Stromnetzkauf

Stadt Voerde steigt nächstes Jahr ins Stromnetzgeschäft ein

Für den Verbraucher soll sich laut Bürgermeister Dirk Haarmann durch den Einstieg der Stadt in das Stromnetzgeschäft nichts ändern.

Für den Verbraucher soll sich laut Bürgermeister Dirk Haarmann durch den Einstieg der Stadt in das Stromnetzgeschäft nichts ändern.

Foto: Oliver Berg / DPA

Voerde.  Die Stadt Voerde erwirbt von innogy 74,9 Prozent der Anteile am Stromnetz. Mit Einstieg in das Geschäftsfeld eröffnet sich ihr neue Geldquelle.

Die Stadt wird einen großen Anteil am Stromnetz auf Voerder Gebiet von innogy – der von Eon übernommenen ehemaligen RWE-Tochter – kaufen. Sie steigt zu Jahresbeginn in die neu gegründete Stromnetzgesellschaft Voerde mbH & Co. KG ein und hält dort eine Mehrheit von 74,9 Prozent. Das ist der maximal mögliche Anteil. Im Herbst hatte die Politik die Weichen für diesen Weg gestellt. Der Stadtrat stimmte Anfang Oktober hinter verschlossenen Türen dafür, dass die Kommune einen Teil des Stromnetzes erwerben möge. Das Votum sei einhellig gewesen, Gegenstimmen habe es nicht gegeben, berichtet Bürgermeister Dirk Haarmann auf Nachfrage der NRZ. Anfang dieses Jahres war die Überlegung eines möglichen Einstiegs der Stadt in dieses Geschäftsfeld publik geworden. CDU und SPD waren damals über das Wie in den Clinch geraten, das Ob war dagegen nicht strittig.

Es geht um das komplette Niederspannungsnetz, das der lokalen Versorgung dient – mit Ausnahme der separaten Technik für die Straßenbeleuchtung, erläutert Haarmann. Mit dem anteiligen Erwerb erschließt die Stadt sich eine neue Geldquelle. Sie sichere sich dadurch „gute Renditen“. Der Verwaltungschef verweist auf den „streng regulierten“ Energiemarkt mit „garantierten“ Netzentgelten, wodurch für die Stadt keine Risiken mit dem Einstieg in dieses Geschäftsfeld verbunden seien. Die Kommune muss für den Erwerb der Stromnetzanteile Geld in die Hand nehmen. Auf der anderen Seite fließen die Netzentgelte an die neue Gesellschaft und mithin auch ins Stadtsäckel zurück. So lasse sich ein wesentlicher Beitrag zum Haushalt der Kommune leisten, sagt Haarmann.

Bürgermeister: Endgültiger Kaufpreis steht mit Abschlussbilanz fest

Den Kaufpreis für die 74,9 Prozent Anteile am Voerder Stromnetz kann der Verwaltungschef momentan noch nicht beziffern. Dieser stehe mit der aktuell in der Erstellung befindlichen Abschlussbilanz endgültig fest. Die Nachbarstadt Wesel mit rund 60.000 Einwohnern – Voerde hat rund 37.000 – zahlt für die knapp 75 Prozent Anteile am Stromnetz eine Summe von zehn Millionen Euro, im Gegenzug würden jährlich unter dem Strich rund 500.000 Euro an die Kommune fließen.

Für die innogy, mit der die Stadt Voerde in einer gemeinsamen Pressekonferenz über das Stromnetzgeschäft informieren möchte, wenn die Dinge soweit abgewickelt sind, wie Haarmann erklärt, ist die Kooperation vor allem auch damit verbunden: Die Eon-Tochter, die 25,1 Prozent ihrer Anteile behält, könne so die Beschäftigung der technischen Mitarbeiter sichern, die das Netz unterhalten, erläutert der Voerder Verwaltungschef.

Veränderungen für den Verbraucher werde der Schritt der Stadt in das Stromnetzgeschäft nicht haben. Das Hauptaugenmerk liege auf der Unterhaltung und dem technischen Betrieb.

Die Vertragslaufzeit endet 2034, dann müsse die Stromnetzkonzession europaweit neu ausgeschrieben werden. Es kann sein, dass die Stadt danach nicht mehr mit im Boot ist. Bis 2034 aber, also 14 Jahre – das sei gesichert – werde sie profitieren.

Die Stadt möchte sich aus den gleichen Gründen auf einem weiteren Energiefeld tummeln: So gibt es laut Bürgermeister Haarmann Verhandlungen zum Kauf des Gasnetzes.

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