Kleingarten

Pfau irrt seit Monaten durch Dortmunder Kleingartenanlage

Stolz schreitet der Pfau durch den Kleingarten von Norbert Reitz.

Foto: Stephan Schütze

Stolz schreitet der Pfau durch den Kleingarten von Norbert Reitz. Foto: Stephan Schütze

Löttringhausen.  Eines Tages war der Pfau plötzlich da. Und niemand in der Kleingarten-Anlage Langeloh-Blick in Löttringhausen weiß, woher "Jupp" kommt.

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Norbert Reitz rieb sich die Augen, als er den Vogel das erste Mal durch die Kleingartenanlage Langeloh-Blick stolzieren sah. Das ist bereits mehrere Monate her. Seitdem scheint sich der junge Pfau vor allem in Reitz’ Garten – Nummer 29 –heimisch zu fühlen.

Er pickt dort die Körner auf, die die Meisen aus dem Meisenknödel am Baum haben fallen lassen. Oder er bekommt von Reitz gleich einen ganzen Meisenknödel für sich selbst, den er mit seinem Schnabel kräftig bearbeitet.

Er frisst Apfelstücke aus der Hand

Der Hühnervogel frisst dem Rentner auch aus der Hand, wenn der sich morgens auf der Bank einen Apfel schält. „Da kriegt er immer was mit“, erzählt Norbert Reitz, „ich füttere den durch. Das ist ein wirklich schönes Tier. Und so zahm. Der läuft einem über den Fuß.“

Trotzdem macht der gefiederte Freund den Kleingärtner unruhig; denn niemand weiß, woher der Pfau kommt. Eines Tages war er einfach da. „Wie kommt der hierhin?“, fragt sich Reitz: „Das hat es doch noch in keiner Gartenanlage gegeben.“ Und der 82-Jährige hat seinen Garten in Löttringhausen seit 33 Jahren.

„Das muss geregelt werden“

„Ich fände es schade, wenn der Pfau kein Heim hätte“, sagt der Kleingärtner, „er tut ja keinem was. Ich bin Tierfreund, aber das muss geregelt werden. Das ist hier kein Zuhause.“

Reitz’ Frau Ursula hat bereits beim Zoo angerufen und nachgefragt, ob der Pfau von dort ausgebüxt ist. „Ist er nicht“, sagt Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter auf Nachfrage dieser Redaktion: „Im Zoo sind die Pfauen alle einquartiert als Vorbeugungsmaßnahme gegen die Geflügelpest. Uns fehlt keiner.“

Auch beim Tierschutzverein hat Ursula Reitz angeläutet. Dort konnte man ihr aber auch nicht weiterhelfen. Dr. Brandstätter weiß, dass es im Dortmunder Süden Leute gibt, die sich Pfauen als Ziervögel im Garten halten.

Warum den Pfau nicht einfach in der Kleingartenanlage als Ziervogel adoptieren? „Ach du dickes Ei“, sagt Norbert Reitz, „nein, das geht nicht. Der muss zurück in ein Zuhause.“

Ein Rad hat der Pfau noch nicht geschlagen

Wahrscheinlich will er aber gar nicht mehr dahin, vermutet Zoodirektor Brandstätter. Ein Pfau habe seinen Standort im Kopf. „Vielleicht ist der Besitzer verreist oder der Pfau hat Streit mit Artgenossen gehabt. Es könnte sich auch um ein Jungtier handeln, das vom Vater vertrieben wurde.“

Dafür würde auch sprechen, dass der Pfau in Reitz‘ Garten noch keine lange Schleppe hat. Dass er ein Rad schlägt, hat Norbert Reitz jedenfalls noch nicht gesehen.

Schon mal zwei Pfauen im Zoo zu viel

„Die Pfauen im Zoo machten auch schon mal einen Ausflug“, berichtet Brandstätter, „aber sie kommen immer wieder. Wir hatten zwischendurch auch schon mal zwei Pfauen zu viel.“

Pfauen seien sehr gute Flieger, auch wenn sie nicht oft flögen, so Brandstätter. Sie fressen das Vogelfutter, aber auch gern die Pommes, die Zoobesucher fallen lassen. Brandstätter stellt klar : „Das wollen wir nicht.“ Und scherzt: „Das sind Zivilisationspfauen“. Wilde Pfauen gebe es in Deutschland nicht, sagt der Zoodirektor, „ihr Besitz ist auch nicht meldepflichtig.“

Kälte ist kein Problem

Die Sorge, dem Pfau könnte die Kälte etwas anhaben, kann der Zoodirektor dem Kleingärtner nehmen: „Die Kälte ist kein Problem für ihn. Pfauen sind abgehärtet.“

Trotzdem: Norbert Reitz möchte wissen, ob jemand den Pfau vermisst; denn Pfauen können 20 Jahre alt werden. Und so lange will der Rentner die Verantwortung nicht tragen.

Der Pfau heißt Jupp

Muss er aber auch nicht; denn nachdem die Geschichte vom Pfau am Mittwoch in der Zeitung stand, haben sich seine Besitzer gemeldet. Familie Schlüter aus Löttringhausen hatte den Vogel schon schmerzlich vermisst: Der Pfau, ist von ihrem Resthof ausgebüxt, nicht weit von dem Gartenverein entfernt. „Er ist nur über ein paar Bäume geflogen“, erzählt Bettina Schlüter.

Der Pfau hat einen Namen: Jupp. Er gehört Elenio, dem 13-jährigen Sohn der Familie. Schlüters haben Jupp im Spätsommer gekauft. Damals war er erst ein halbes Jahr alt. „Und sehr ängstlich“, berichtet Bettina Schlüter.

Sohn konnte Pfau auf den Arm nehmen

Kaum war er in seinem neuen Zuhause, hat er sich zweimal aus dem Staub gemacht. „Er ist aber jedes Mal wiedergekommen, war auch schon relativ zutraulich.“ Bis er nach drei Wochen ganz wegblieb.

Der Züchter hatte Schlüters darauf aufmerksam gemacht, dass das passieren könnte. Sie sollten ihm die Flügel stutzen oder zumindest einen. Was sie nicht getan haben. „Der Pfau war schon relativ zutraulich“, sagt Bettina Schlüter, „mein Sohn konnte ihn auf den Arm nehmen.“

Familie hatte den Fuchs in Verdacht

Familie Schlüter hatte die Sorge, dass der Fuchs den Pfau geholt haben könnte, wie zuletzt mehrere Enten und Hühnerküken. Dann hat sie sich damit getröstet, dass Jupp „hoffentlich ein gutes neues Zuhause gefunden hat“. Bettina Schlüter: „Wir hatten uns schon abgefunden, dass wir ihn nicht wiedersehen.“ Nun soll es eine Rückführung geben. Und vielleicht gibt es auch eine Frau für den Pfau.

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