Kabarett

Sting und die Feinheiten der Ruhrgebietsgrammatik

Zur VHS-Semestereröffnung gastierte der Kabarettist Kai Magnus Sting in Dinslaken.

Zur VHS-Semestereröffnung gastierte der Kabarettist Kai Magnus Sting in Dinslaken.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Zur VHS-Semestereröffnung präsentierte Kai Magnus Sting sein Programm „Sonst noch was?!“. Das Publikum konnte zwei Stunden lang lachen.

Semestereröffnung der VHS im Dachstudio Dinslaken. Für Kai Magnus Sting ist es klar, was das bedeutet: „Hefte raus, wir machen einen Test vom letzten Semester.“ Aber dafür hat sich das Publikum am Samstag im völlig ausverkauften Dachstudio natürlich nicht schon seit Wochen seine Tickets gesichert.

Der Duisburger Kabarettist hat auch in Dinslaken eine treue Fangemeinde. Zu der auch Greta Beier gehört, die bei der VHS für den Programmbereich „Berufliche Bildung“ zuständig ist und erstmalig die Semesteröffnung organisierte. Sie entschied sich für Stings Programm „Sonst noch was?!“. Und das bedeutete zwei Stunden lachen über die Sprüche von Ärzten und die Sprüche von der „Omma“, über den Wahnwitz der Gegenwart und den leckersten Brotbelägen des letzten Drittels des vorigen Jahrhunderts.

Die Feinheiten der Ruhrgebietsgrammatik

Jedoch gegen Ende des Pogramms holte der Literaturwissenschaftler Kai Magnus Sting zum Schlag aus: Er analysierte und erklärte die Feinheiten der Ruhrgebietsgrammatik. Also doch eine Dozentenstunde an der VHS: „Siehsse!“ Und mit diesem vom praktischen Ruhrgebietsmenschen auf ein Wort verkürztes „Siehst du!“ ist alles gesagt.

Kai Magnus Sting dagegen braucht mehr Worte. Ja, im fortgeschrittenen Alter (41) drängt nicht nur der Arzt auf Generaluntersuchungen, die ständige Begleiterin beginnt, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er immer die gleichen Geschichten erzählt. „Das kann ich ja zum Beruf machen: heute in Dinslaken, morgen in Duisburg...“

Als es noch keine vegetarischen Brotbeläge gab

Vor allem aber schwelgt er gerne in Erinnerungen: An die trockenen Kekse „vonne Omma“, an die Zeiten, als es noch keine vegetarischen Brotbeläge gab, sondern Gouda, Harzer und „Zewwelat“-Wurst.

„Hömma, sind sie das Ende“, fragt die ältere Dame, als sie sich in der Kassenschlange im Supermarkt hinter Sting stellt. Nein. Sting weiß, wo das Ende tatsächlich erreicht ist. Und so findet der liebenswerte, oft so nostalgische Ruhrgebietskabarettist deutliche Worte über, die in 100 Jahren nichts dazu gelernt haben: „Demokratie bedeutet, auch gegen etwas zu sein“, erklärt er dem Erstarken der Rechten eine Absage.

Der Saal dankte für diese Semestereröffnung mit viel Applaus.

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