DIESE WOCHE: KOMMENTAR

Sonnenrad: Dinslakener CDU hätte besser geschwiegen

Anja Hasenjürgen kommentiert.     

Anja Hasenjürgen kommentiert.    

Foto: NRZ

Die Parteien in Dinslaken laufen sich warm für den Wahlkampf. Etwas mehr Mut wäre bei der Diskussion ums Sonnenrad wünschenswert gewesen.

Der Countdown läuft. In einem Jahr ist Kommunalwahl, und die Parteien in Dinslaken laufen sich warm. Anders ist nicht zu erklären, was in dieser Woche geschehen ist: Rund ein Jahr nach dem Ratsbeschluss für das umstrittene Fahrradparkhaus am Bahnhof verlangt die SPD plötzlich nach Alternativen zum bis dahin alternativlosen Fahrradturm.

Dass die CDU diese Kehrtwende als populistisch geißelt, ist nicht überraschend. Da hätte sich die SPD wohl vom Gegenwind in den sozialen Medien beeindrucken lassen, bemerkten die Christdemokraten und verwiesen auf den eigenen Antrag, das Projekt „Sicherer Hafen Dinslaken“ zu unterstützen. Zurecht. Denn für die Forderung, Dinslaken solle mehr Flüchtlinge als vorgesehen aufnehmen, musste die CDU zahlreiche Hasskommentare in den sozialen Medien hinnehmen. Und sie nahm sie hin.

Gelassen im Shitstorm

Es sei eben nicht mit dem christlichen Menschenbild vereinbar, Menschen ertrinken zu lassen, kommentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinz Wansing gelassen den Shitstorm. Es sei ihm im übrigen auch egal, wie die Bundespartei dazu stehe, legte er nach und bewies dabei ebenso viel Rückgrat wie seine Kanzlerin in der „Wir schaffen das“-Debatte. Dinslaken schafft das. Mutig. Und alles andere als populistisch.

In demselben Ausschuss, in dem die SPD mit dem Kurswechsel zum Fahrradturm überraschte, forderte ein CDU-Ratsherr, im Rahmen des Umbaus der Althoffstraße das dort ins Pflaster eingelassene Sonnenrad aufgrund der Ähnlichkeit mit einem Hakenkreuz zu entfernen.

Die CDU ließ das unkommentiert. Drei Tage lang. Bis die Nachricht in den sozialen Medien für heftigen Gegenwind sorgte. Dann distanzierten sich Stadtverband und Fraktion öffentlich vom Anliegen ihres Parteikollegen. Dieses sei nicht mit der Fraktion abgesprochen gewesen.

Nicht abgesprochen? Und wenn schon!

Und wenn schon! Das Entfernen eines Symbols wegen einer empfundenen Ähnlichkeit mit einem Hakenkreuz zu fordern, ist nicht wirklich ehrenrührig. Zu schweigen und sich hinter den Parteikollegen zu stellen - das wäre vielleicht unpopulär gewesen, ebenso wie der Antrag zum „Sicheren Hafen“. Aber mutig. Doch leider ist ja Wahlkampf.

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