Natur

Heißer Sommer: Klimawandel treibt Eulenküken aus den Nestern

Biologin Petra Sperlbaum hat in diesem Sommer 14 Eulenkinder aufgepäppelt, sechs davon konnte sie jetzt in Voerde - hier bei Rosi und Werner Straeter -und Dinslaken auswildern.

Biologin Petra Sperlbaum hat in diesem Sommer 14 Eulenkinder aufgepäppelt, sechs davon konnte sie jetzt in Voerde - hier bei Rosi und Werner Straeter -und Dinslaken auswildern.

Foto: Peter Malzbender / NABU

Dinslaken/Voerde.  Im Sommer sind zahlreiche junge Schleiereulen aus den Nestern gesprungen und haben sich verletzen. Laut Nabu im Kreis Wesel ein neues Phänomen.

Der Klimawandel ist ein zunehmendes Problem für die Schleiereulen im Kreis Wesel. Im Sommer 2018 wurden dem Nabu 20 verletzte Eulenkinder gebracht, in diesem Sommer waren es noch mehr. Allein 14 Eulen hat Nabu-Biologin Petra Sperlbaum aufgepäppelt, ein weiteres Dutzend landete in der Greifvogelauffangstation, berichtet Peter Malzbender, Vorsitzender des Nabu im Kreis Wesel. Davor habe es dieses Problem gar nicht gegeben. Die Ursache laut Malzbender: Weil es in den Nestern der Tiere zu heiß wird, springen die Jungvögel heraus. Sie können aber noch nicht fliegen.

60 Grad Hitze im Dachgebälk sind zu viel

„Das ist wahrscheinlich dem Klimawandel geschuldet“, sagt Expertin Petra Sperlbaum. Schleiereulen brüten meist hoch oben unterm Dachstuhl in Ställen. „Genau da hatten wir es auch schon im vergangenen Jahr bei der extremen Hitze mit 60° Celsius Stauwärme unterm Gebälk zu tun. Aus großer Not heraus springen dann viele noch flugunfähige Küken in die Tiefe.“ Die Tiere, die bei dem Sturz aus vielen Metern Höhe nicht tödlich verunglücken, werden zum Glück dem NABU gemeldet.

Ein weiteres Problem in heißen Sommern sei die Nahrungssuche für die Eulen, berichtet Peter Malzbender. Wenn es abends nicht abkühle, wären weniger Mäuse unterwegs. Zum Glück – zumindest für die Eulen – habe es in diesem Jahr eine Kleinnagerschwemme gegeben.

Vier Monate lang päppelt Petra Sperlbaum die Eulen auf

Insgesamt 14 Schleiereulenküken hat Eulenfreundin Sperlbaum in diesem Jahr bereits aufgepäppelt. Gut vier Monate hat sie die kleinen Eulen liebevoll mit „viel Sachverstand, Geduld und Pinzette großgezogen“, so Peter Malzbender. Das größte Unterfangen sei dann, den flüggen Jungeulen die Jagd auf Mäuse beizubringen. Sie hätten ja keine Elternvögel, die ihnen das zeigen können. Mittlerweile hat die Biologin dazu aber selbst eine erfolgreiche Methode entwickelt.

Schleiereulen fanden in Voerde und Dinslaken ein neues Zuhause

Nun war für sechs der aufgepäppelten Schleiereulen der große Tag gekommen: Sie wurden auf Bauernhöfen ausgewildert. Am frühen Abend entließ Petra Sperlbaum die Teenie-Eulen wieder in die Natur. Die Eulen waren ihr alle als hilfsbedürftige Küken aus dem Großraum Dinslaken-Voerde gebracht worden und hatten nun das Glück, dass sich zwei Bauernhöfe in derselben Gegend fanden, die die Tiere bei sich aufgenommen haben. Rosi und Werker Straeter aus Voerde und Hermann Ettwig in Mehrum gaben den Vögeln ein neues Zuhause, zwei weitere Eulen zogen in Eppinghoven ein. Auf leisen Schwingen eroberten die Gefiederten ihr neues Umfeld. Mit ein wenig Wehmut, aber vor allem Freude beobachtete Petra Sperlbaum noch lange das Schauspiel ihrer „ehemaligen“ Schützlinge.

Nabu sucht Bauernhöfe, die Eulen aufnehmen möchten

Der Nabu ist immer auf der Suche nach eulentauglichen Bauernhöfen. Diese müssen einen Stall haben, in dessen Dachstuhl die Tiere nisten können. Außerdem muss das neue Zuhause der Tiere frei anzufliegen sein – also optimalerweise an Feldern ohne Verkehr liegen. Der Nabu stellt gegen eine Spende einen Eulennistkasten – der mit etwa einem Meter recht groß, gegen Marder geschützt und somit auch recht teuer ist. Für Bauern sind die gefiederten Untermieter zudem ein Gewinn, so Peter Malzbender, weil sie sich von Mäusen und Ratten ernähren.

Kontakt und Geschichte

Wer einen geeigneten Hof hat und Eulen aufnehmen möchte, kann sich an den Nabu Kreis Wesel unter 0281/1647787, per Mail (info@nabu-wesel.org ) oder auf nabu-weshttps://www.nabu-wesel.de/el.de wenden.

F rüher wurden Schleiereulen mit ausgebreiteten Schwingen an die Hoftore genagelt. Sie galten im Volksglauben als Todesvögel, so Malzbender. Wenn bei kranken Menschen Kerzen im Fenster gebrannt hätten, seien die Eulen abends vom Bett aus zu sehen gewesen. Sie hätten es auf die Insekten abgesehen gehabt, die das Licht anlockte, erklärt Peter Malzbender eine Ursache des früheren Aberglaubens

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