verständnis für Einsatz der drei Lehrkräfte

Entsprechend „verständnisvoll“ sei die Stadt Voerde bei dem jetzigen Einsatz der drei Lehrkräfte der Comenius-Gesamtschule in der Vorbereitungsgruppe einer anderen Schule – „zumal dieser nicht zu Lasten der Unterrichtszeit in Voerde, sondern lediglich zu Lasten der Freizeit“ dieser Lehrkräfte stattfinde. Ob dies auch ab Februar kommenden Jahres noch so ist – eine Antwort der Bezirksregierung auf diese Nachfrage steht, wie beschrieben, noch aus.

Die Stadt als Schulträger fühlt sich geehrt, dass im Kollegium der eigenen Schule „offenbar eine derart wichtige und gefragte Kompetenz vertreten ist, die ja auch erst durch den Gründungsprozess der Comenius-Gesamtschule erworben worden ist“, sagt Bürgermeister Haarmann. Im übrigen, betont er, seien von den acht Lehrkräften aus dem Vorbereitungsteam lediglich drei tatsächlich an die Comenius-Gesamtschule in Voerde gewechselt.

>> Info: Blick aus Voerde in die Nachbarstadt

Die Gründung einer neuen Gesamtschule in Hiesfeld wird in Voerde im Hinblick auf eine mögliche Konkurrenz nicht mit Sorge gesehen. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich dies in einem nennenswerten Umfang auf die Bilanz der zwischen Dinslaken und Voerde ein- und auspendelnden Schüler und somit auf die aktuelle Schulentwicklungsplanung in Voerde auswirken werde, erklärt Bürgermeister Haarmann.

Unabhängig davon, dass die Comenius-Gesamtschule gegenüber der neu zu gründenden Gesamtschule in der Nachbarstadt Bestandsschutz genieße, dürften Kommunen die Zügigkeit der Schulen nur an den eigenen Schülerzahlen ausrichten, sofern nicht im Vorfeld nicht anders lautende Vereinbarungen getroffen worden seien. Ob diese gemeindeeigenen Schülerzahlen für die Gründung einer Schule ausreichen, prüfe die Bezirksregierung sowohl im Zuge der Genehmigung der Schulgründung als auch während des gesamten Aufbauprozesses, um negative Auswirkungen auf umliegende Schullandschaften zu vermeiden.

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