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Parkproblem für Motorradfahrer in Dinslaken

Wer Motorrad fährt, sollte den Tesafilm immer dabei haben. Ulrich Hertes wohnt in der Dinslakener Innenstadt - und hat selbst mit dem Krad ein Parkproblem.

Foto: Erwin Pottgiesser

Wer Motorrad fährt, sollte den Tesafilm immer dabei haben. Ulrich Hertes wohnt in der Dinslakener Innenstadt - und hat selbst mit dem Krad ein Parkproblem. Foto: Erwin Pottgiesser

Dinslaken.   Ulrich Hertes muss sein Bike auf einem Autoplatz parken. Das Ticket soll er mit Tesa ankleben, rät die Stadt. Wenn es geklaut wird, sei das Pech.

Ulrich Hertes ist ein echter Biker: Lederjacke, chromglänzende Maschine, schwarzer Helm – und neuerdings immer auch eine Rolle Tesafilm. Denn die brauchen Motorradfahrer in Dinslaken. Zumindest, wenn sie ihr Bike in der City parken möchten. Wie Ulrich Hertes. Der 53-Jährige wohnt in der Innenstadt. Bis vor kurzem parkte sein Motorrad in einer Garage. Die fiel der Penny-Sanierung am Kreisverkehr zum Opfer. Nun hat Ulrich Hertes ein Problem.

Lange wurde das Motorrad auf der Mittelinsel toleriert

Der 53-Jährige wohnt in dem Komplex am Kreisverkehr. Morgens um 4 Uhr fährt er zur Arbeit. Wenn er mittags zurück kommt, parkt er sein Bike meist an der Klosterstraße, auf der Mittelinsel zwischen den Parkplätzen. „Da störe ich niemanden, nehme keinen Parkplatz weg, der Weg zum Parkscheinautomaten ist auch für einen Kinderwagen noch breit genug.“ Findet Ulrich Hertes. Und fanden lange auch die Mitarbeiterinnen des städtischen Fachdienstes Ordnung, die den ruhenden Verkehr kontrollieren. Bis jetzt.

Denn nun erhielt Hertes eine Zahlungsaufforderung der Stadt. Schriftlich. Wohl, weil ein Knöllchen ja mangels Windschutzscheibe und Scheibenwischer kaum an einem Motorrad zu befestigen ist. Er habe, so der Vorwurf, auf dem Gehweg geparkt. Denn Motorradfahrer müssen, so sieht es die Straßenverkehrsordnung vor, auf Autoparkplätzen parken. Auch, wenn Autofahrer auf Parkplatzsuche nach Hertes’ Erfahrung dafür wenig Verständnis aufbringen.

Auch der Anwohnerausweis wäre nicht sicher

Die 20 Euro hat er bezahlt. Als er jedoch kurz darauf die Ordnungsdienst-Mitarbeiterin zufällig auf dem Parkplatz traf, habe er sie gefragt, wie er

denn das Parkticket diebstahlsicher an seinem Motorrad befestigen solle. „Mit Tesafilm“ sei der Vorschlag der Mitarbeiterin gewesen. Ein schlechter Witz - dachte Hertes und außerdem „nicht diebstahlsicher“. Er fragte beim Fachdienst Ordnung nach. Der dortige Mitarbeiter „hat sich sehr amüsiert“, berichtet er verärgert – und ihm dann mitgeteilt, das mit dem Tesafilm sei doch eine „gute Idee“.

Selbst die geplanten Anwohnerparkausweise — die Stadt arbeitet ja bekanntlich an der Konkretisierung des Parkraumkonzepts – brächten ihn nicht weiter, ärgert sich Hertes. Denn diese könnten – ebenso wie die Parkscheine – vom Motorrad geklaut werden. Mit und ohne Tesafilm.

Der abtrennbare Teil des Tickets gelte nicht als Beweis

„Dieses Risiko geht man mit dem Kauf eines Motorrades ein“, erklärt Stadtsprecher Marcel Sturm dazu auf Nachfrage der NRZ. Motorräder müssten nun einmal auf normalen Parkplätzen parken. Das sei nicht nur in Dinslaken so. Sollte der Parkschein geklaut werden, genüge im übrigen auch der abtrennbare Teil des Tickets nicht als Beweis. Das könne ja auch von jemand anderes stammen.

Im Prinzip müsste der Motorradfahrer belegen, dass er zu dieser Zeit für dieses Fahrzeug einen Parkschein hatte. Vielleicht sollte Ulrich Hertes künftig neben Motorradkluft und Tesafilm auch eine Kamera mit sich führen?

„Oft stillschweigend geduldet“

Der ADAC verweist ebenfalls auf das generelle Parkverbot für Motorräder auf Gehwegen und die Pflicht, einen Parkschein anzubringen, notfalls mit Klebeband. Dennoch werde das Abstellen auf Gehwegen von Behörden „oft stillschweigend geduldet, wenn das abgestellte Motorrad weder Fußgänger noch Fahrradfahrer behindert“.

In Voerde könnten sie Glück haben. Voerdes Ordnungsdezernentin Simone Kaspar verweist ebenfalls auf die Straßenverkehrsordnung. Allerdings sei in Voerde – hier ist nur eine Parkscheibe erforderlich – „der Parkdruck nicht so hoch.“ Ob ein Motorrad also eine Knolle bekomme, liege im Ermessen der Ordnungsamts-Mitarbeiter. „In Voerde findet sich immer Platz für ein Motorrad“, so Kaspar.

NOCH EIN PARKPROBLEM - E-AUTO

  • Parken auf dem Gehweg – das legte die Stadt Dinslaken auch der Tochter von Frank Schwarzer zur Last. Diese wollte ihr Elektroauto an der Ladestation an der Neutor-Galerie aufladen – oder musste: Denn es wäre sonst liegen geblieben. Dort konnte sie aber nicht parken - beide Säulen waren blockiert. Die eine durch ein E-Auto, das nicht lud, die andere durch einen Benziner.

  • „Da das Ladekabel nur eine gewisse Länge hat, sah sich meine Tochter aufgrund der Situation genötigt auf dem Bürgersteig zu stehen um ihr Fahrzeug dort zu laden“, so Frank Schwarz. Sie habe niemanden eingeschränkt. Das sieht die Stadt anders. Das Auto habe auf dem Gehweg geparkt – das Knöllchen sei zurecht erteilt worden, so die Stadt auf Nachfrage der NRZ.

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