Gericht

Friseursalon: Revolver-Schütze muss zwei Jahre ins Gefängnis

Das Kripo-Siegel an der Tür war nach den Schüssen kurzerhand überklebt worden – genau so wie die Einschusslöcher in der Scheibe daneben.

Das Kripo-Siegel an der Tür war nach den Schüssen kurzerhand überklebt worden – genau so wie die Einschusslöcher in der Scheibe daneben.

Foto: Fröhling (A)

Lünen.  Ein 46-Jähriger hatte im Januar 2017 in einem Friseursalon in der Lüner Fußgängerzone Schüsse abgegeben. Nun wurde er verurteilt.

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Ein Jahr nach einer Schießerei in einem Friseursalon in der Lüner Fußgängerzone hat das Amtsgericht einen der Schützen verurteilt. Der 46-jährige Bauhelfer aus Castrop-Rauxel muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Denn: Mit etwas Pech hätten auch Unbeteiligte tödlich getroffen werden können.

Dass der Angeklagte an jenem 15. Januar 2017 in dem Friseursalon war, hat er am Freitag zugegeben. Und er räumte auch ein, dass er damals einen scharfen und geladenen Revolver bei sich trug. Als es zum Streit mit seinen Geschäftspartnern gekommen sei, habe er sich von einem anderen Mann bedroht gefühlt, weil dieser zuerst eine Pistole gezogen habe. Die Schüsse aus seinem Revolver seien also in Notwehr abgegeben worden.

Tatsächlich hatte die Staatsanwaltschaft dem Mann schon im Vorfeld nichts anderes nachweisen können. Bereits die Anklage hatte deshalb „nur“ auf unerlaubten Waffenbesitz gelautet. Dass die Aktion in der Fußgängerzone höchst gefährlich war, stellte Richter Ulrich Oehrle in der Urteilsbegründung noch einmal heraus: „Zwei Projektile sind durch die Fußgängerzone geflogen. Eins ist in der Fassade des Hotels gegenüber eingeschlagen. Wenn in diesen Sekunden ein Unbeteiligter an dem Friseurladen vorbeigegangen wäre, hätte er tödlich getroffen werden können.“

„Wenn ich so was in der Zeitung lesen müsste...“

Aus diesem Grund wollte es der Richter auch nicht mit einer milden Bestrafung bewenden lassen. Darüber hinaus musste er in die Strafe noch ein früheres Urteil wegen versuchter Nötigung und gefährlicher Körperverletzung einbeziehen.

Oehrles Schlussworte waren an die Öffentlichkeit gerichtet: „Eine Bewährungsstrafe in diesem Fall würde die Bevölkerung einfach nicht verstehen. Wenn ich so was in der Zeitung lesen müsste, würde ich denken: Was ist da denn los gewesen? Das kann doch wohl nicht wahr sein.“ Der Angeklagte und seine beiden Verteidiger legten noch im Gerichtssaal Berufung ein.

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