Wald

THW sprengte Bäume in Dinslaken - zur Übung und Sicherheit

Die Übung in Dinslaken stand unter der Leitung des THW Neuss - hier Michael Schumacher, William van den Boom, Hans Dahlschen (alle THW). 

Die Übung in Dinslaken stand unter der Leitung des THW Neuss - hier Michael Schumacher, William van den Boom, Hans Dahlschen (alle THW). 

Foto: Yannick Pieper / NRZ

Dinslaken.  Das THW übte in der Naturwaldzelle an der Autobahnauffahrt Dinslaken-Nord jetzt Sprengungen. Bäume drohten auf Wanderweg zu kippen.

Es wissen sicher die Wenigsten, dass Dinslaken einen echten Urwald besitzt. Im Wald Krummebeck an der Autobahnauffahrt Dinslaken-Nord steht eine von rund 70 Naturwaldzellen in NRW. Kein Mensch darf hier eingreifen, der Wald wird sich selbst überlassen.

Aktuell steht dort ein Umbruch an. Die gut 150 Jahre alten Buchen verfallen und neue Bäume sprießen aus dem Boden. Alle durch das genetische Material der alten Buchen. „Fachleute aus ganz Deutschland kommen hier hin, um sich diesen Wandel anzuschauen. Es gibt kaum einen Wald, wo der Wandel so gut zu sehen ist“, erzählt Förster Michael Herbrecht. Entlang dieser Naturwaldzelle verläuft ein Wanderweg, der vor umfallenden Buchen geschützt werden muss. In der Regel werden diese Bäume gefällt, allerdings möchte man in den Naturwaldzellen den optischen Erhaltungszustand der Unberührtheit erhalten. Man sprengt die Bäume und wahrt damit die natürliche Optik eines umfallenden Baumes durch beispielsweise einen Blitzeinschlag.

29 Bäume sind einsturzgefährdet

„Außerdem bieten die gesplitterten Baumreste einen super Lebensraum für Insekten, die sich dort einnisten“, so Herbrecht. Insgesamt sind 29 Bäume einsturzgefährdet, die vier gefährlichsten wurden am Samstag gefällt. Einer dieser Bäume durfte allerdings nicht gesprengt werden, da er zu nah an der Autobahn stand. So wurde er kurzerhand umgezogen, nachdem er angesägt wurde. Zur Sprengung und Fällung der Bäume rückte das THW aus Neuss und Viersen an. „Für uns ist das eine Win-Win-Situation. Das THW muss regelmäßig Sprengungen üben und ich meine Bäume fällen, so kommen beide Seiten gut weg“, sagt Michael Herbrecht, der mit dem THW Oberhausen in der letzten Woche im Hiesfelder Wald Bäume sprengte.

Drei Kilo Sprengstoff pro Baum

Die Vorgehensweise der Sprengungen erklärt THW-Zugführer Jörn-Peter Urbanek: „Pro Baum benutzen wir drei Kilo gewerblichen Sprengstoff. Wir bohren ein Loch in den Baum, das wir mit dem gelatinösen Sprengstoff füllen. Durch einen elektronischen Zünder explodiert die Ladung und sprengt den Baum in die Luft.“ Für die Sprengbeauftragten sind diese Übungen sehr wichtig, fährt Urbanek fort: „Gerade im Winter sprengen wir oft Eisoberflächen auf Seen, damit sich keine Person in Gefahr durch zu dünne Eisschichten begibt. Außerdem arbeiten wir eng mit der Feuerwehr zusammen, um beispielsweise mit Durchbruchssprengungen Menschen aus Gebäuden zu befreien.“

Die unberührte Natur ist ein optimaler Lebensraum für Tiere aller Art. In den hohlen, verfallenden Buchen nisten sich vor allem Spechte und Eulen ein. Gefällt oder gesprengt werden die Bäume daher nur außerhalb der Brutzeit. Aber es wird trotzdem vor jeder Sprengung dafür gesorgt, dass sich keine Tiere im Baum befinden, sagt Herbrecht: „Wenn die Bäume für die Sprengladungen angebohrt werden, fliehen die Vögel. Brutnester sind außerhalb der Brutzeit natürlich nicht mehr vorhanden.“

Die Verjüngung dauert zwei Jahrzehnte

Nach den Sprengungen am Samstag sind die Wanderwege wieder sicherer. Interessierte können sich die zersplitterten Baumstümpfe nun anschauen. Die Bäume, die abseits des Weges stehen, werden sich selbst überlassen und fallen um, wenn deren Leben vorbei ist. „Wer sich dafür interessiert, kann den Wandel hier bestens beobachten. Die aktuell stattfindende Verjüngung dauert zwar einige Jahrzehnte, aber diesen Stand, den wir jetzt haben, erlebt man hier nur einmal im Leben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben