JazzHopping

Livemusik hoch fünf gab es beim JazzHopping in Dinslaken

Der Pariser Gitarrist Jean Philipp Bordier trat mit seinem Quartett im Dachstudio auf.

Der Pariser Gitarrist Jean Philipp Bordier trat mit seinem Quartett im Dachstudio auf.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Großer Andrang herrschte beim JazzHopping der Jazz-Initiative Dinslaken. An fünf Spielstätten in der City bewiesen Akteure stilistische Vielfalt.

Im derzeit für eine Ausstellung von Fotografen aus Dinslaken und Agen genutzten Ladenlokal stehen die Menschen dicht gedrängt. Wer Glück hatte, ergatterte noch einen Platz an den Bierzeltgarnituren und kann den Wein aus der benachbarten Casa del Vino im Sitzen genießen. Es ist JazzHopping in Dinslaken und hier am Standort Casa del Vino in der Neutor-Galerie stehen die Lokalmatadore auf eigens für den Anlass aufgebauten Bühne: der Saxophonist Ralf Bazzanella und Dr. Johannes Hermens, der Gründer und langjähriger Vorstand der Jazz-Initiative, den es immer wieder gerne hinters Schlagzeug zieht, bilden zusammen mit dem Bottroper Ehepaar Ruth und Mani Miketta und dem Düsseldorfer Roland Miosga die Formation Blue Eyes.

Jazz Standards, interpretiert mit etwas Swing und Latin-Feeling. Da ist man geneigt, die Weinkarte als Programmheft zu nutzen. Die Standards sind gut gereift, das musikalische Bukett ist frisch, elegant, lebendig. „Agua de beber“? Nein, dieses „Trinkwasser“ hat die Fülle von exotischen Früchten. Und Esprit. Das Quintett spielt entspannt auf – und Ralf Bazzanella nutzt jede Gelegenheit, seiner Improvisationslust freien Lauf zu lassen. „Wir haben das abgesprochen, dass in jedem Set ein anderer besonders gefeatured wird“, so der Saxophonist nach der ersten Runde.

Fünf Formationen an fünf Spielstätten spielen je drei Sets

Denn das ist das Konzept des JazzHopping der Jazz-Initiative Dinslaken: Fünf Formationen an fünf Spielstätten spielen je drei Sets á 40 Minuten. Man kann bleiben und erlebt ein komplettes Konzert oder man macht sich zu Fuß oder mit der Bimmelbahn auf zum nächsten Ort.

Zum Beispiel ins Dachstudio. Seit zehn Jahren spielt der deutsche Schlagzeuger Andreas Neubauer im Quartett des Pariser Gitarristen Jean Philippe Bordier. Er hat eine interessante Besetzung zusammengestellt: Pascal Bivalski spielt Vibraphon, Guillaume Naud Orgel. In Kombination mit der Jazz-Gitarre ergibt sich ein Klangbild, dass an Soundtracks der 60er-Jahre erinnert. Bei den Stücken handelt es sich jedoch überwiegend um Eigenkompositionen. Und die vier Musiker spielen derart mit den Rhythmuswechseln, dass die Musik schillert und funkelt. Die im Vergleich zu den Gaststätten doch eher konzentrierte Ruhe im Dachstudio kommt der Komplexität des Quartetts entgegen. Das dies eine heitere Leichtigkeit einschließt, zeigt das spritzige „Hefeweizen“. Bordier hat seine neue Komposition nach seinem Lieblingsgetränk in Deutschland benannt.

Duo 13 Strings spielt in der Espressobar Ba’re:se

Ohne Alkohol geht es im Ba’re:se. In der Espressobar zaubern Andreas Brunn und Simon Rainer auf 13 Saiten. 13 Strings nennt sich das Duo. Brunn nutzt seine siebensaitige Akustik-Gitarre für seine vom Flamenco und von Balkan-Folklore inspirierten Kompositionen, Rainer setzt auf seiner E-Gitarre die jazzigen Akzente – in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit: Eine reizvolle wie spannende Kombination in immer neu wechselnden Taktarten

Dies lässt sich auch von „Movin’ on to JazzAfrica“ sagen. R.L. Madison begeistern seit 30 Jahren mit Soul und Jazz aus dem Ruhrgebiet: Unverwechselbar wird der Sound der Formation von Birdy Steppuhn durch die Percussionisten Annan Odametey und Richard Donkor auf ihren afrikanischen Trommeln. Wenn zwischen diesem musikalischen Feuerwerk Sängerin Amal Sokrate „Autumnleaves“ im Original ihrer französischen Muttersprache singt, kommt das Publikum im König am Altmarkt ins Schwärmen.

Beatboxer aus der Alten Apotheke ist schon auf Höhe des Johannahauses zu hören

Derweil hört man das Dröhnen einer „Bassdrum“ aus der Alten Apotheke schon auf Höhe des Johannahauses. Es ist aber keine Bassdrum, sondern die unglaubliche Beatbox-Technik von Kevin O’Neal. Seit sich der zweifache deutsche Beatboxmeister mit dem „Blues-Bärchen“ der Nation Chris Kramer und dem kongenialen Sean Athens an der E-Gitarre zusammengetan hat, reißt das Trio als Chris Kramer & Beatbox ‘n’ Blues regelmäßig die Hütte ab. So auch in der Alten Apotheke, wo die Menge von diesem Mix aus zeitlosen, mitreißenden Blues, Athens entfesselten Gitarrensoli, Kramers emotionalen Mundharmonikaspiel und O’Neals verblüffender Stimmakkrobatik nicht genug bekommen kann.

Und so hörte man dort zu später Stunde das sonst doch eher distinguierte Jazzpublikum „Einer geht noch rein“ singen: Eine Aufforderung, der Chris Kramer mit „Lass uns tanzen geh’n“ am Ende einer langen Jazznacht in der Dinslakener Innenstadt gerne nachkam.

>>„JAZZ IN DINSLAKEN“ BEGINNT MIT „WILD LIFE“

  • Am Freitag, 11. Oktober, beginnt die Abo-Reihe der Jazz-Initiative, „Jazz in Dinslaken“, um 20 Uhr mit einem Konzert von Markus Stockhausen im Ledigenheim Lohberg. Der Trompeter hat für sein Projekt „Wild Life“ sieben kreative Geister vereint, die für einen Start in die Jazz-Saison im Quadrophonie-Sound sorgen. Einzeltickets gibt es in der Stadtinformation im Rittertorhäuschen.

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